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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 2. Etappe Cuba
Viele verschiedene Fenster in Camagüey

Ingazio de Agramonte war ein Freiheitsheld der Kubaner im Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien. Er wurde am 23. Dezember 1841 in der Stadt geboren und starb 1873 auf dem Schlachtfeld gegen die Spanier. Heute steht seine Statue auf dem gleichnamigen Platz in der Stadt.

Einem Reiseführer entnahmen wir, dass der Hauptmarkt der Stadt sehr interessant sei und über ein grosses Angebot verfüge. Wir machten uns auf den Weg in den Süden der Stadt, wo der grosse Markt lag. Die meisten Marktstände sind in kleinen Häuschen untergebracht, die Waren werden in den Fenstern angeboten während die Händler im Schatten in ihren Behausungen sitzen. Hier werden Papayas angeboten. In Kuba heissen diese Fruta Bomba. Die ambulanten Früchte- und Gemüseverkäufer rufen in den Wohnvierteln laut ihr Angebot aus, darunter auch immer wieder „Bomba, Bomba“, ein eher seltsamer Ruf für ein westliches Ohr.

In einem anderen Fenster liegen Kartoffeln und Topinambur zum Verkauf aus. Das Pfund zu 3.5 Pesos cubanos, etwa 15 Rappen.

Dieses Fenster bietet Maniok und Bananen an. Zudem liegt noch ein Kürbis für allfällige Käufer bereit. Die Bananen sind schon sehr reif und taugen nur noch für Bananafritters, welche in vielen Restaurants anstelle von Pommeschips angeboten werden.

Kein Mangel herrscht an Zwiebeln und Knoblauch, diese werde in grossen Mengen verkauft. Immer schön zu Zöpfen gebunden, finden diese Gemüse guten Absatz. In vielen kubanischen Gerichten werden sowohl Zwiebel wie auch Knoblauch eingesetzt. Leider ist die lokale Küche oft recht einfallslos gewürzt, ausser diesen beiden Gewürzen und etwas Salz und Pfeffer findet kaum ein anderes Gewürz Verwendung in der Küche. Es könnte allerdings auch sein, dass dies nicht aus geschmacklichen Gründen so ist, sondern eine Folge des grossen Mangels an Allem ist.

Zwei Händler verkaufen ausserhalb des Marktgeländes ihre Schweine direkt aus einem Fahrrad-Anhänger. Die Tiere fanden nicht gerade einen reissenden Absatz, die beiden Züchter sahen jedenfalls eher gelangweilt aus.
Das angeblich grosse Angebot auf dem Markt stellte sich bei unserem Besuch als eher eintönig heraus: Zwiebeln gab es in Mengen, Reis war ebenfalls zu kaufen, daneben auch einige Früchte. Insgesamt aber enttäuschend für ein Land in den Tropen. Wenn ich mich an andere Marktbesuche in anderen Ländern erinnere, sehe ich Berge von Früchten, allerlei Gemüse, Kartoffeln, unzählige Sorten von Fisch, sowie andere Gegenstände des täglichen Gebrauches.

Gestern suchten wir den angeblich schönsten Platz in Camagüey vergeblich. Wir liefen eine Strasse zu weit östlich an der Plaza de San Juan de Dios vorbei. Heute hatten wir mehr Glück und sahen den am besten erhaltenen Platz aus der Kolonialzeit doch noch. Die Fenster der Häuser aus der Zeit der Spanier sind vergittert, etwas was in vielen kubanischen Altstädten immer noch so ist. Was wohl der Grund für die Gitter sein könnte? Niemand soll rein oder niemand soll raus gehen?
Der obere Gang in unserem Hotel hat das Aussehen eines US-amerikanischen Gefängnisses. Die Fenster der Zellen sind vergittert und in der Mitte des Ganges ist ein ebenfalls vergitterter Lichtschacht, welcher im Erdgeschoss Licht in den Gang bringen soll. Ausser diesem etwas seltsamen Aussehen ist das Hotel OK, die Zimmer sind sehr hoch und recht geräumig. Das Haus selber stammt aus dem Jahr 1927 und wurde vor kurzem renoviert. Mein Zimmer hatte ein Fenster auf die Fussgängerzone, was sich als Nachteil herausstellte: An beiden Abenden war ein Riesenlärm von einer gegenüberliegenden Disco. Laute Musik mit wummernden Bässen und laut johlenden Menschen - nicht gerade meine Vorstellung von einer erholsamen Nacht.
