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- Kategorie: Winterreise 15 / 16 - Erste Etappe - South Africa
Von Paul zu Nelson - etwas Geschichte
Die Buren, welche ursprünglich die Region um Kapstadt besiedelten, machten sich ab 1835 auf den Weg in Richtung Norden, um weitere Gebiete des heutigen Südafrikas zu unterwerfen. Ihnen zu Ehren wurde ab 1937 das Voortrecker-Denkmal errichtet, welches immer noch etwas südlich der Landeshauptstadt Pretoria auf einem Hügel steht.

Das aus Granit erstellte Bauwerk wirkt sehr klotzig, protzig und unnahbar. Schön ist anders, aber es soll wohl die Unerschütterlichkeit der Buren symbolisieren. Der Grundsockel misst 40x40 m, das Gebäude ist 41 m hoch. Ein mächtiger Klotz!

Rund um den Mocken steht eine symbolische Wagenburg, mit welcher sich die Buren gegen die angreifenden Eingeborenen schützten. Der makellos manikürierte Rasen nimmt der martialischen Gestaltung etwas von ihrer Schärfe.

Innen ist die Struktur weitgehend leer, gedämpftes Licht fällt durch die gelochten Seitenwände. Die Wände sind mit Fresken verziert, welche die Geschichte der Trecker darstellen. Der Lichtfleck im unteren Teil des Bildes soll jeweils am Jahrestag einer blutigen Schlacht auf einen Sakophagen scheinen und dort die Aufschrift „Ons vir jou Suid-Afrika“ (afrikaans; deutsch: „Wir für Dich, Südafrika“) beleuchten. Pathetisch!

Anschliessend an den Besuch des Voortrecker-Denkmales fuhren wir ins Zentrum Pretorias, zum Church Square. Dort steht eine grosse Skulptur von Paul Kruger, dem ab 1882 ersten Präsidenten des damaligen Burenstaates. Paul Kruger schuf auch den nach ihm benannten Kruger-Park, einen der bekanntesten Tierparks im Osten des heutigen Südafrikas. Seine Skulptur im Zentrum Pretorias muss mit Stacheldraht und einem grossen Zaun geschützt werden. Seine Beliebtheit scheint dieser Tage nicht allzu gross zu sein.

Mitten in der Hauptstadt hat auch diese fliegende Händlerin ihren Platz. Unter einem Sonnenschirm verkauft sie ihre Nüsschen, welche regen Zuspruch finden.

Die südafrikanische Flagge ziert das höchste Gericht des Bundesstaates, welches am Church Square steht.

Unser nächste Halt galt dem Naturhistorischen Museum, wo wir die Schädel der Frühmenschen ansehen wollten. Vor dem Gebäude wird ein Skelett eines riesigen Wales ausgestellt. Ich hoffe, dass wir bei unserem späteren Besuch in der Kap-Region noch einige lebende Exemplare dieser Giganten der Meere sehen werden. Skelette sind eindrücklich, die lebenden Tiere sind aber noch viel imposanter.

Die originalen Schädel der Frühmenschen sind zur Zeit nicht ausgestellt, diese sind zu Forschungszwecken in den Labors. Gipsabdrücke wollte ich nicht fotografieren. Stattdessen soll dieses Schaubild eines Frühmenschen, der gerade zu einem Mittagessen eines Leoparden wird, die frühesten menschenähnlichen Geschöpfe repräsentieren. Ich hoffe, dass uns in den kommenden Tagen dieses Schicksal erspart bleiben wird. Wenn wir schön brav im Auto bleiben, sollte uns nichts passieren ...

Von der Terrasse des Parlamentes hat man einen schönen Ausblick auf Pretoria. Im Zentrum der Hauptstadt gibt es einige Hochhäuser, welche vom Wohlstand des Landes zeugen.

Unser letzter Besuch galt heute der Statue des wohl wichtigsten Südafrikaners des letzten Jahrhunderts. Nelson Mandela wurde 1990 nach 27 Jahren Gefangenschaft unter härtesten Bedingungen freigelassen. Statt sich gegen seine ehemaligen Kerkermeister aufzulehnen, rief er alle Südafrikaner zur Einheit auf und plädierte für einen Neuanfang. 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident des Landes. Selten hat mich eine Person so beeindruckt!
Interessanterweise muss seine Statue weder mit einem Zaun noch mit Stacheldraht geschützt werden. Für uns schloss sich mit diesem Besuch der Kreis der Geschichte in diesem faszinierenden Land. Die Reise von einem der ersten Politiker zum vermutlich wichtigsten und dies bei schönstem Sommerwetter.
