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- Kategorie: Winterreise 16 / 17: Fünfte Etappe - Vietnam 17
HCMC - das französische Erbe
Zu Fuss in Saigon unterwegs zu sein ist anstrengend: Die Hitze liess mich heute ziemlich stark schwitzen. Noch anstrengender ist jedoch das Überqueren der Strassen. Auch wenn ein Rotlicht vorhanden ist, wird dieses nicht immer beachtet, vor allem die Roller fahren qreuz und quer über die Kreuzungen. Häufig auch auf den Gehsteigen. Doch statt im klimatisierten Taxi von der einen Sehenswürdigkeit zur anderen zu flitzen, ist es schwitzend viel interessanter.
Die Franzosen hinterliessen in der Stadt viel Interessantes.Einerseits die grossen Boulevards, die ähnlich wie jene in Paris die Innenstadt durchziehen. Andererseits aber auch einige Bauten, die heute Publikumsmagnete sind.

Das Opernhaus ist eines der Gebäude, welches die Franzosen bauten. Heute finden darin kaum mehr Opernaufführungen statt, es werden traditionelle vietnamesische Folkloreabende durchgeführt.

In den Parkanlagen wird der Rasen mit einer kleinen Schere geschnitten. Die Gärtnerin sitzt dazu auf einem ganz kleinen Stuhl und schneidet nahezu jeden Grashalm einzeln ab. Der landestypische Hut gibt ihr dabei den notwendigen Schatten.

Offenbar lesen die Vietnamesen sehr viel, in einer Seitenstrasse bei der Oper gibt es viele Buchhändler, welche ihr Angebot unter die Leute bringen wollen. Die meisten haben ein Kaffee angeschlossen, wo die jungen Leute über ihre neuesten Käufe diskutieren. Selbstverständlich gibt es hier überall WiFi.

Eine weitere Hinterlassenschaft der Kolonialherren ist das Hauptpostamt, welches heute noch in Betrieb ist. Die aktuelle Landesflagge, ein rotes Tuch mit dem gelben Stern weht heute auf dem Gebäude.

Im Innern wacht Ho-Chi-Minh, Väterchen Ho, wie er auch genannt wird, über das Geschehen. Die Schalter links und rechts sind in Betrieb, die meisten der Besucher sind allerdings Touristen, von denen die wenigsten Sendungen aufgeben wollen.

Ein älterer Herr bietet seine Dienstleistungen an: Er ist ein Öffentlicher Schreiber. Von ihm kann man sich Briefe schreiben oder auch amtliche Formulare ausfüllen lassen. Ob er auch als amtlicher Vorleser amtet? Eine wohl bald aussterbende Berufsgattung.

Neben dem Postamt steht die Notre-Dame Kathedrale, auch sie eine Hinterlassenschaft Frankreichs. Von den Franzosen hätte ich mir eine interessantere Archtiektur vorgestellt.

Das Hôtel de Ville, oder die City Hall wurde ebenfalls von den Franzosen erbaut, heute ist es Sitz eines Parteiorgans der Kommunistischen Partei Vietnams und kann nicht besichtig werden. Davor steht seit 2015 eine 7 m hohe Figur von Ho-Chi-Minh, dem Namensgeber der Stadt. Was er wohl zum aktuellen Bauboom in HCMC sagen würde und zu den vielen Luxusgeschäften, welche gerade in der Innenstadt Überhand nehmen? Wie passt dies mit der kommunistischen Ideologie zusammen?

Der sogenannte Wiedervereinigungspalast stammt aus den frühen 1960-er Jahren und war während Jahren Sitz des jeweiligen vietnamesischen Premierministers. Heute ist er ein Museum und kann besichtigt werden. Ausser einigen Möbeln aus der Zeit ist aber nicht sehr viel zu sehen, er ist lediglich für an der Geschichte Interessierte von Bedeutung.

Den heutigen Schlusspunkt macht eine Lotusblüte, welche sich wohl erst am frühen Morgen öffnete, bereits am Nachmittag sind sie schon wieder verwelkt.
