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Kategorie: Mexico 10 / 11
06. Januar 2011

Otto unterstützt unser Spanisch-Verständnis

Wir waren bei einem kürzlichen Nachtessen verwirrt bezüglich der unterschiedlichen Bezeichnungen von Pilzen auf der Speisekarte. Hongos und Seta wurden beide als Pilze benannt. Darauf fragte ich unseren Sprachexperten an, hier seine prompte und sehr ausführliche Antwort:

Die Langenscheidt-"Bibel" erklärt "hongo" als Pilz oder Schwamm, ebenso steht unter "seta" das Gleiche. Ein paar Wortanwendungen sind nicht uninteressant: "darse como hongo" und "crecer como las setas" bedeuten beide: "wie Pilze aus dem Boden/der Erde schiessen. "Màs solo que un hongo" ist die spanische Version von "mutterseelenallein". Das Wort "hongo" wird auch gebraucht als Bezeichnung für einen steifen Hut, eine Melone (der Hut der englischen Gentlemens).

Im "pequeño Larousse" steht noch bei "hongo": planta talofito sin clorofila, soll also eine stengelförmige Pflanze sein ohne Chlorophyl. Bei "seta" findet sich: hongo sombrerillo, seta comestible, also Pilz mit Hut, essbarer Pilz. Das Nachschlagewerk ist aber schon ziemlich in die Jahre gekommen und vom wissenschaftlichen Standpunkt nicht mehr auf der Höhe.

Im Buch für gleichbedeutende Wörter (sinónimos/antónimos) wird von "hongo" und "seta" die gleiche Referenz gegeben: hongo = seta, champiñón, callampa (español meridional).

Nun wollte ich es noch genauer wissen und habe im spanischen Wikipedia nachgelesen.

Das Reich zu, dem die Pilze (hongos) gerechnet werden, heisst "Fungi" vom lateinischen fungus und ist klar abgegrenzt vom Pflanzenreich oder Tierreich. Die "hongos" werden dort als "organismos eucariotas" bezeichnet, also Organismen mit Zellen mit einem wirklichen Zellkern. Dazu gehören die "mohos, levaduras und setas" (Schimmelpilze und andere Pilze wie Nagelpilz/Fusspilz, Hefepilze und eben Pilze mit einem der Fortpflanzung dienenden Hut. In Unterscheidung zu den Pflanzen enthalten die Zellwände der Pilze Chitin und keine Celulose wie die Pflanzen, ebenso fehlt ihnen das Chlorophyl. Die "hongos filamentosos" sind die "mohos" (Schimmelpilze, Fadenpilze), die "hongos levaduriformes" die Hefepilze. Die essbaren (und auch z.T. giftigen) Pilze sind die "setas", zu denen z.B. der Boletus edilis (Steinpilz) gehört, der in Spanien "seta (de) calabaza heisst, an andern Orten "porcini" oder "boleto". Die "seta común o de campo" ist der Feldchamignon, "el rebozuelo, la cantarela" ist der Pfifferling (Eierschwamm), der in Mexiko an vielen Orten auch "duraznillo" genannt wird. Der Schirmling ist in Mexiko der "quelele" und der Austernseitling heisst "pansita" oder "chumbele".

Zur Etymologie gibt es den interessanten Hinweis, dass "fungi" vom lat. "fungus" abgeleitet ist, während ein altgriechisches Wort den Begriffen Schwamm, Schimmel, champignon (frz.) und champiñón (esp.) sowie esponja zu Pate stand. Auch die Entstehung des deutschen Wortes "Pilz" ist gedeutet: aus dem Althochdeutschen "buliz" (vom lateinischen boletus) ist dann "bülz" und "Pilz" geworden.

Soviel zur Geschichte dieser von dir sicher geschätzten Speise (wobei ich die "mohos" in Form der Fusspilze und des Schimmels ausschliesse).

Der Gebrauch der beiden Wörter "hongo" und "seta" (auch "zeta", nicht zu verwechslen mit den "Zetas", einem ziemlich üblen Arm der mexikanischen Drogenmafia) ist oft nicht an wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtet und wird ziemlich undiskriminiert angewandt. So wie wir im Schweizerdeutschen auch die beiden Begriffe Pilz und Schwämmli nebeneinander kennen.

Sicher machte es sich auf der Speisekarte besser, wenn ein Gericht mit "con hongos" und das andere mit "con setas" aufgeführt werden, sonst würde es auf eine ziemlich einförmige und langweilige Küche schliessen lassen. Du darfst also beruhigt "hongos" oder "setas" bestellen, wobei ich für Hutpilze eher setas verwenden würde. Nur solltest du bei einer Arztvisite nicht sagen, dass du "setas" im Schwimmbad aufgelesen hast, ausser dass du als Waldmensch solange barfuss im Moos gestanden hast, dass dir die Fliegenpilze zwischen den Zehen durchgewachsen sind.

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