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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Puerto Montt und der ewige Schnee

Als ich früh am Morgen erwachte hörte ich seltsame und doch irgendwie bekannte Geräusche durch mein Fenster dringen. Als ich hinaus sah, bemerkte ich auf einem Nadelbaum diese beiden Ibise, die ziemlich laut waren. Mein Zimmer lag im 6 Geschoss und die beiden Gesellen waren in etwa auf derselben Höhe. Interessante Vögel, diese Black faced Ibis! Leider sind sie ziemlich stark bedroht.

Den Vormittag verbrachte ich wiederum im Zentrum von Puerto Montt, ich wollte einige Aufnahmen von interessanten Häusern machen. Ein Verwaltungsgebäude, welches schon einige Jahre auf dem Buckel hat, bestach durch die klare Architektur und interessante Farbgebung. Blau uns weiss passen sehr gut zusammen.

Noch keine 100 Jahre alt ist diese öffentliche Bibliothek und doch wirkt das Haus schon sehr, sehr alt! Die Formensprache wirkt völlig veraltet. Immerhin darf das Gebäude noch stehen bleiben, welchem Zweck es heute dient, fand ich nicht heraus.

Ein weiteres interessantes Gebäude steht in der Haupt-Einkaufsstrasse. Dies ist heute ein Haus mit vielen einzelnen Geschäften und einem Restaurant. Die interessante runde Ecke (?) hat mich fasziniert.

Am Nachmittag nahm ich an einem organisierten Ausflug zum Osorno teil, dem Hausvulkan von Puerto Montt. Ich wollte nicht selber hinauffahren und schloss mich deshalb dieser Tour an. Eine leider nicht so gute Idee, da ich an vielen schönen Stellen auf der Strecke nicht anhalten und fotografieren konnte. Insbesondere die Landschaften mit Kühen wären interessant gewesen, erinnern sie doch stark an mittel-europäische Gegenden. Viele Farmen gehören nach wie vor deutschen Familien, die meisten stammen aus Bayern und aus dem Schwarzwald. Vielleicht komme ich im Anschluss an meinen Aufenthalt auf der Insel Chiloé nochmals in diese Gegend. Der Osorno erhebt sich hinter dem Llanquihue-See mit seinen „lediglich“ 2’652 m. Die trotzdem immer verschneite Spitze gibt ein schönes Bild. Zuletzt brach der Vulkan 1869 aus und gilt deshalb immer noch als aktiv.

Bis auf 1’300 m ist der Vulkan mit dem Auto befahrbar, dort ist Schluss. Eine zweiteilige Sesselbahn bringt die Besucher bis auf 1’645 m hinauf. Diese Fahrt war sehr interessant, da die Luft sehr klar war, aber doch nicht allzu kühl. Beeindruckend war die schwarze Lava, welche vom Schnee bedeckt war. Im Gegensatz zu Bolivien vor einigen Tagen, wo noch auf 4’800 m.ü.M. etwas karge Vegetation zu finden war, ist der Osorno ab etwa 1’400 m.ü.M. völlig vegetationslos. Immerhin liegen knapp 3’000 km zwischen den beiden Orten. Der Osorno liegt auf ungefähr 41 Grad südlicher Breite, also vergleichbar mit Rom. Auf der Südhalbkugel ist das Klima jedoch kühler als im Norden, so dass hier der ewige Schnee schon viel tiefer anfängt.

Von oben sieht man sehr schön auf die Anden, welche hier Chile von Argentinien trennen. Knapp 80 km weiter östlich treffen sich diese beiden Länder. Im Vordergrund einer der vielen Seitenkrater des Osorno. Diese vielen kleinen Kratern verdankt seine fast perfekte Form der Tatsache, dass sein Gipfel noch intakt ist. Viele seiner Kollegen haben die Spitze im Laufe der Äonen in grossen Explosionen weggesprengt. Der Osorno bricht immer nur bei den Seitenkratern aus.

Im Winter wird am Berg auch Ski gefahren, im Sommer zeugen davon nur die Schneezäune, welche verlassen und zu dieser Jahreszeit nutzlos in der Landschaft stehen.

Auf der Rückfahrt gelang mir aus dem Autofenster noch diese Aufnahme von im Llanquihue-See badenden Chilenen. 13 Grad ist das höchste der Gefühle für dieses Wasser. Nicht gerade das, was mir bei einem See als Idealtemperatur vorschwebt. Dann doch lieber m Sommer in Italien ans Meer und im warmen Mittelmeer plantschen.
