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- Kategorie: Winter 19 / 20: Australien
Von Perth nach Süden: Endlich wieder unabhängig unterwegs!
Ein völlig neues Gefühl bot sich uns heute, als wir nach dem Frühstück unser Mietauto übernehmen konnten und zu einer kleinen Entdeckungstour im Süden von Perth aufbrachen. Für 5 Tage sind wir mit einem PW unterwegs, bevor wir in der kommenden Woche unseren Camper übernehmen und dann die grosse Rundreise beginnen. Nachdem wir in den letzten Wochen entweder mit einem grossen Schiff oder dann mit Flugzeugen unterwegs waren, ist die mobile Unabhängigkeit sehr befreiend, wir freuen uns!

Als ich zu Fuss vom Hotel zur Vermietstation ging, kam mir dieses interessante Gebäude in Perth vor die Linse. Ein älteres Haus aus den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts erhielt einen hypermodernen Aufbau mit sehr viel Glas, welcher wohl eher teure Wohnungen im Stadtzentrum bietet. Ich hoffe, dass die Statik des originalen Hauses die neuen Teile zu tragen vermag.
Von Perth fuhren wir zuerst in Richtung Fremantle, der Perth vorgelagerten Hafenstadt am Meer. Der Swan-River verbindet die beiden Orte, er ist auch schiffbar und man kann mit einer Fähre von Perth hierhin kommen.

Das Fremantle-Prison ist eine der heutigen Touristen-Attraktionen, welche viele Besucher anzieht. Von der Erbauung in 1855 bis zur Schliessung 1991 wurde es als Gefängnis genutzt, gegen Ende dieser Zeit dann als ein Hochsicherheits-Gefängnis. Heute ist die Jugendherberge von Fremantle hier einquartiert. Leider ist die Anlage heute nur im Rahmen einer nahezu zweistündigen Führung zu besichtigen und das war uns dann doch etwas zu viel.

Die Zellenblöcke sehen schon aus der Distanz nicht sehr einladend aus, im Innern wird es wohl nicht sehr viel wohnlicher zugehen. Bis hierhin kann man ohne Führung vordringen, dann ist aber Schluss.

Gerade als wir hinaus wollten, packten sie mich und wollten mich in eine Zelle stecken. Das entsprechende Bild für die Einbuchtung wurde schon gemacht. Nur dank intensiver Fürsprache von Ruth konnte ich das Unheil noch abwenden und frei davon ziehen. Uff!

Meine neu gewonnene Freiheit nutzten wir anschließend zur Erkundung der Altstadt. Hier sind noch sehr viele Häuser aus der Gründerzeit vorhanden, die meisten davon auch in einem sehr guten Zustand. Dank einem Einbruch der Hafentätigkeit im mittleren 20. Jhdt., welche mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft verbunden war, blieben viele Häuser stehen und wurden nicht ersetzt. Die Stadt war dann 1987 Durchführungsort des berühmten America’s Cup, einer Segelregatta. Vor dem Anlass wurde vieles instand gestellt und verschönert. Der Cup selber brachte der Stadt innerhalb zweier Jahre mehr als 540 Mio. US$ an Umsatz. Viele dieser Gelder flossen in die Rennovation des Stadtbildes, was sich heute noch zeigt.

Am Ende der wichtigsten Strasse im Zentrum liegt das Round House, ein weiteres Gefängnis. Dieses wurde 1830 erbaut und ist heute das älteste noch stehende Gebäude in West-Australien. Zuerst sassen hier die bösen Buben der Siedler ein, später dann aber nur noch Aborigines, bevor diese in andere Strafkolonien verschifft wurden.

Innerhalb der runden Anlage gibt es einige Zellen sowie einen tiefen Ziehbrunnen. Eine kleine Glocke wurde anscheinend früher zum Einläuten der Sperrstunde verwendet. Zu gegebener Zeit am Abend erklang sie und setzte so ein Zeichen für die Barkeeper, dass der Ausschank von Alkohol nun nicht mehr erlaubt sei. Zudem war sie ein Zeichen für die sogenannten Freigänger, in ihre Zellen zurück zu kehren. Freigänger waren eine Art Halbgefangene, welche tagsüber arbeiten durften, die Nächte mussten sie aber in der Zelle verbringen. Offenbar war übermässiger Alkoholkonsum einer der Hauptgründe für die Einkerkerung in diesen Zellen.

Die Tagesrationen waren nicht gerade grosszügig: ein Laib Brot und ein Pfund gesalzenes Fleisch mussten pro Tag ausreichen. Um dem Skorbut vorzubeugen gab es noch einige Deziliter Essig. Ob das wohl half? Die Kugel wurde den Häftlingen bei ihren Arbeiten ausserhalb des Gefängnisses angelegt. Eine effiziente Methode zur Verhinderung der Flucht ausserhalb der Mauern.

Durch das Eingangstor in das Round House sieht man die Hauptstrasse, welche in gerader Linie vom Meer aus wegführt. Die Erbauer der Festung hatten offenbar einen Sinn für gerade Linien!

Neben der sicheren Aufbewahrung der Bösen hatte die Anlage noch eine andere Aufgabe: Jeden Mittag um exakt 13 Uhr wurde eine kleine Kanone vor dem Haus abgeschossen und so den im Hafen liegenden Schiffen die aktuelle Zeit signalisiert. Da dieser Schuss aus verschiedenen Gründen manchmal nicht gehört werden konnte, kam der schwarze Ball am Mast vor dem Round House zum Einsatz. Einer der Matrosen auf den Schiffen musste den Ball im Auge behalten und melden, sobald er an seinem Seil herunter fiel. Die englische Redensart für akkurate Aufmerksamkeit, „Keep your eyes on the Ball“, stammt offenbar von diesem Brauch. In der heutigen Zeit der Funk-Kommunikation ist dieses Vorgehen nicht mehr notwendig. Für Touristen wird jedoch immer noch um 13 Uhr ein Böller detoniert, um dem Brauch die Referenz zu zollen.

Zurück in der Stadt fotografierten wir noch einige der schönen Häuser, so auch dieses Hotel.

Auch das National-Hotel ist heute noch in Betrieb als Bar, Restaurant und auch Hotel im üblichen Sinn.
Wir verbringen die Nacht etwa 80 km südlich in der kleinen Ortschaft Mandurah am Indischen Ozean.
