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- Kategorie: Winter 18 / 19: 2. Etappe Namibia mit Ruth
Nach einem Besuch bei Dr. Livingstone bin ich nun in Freiburg
Die Strecke von Upington nach Johannesburg war mir mit fast 800 km zu weit für eine Tagesetappe. Ich beschloss deshalb, mir Zeit zu lassen und auf dem Weg zwei mich interessierende Dinge anzusehen.

Die Strecke sah oft so aus: Zwei gelbe Striche links und rechts, eine weisse Mittellinie und ein endloser Horizont. Verkehr gab es recht wenig und wenn, dann liessen sich die langsameren Lastwagen gut überholen. Die grösste Gefahr stellt die Müdigkeit dar, ohne einen Gesprächspartner im Auto bleibt mir nur das Hören von Podcasts.

Eines meiner Ziele war die Sishen Mine bei Kumba. Je näher die Strasse der Mine kommt, desto offensichtlicher wird das Erz, welches hier abgebaut wird: Eisen. Leser meines Blogs werden sich an eine Etappe der Reise mit Paul erinnern, wo wir bei Lamberts Bay ein Bahngeleise überquerten. Die Bahn transportiert das Eisenerz von hier in den Hafen von Saldanha am Atlantik transportiert. Mehr dazu gibt es hier (Klick mich!).

Das Eisenerz wird hier vorbehandelt und in riesigen Haufen gelagert und sodann auf die Eisenbahnwagen verladen. Die Sishen Mine ist eine der grössten Tagebau-Minen der Welt, das meiste Erz wird nach China und Europa exportiert.

Die Verladeanlagen sind eindrücklich: Riesige Förderbänder bringen das Erz zur Verladestation, wo die Züge anhalten. Die ganzen Anlagen sind rot, Teile sind offenbar so angestrichen, andere Teile und auch die Vegetation wird vom Eisenstaub so gefärbt. Wieviel Stahl und Eisen wurde wohl für die Konstruktion dieser Anlagen verwendet, gibt etwas wie "grauen Stahl"?

Die nächste Station galt Kuruman, einer heute eher gesichtslosen Stadt, welche aber in der Geschichte Afrikas eine grössere Bedeutung hat. Ein Schotte, Robert Moffat, gründete hier in den 1820-er Jahren eine Missionsstation, etwa 5 km ausserhalb der heutigen Stadt. Er kam als Missionar hierhin und versuchte, die Einheimischen zu bekehren. Dazu übersetzte er die Bibel in deren Sprache. Das Wohnzimmer in seinem Haus enthält noch einige der originalen Möbel.

Bereits 1829 wurde dieses Haus erbaut. Es diente als erstes Schulhaus in der Gegend. Erbaut hatte es ein gewisser Aaron Josephs mit zwei Kollegen. Sie machten dies kostenlos, alle drei waren offenbar ehemalige Sklaven, welche in der Missionsstation Aufnahme suchten, um ihre Kinder schulen zu lassen. Das Schulhaus hatte sicher mehr Einfluss auf die Welt, als die Bibel.

Richtig bekannt wurde Herr Moffat aber durch seine Tochter. Diese lernte einen gewissen Dr. David Livingstone kennen und die beiden heirateten. Livingstone war während vieler Reisen unter anderem auf der Suche nach der Quelle des Nils. In diesem Haus lebte er, wenn er bei seinen Schwiegereltern zu Besuch war.

Der grösste Teil des Hauses dient heute als Toilette, lediglich ein kleiner Teil enthält einige Erinnerungen an den grossen Forscher.

In dieser Kirche heirateten die beiden.

Innen ist die Kirche ebenso schlicht wie sie von aussen wirkt. Wenn hier nicht ein bekannter Forscher geheiratet hätte, wäre sie vermutlich schon längst verlassen und nicht so gut im Schuss.
Hier eine kleine Geschichte: Livingstone war auf einer Entdeckerreise, als er während mehr als 6 Jahren nicht mehr von sich hören liess. Der New York Herald sandte eine Expedition aus, um ihn zu finden. Schliesslich traf ein gewisser Henry Morton Stanley am 10. November 1871 an den Ufern des Lake Tanganyika einen weissen Herrn und soll ihn mit den Worten „Dr. Livingstone, I presume?“ begrüsst haben. Livingstone soll mit "Yes", und dann "I feel thankful that I am here to welcome you." geantwortet haben. Ob das so war, ist unklar, die Story tönt auf jeden Fall gut und die Worte wurden in der Zeitung am 10. August 1872 so publiziert. Se non e vero, e ben trovato.

Ein Wegweiser erfüllt seinen Dienst auf dem sogenannten Missionarsweg, auf welchem viele Siedler in Südafrika unterwegs waren.

Eine englische Kolonie ohne einen typisch englischen Briefkasten ist unvorstellbar. Die Orange River Colony war eine solche englische Besitzung und so gab es einen spezielles Exemplar mitten im Busch. Das Schild weist darauf hin, dass keine Briefe mit Noten, Münzen und anderen Wertgegenständen im Briefkasten hinterlegt werden sollen. Für solche Sendungen stehe das Postbüro zur Verfügung. Offenbar gab es schon damals nicht nur ehrliche Leute.

Die Missionsstation wurde nicht einfach so hier erbaut: Fünf Kilometer entfernt liegt das Eye of Kuruman im Dorfzentrum. Eine Quelle, die zuverlässig Wasser liefert. Es soll sich um die grösste Süsswasserquelle in der südlichen Hemisphäre handeln, welche pro Tag zwischen 20 und 30 Millionen Liter frisches Wasser an die Oberfläche bringt. Moffat lies einen Wasserkanal bauen, der das Frischwasser zu seiner Station lieferte. Hier wurde damit viel Landwirtschaft betrieben.

Dieses Bild habe ich aus dem Internet von der Webseite der Gemeinde entlehnt. Bei meinem Besuch war das Licht nicht sehr gut und die Wasserfläche war vollständig mit Wasserpflanzen bedeckt.
Nun bin ich in Freiburg, einer kleineren Stadt etwa 300 km vor Johannesburg. Die Stadt heisst hier Vryburg, was aber dieselbe Bedeutung hat. Die Stadt war 1882 die Hauptstadt der Republik Stellaland, die heute jedoch nicht mehr existiert. Die Einwohner nannten sich damals Vryburger, was soviel wie Freie Bürger bedeutet. Der Name der Stadt hielt sich bis heute. Heute hat die Stadt eine gewisse Bedeutung, da sie das Zentrum der südafrikanischen Rinderzucht ist.
