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Ho-Chi-Minh-City: Schlusspunkt in Vietnam, zweiter Teil
Die letzten beiden Tage in Vietnam verbrachten wir in HCMC, bei uns besser bekannt als Saigon.

Den Wiedervereinigungspalast verschmähten wir bei unserem ersten Aufenthalt, diesmal wollten wir ihn noch besuchen. Früher diente der Palast dem jeweiligen Präsidenten als Amts- und Wohnsitz, nach der Übernahme Südvietnams durch die Kommunisten wohnte niemand mehr dort.

Eines der unzähligen Empfangszimmer zeugt heute noch von der einstigen Grösse. Heute werden diese Räume nur noch als Erinnerungen gepflegt.

Der Kleiderschrank der letzten Präsidenten-Gattin ist der Traum jeder Frau, auch Ruth hätte daran ihre helle Freude. Und noch nicht genügend Kleider, um alle Schränke zu füllen. Was für eine Gelegenheit für ausgedehnte Shopping-Trips!

Das Büro des letzten Präsidenten wirkt gar nicht so imposant. Trump würde hier wohl noch viel Gold ankleben, um es für sein gigantisches Ego ausreichend protzig zu machen.

Im Keller der Anlage gibt es einen Bunker, wohin sich der Präsident und seine Entourage zurückziehen konnten, falls der Feind in die Nähe kam. Hier brauchte es dementsprechend auch geeignete Kommunikationsmittel, damit die Befehlshaber jederzeit über die militärische Lage im Bilde sein konnten. Mich erinnerten diese Geräte an meine eigene Militärzeit, in der unsere Funkgeräte ähnlich modern waren.

Schlechte Nachrichten von der Front konnten auch in diesem fensterlosen Raum empfangen werden.

Ein älteres Haus im Zentrum Saigons ist ziemlich verfallen. Die hohe Luftfeuchtigkeit zusammen mit der Hitze lässt die Mauern verschimmeln. Da hilft auch das Plakat zur 50-Jahresfeier der Machtübernahme der Kommunisten nicht weiter. Der Verfall lässt sich nicht mal mit Hammer und Sichel aufhalten, da hilft lediglich eine kräftige Renovation.

Am späteren Nachmittag machten wir nochmals eine kleine Rundfahrt auf dem Saigon-River, von wo aus sich die mondäne Neustadt gut betrachten lässt.

Eine der eleganten Brücken über den Fluss ist so hoch, dass sogar grössere Schiffe problemlos darunter durchfahren können.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite bemerkte ich den wohl grösste Werbebildschirm, den ich je sah. Auf der rechten Seite oberhalb des Buchstaben „M“ steht ein Mensch aufrecht. Das Sujet wechselte laufend.
Am letzten Tag in Vietnam machten Paul und ich einen Ausflug zu den Củ Chi Tunnels, welche die Vietnamesen schon zu Zeiten der französischen Kolonialmacht errichteten, um Waffen zu schmuggeln und diese auch vor dem Feind zu verstecken. Heute sind diese eine grosse Touristenattraktion. Da wir noch genügend Zeit für den Ausflug hatten, wollten wir uns diese ansehen.

Weihnachten kündet sich auch auf dem Parkplatz vor den Tunnels an. Für mich immer wieder eine seltsame Erfahrung, wenn ich den Samichlaus in den Tropen treffe.

Die Vietnamesen waren weder mit den Franzosen noch später mit den Amerikanern besonders nett. An dieser Stelle wurden einige der Gruben demonstriert, mit denen feindliche Soldaten kampfunfähig gemacht wurden.

Eine Klapptüre im Waldboden verdeckte eine Grube, an deren Boden Bambusspiesse angebracht waren. Der arme Kerl, der hier hinfiel, hatte kaum Überlebenschancen.

Ein kleiner Teil der Tunnels kann begangen werden, an einer Stelle konnten Mutige hinabsteigen und dann wieder auftauchen. Viele Touristen liessen sich das nicht entgehen. Für mich waren die Tunnels nichts. Teile mussten auf allen Vieren „erkrochen“ werden. Darauf hatte ich keine Lust.

Am Morgen unserer Abreise wurde ich um 02:40 unsanft vom Wecker aus dem Schlaf gerissen, da unser am Vorabend bestelltes Taxi um 03:00 vor dem Hotel wartete. Als wir auf die Strasse traten, war neben unserem Hotel bereits ein „Metzger“ an seinem Tageswerk. Er zerteilte ein Schwein, welches seine Frau dann während des Tages am Strassenrand verkaufte. Lust auf Schweinefleisch? Ich nicht. Ich würde hier wohl schnell Vegetarier oder Fisch und Crevetten-Esser.
