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- Kategorie: Costa Rica 22
Bädele, Chügeli, Bädele
Auf der Rückfahrt von der Walbeobachtung erwähnte einer der Reiseleiter ein Hotel, von welchem aus es eine wunderbare Sicht auf die Gegend des Ballena National Marine Parks gäbe. Unser Hotel in Uvita hatte keine Meersicht, und wir fuhren deshalb kurzentschlossen zum Vista Ballena Hotel, um von dort mit schöner Meersicht ein Bier zu geniessen. Es gefiel uns so gut, dass wir uns für die nächsten drei Nächte hier ein Zimmer buchten. Bis zum Strand waren es zwar etwas mehr als 10 km, doch die Sicht wog das auf.

Der Blick aus unserem Zimmer schweift fast 180 Grad über den Pazifik. Schade ist nur, dass die Lastwagen, welche in etwa 3 km Entfernung fahren, häufig mit der Motorbremse unterwegs sind, und das Gedröhne schlägt sich bis zu uns hoch. Motorbremsen gehören verboten oder zumindest leiser gemacht.

Direkt vor dem Hotel wäre der berühmte Walschwanz zu sehen, doch bei Flut ist das ganze Gebiet unter Wasser. Und unser Hotel liegt noch etwas zu wenig hoch für einen guten Rundumblick. Auch bei Ebbe ist nur wenig zu sehen. Ich entlehnte mir deshalb von der Webseite des Nationalparks ein Bild. Die Sicht ist seitenverkehrt, da das Bild von einem Flugzeug aus aufgenommen wurde.
Was macht man in dieser Gegend den ganzen Tag? Wir fuhren gestern an den Strand, mieteten uns zwei Liegestühle sowie einen Sonnenschirm und wanderten am Strand entlang, unterbrochen von Schwimmgängen im lauwarmen Wasser. Die Zeitungen und Reiseführer wurden ebenfalls stark gelesen.

Auf einer Wanderung sah ich diesen Schmetterling, welchen eine Krabbe in den Sand zeichnete. Nicht einfach nur den Aushub deponieren, es muss auch noch ein Kunstwerk dabei entstehen.

Bei Ebbe zieht sich das Meer sehr weit zurück und hinterlässt auf dem flachen Sand einen dünnen Wasserfilm, in welchem sich die Berge und der Regenwald wunderbar spiegeln.

Nur am Strand liegen wird uns jeweils schnell langweilig, weshalb wir heute 50 km südlich fuhren und dort einen weiteren Park besuchten, das Museo de las espheras de piedra zeigt die Geschichte und Bedeutung der Steinkugeln auf, welche die präkolumbischen Bewohner Costa Ricas schufen. Bereits in San José sahen wir erste Steinkugeln, mehr dazu hier (Klick mich!).

Im Museum selber sind einige kleine Kugeln ausgestellt, die meisten sind jedoch auf einem Rundweg im Park zu sehen. Einzelne Kugeln messen 20 - 30 cm, andere wiederum mehr als 1 m. Die noch grösseren Kugeln sind jedoch alle in San José zu finden.

Im Museum gibt es auch einige Steinplastiken, welche hier gefunden wurden. Nähere Information dazu sucht man allerdings vergebens. Ich gehe davon aus, dass diese Information noch geliefert wird, da die Ausstellung und das ganze Museum noch sehr neu sind.

Eine der grösseren Kugeln im Park liegt noch nahe ihres ursprünglichen Fundorts. Über die genaue Bedeutung der Kugeln gibt es lediglich Mutmassungen, da die Ureinwohner keine Schrift kannten und auch sonst kaum etwas überliefert ist. Die spanischen Conquistadores waren lediglich an Gold interessiert, alles andere blieb einfach links liegen. Und Kultur hatten die Heiden ja ohnehin keine.

Zwei Steine wurden nicht ausgegraben, sie liegen noch in der Erde. Ich las auf einem Schild, dass diese wohl in nahezu perfekter Ost-West Ausrichtung vergraben seien und dass dies deshalb auf eine astronomische Bedeutung hinweise. Vielleicht aber auch einfach Zufall, doch ein Archäologe muss natürlich seine Bezahlung rechtfertigen.

Die Gegend wurde von den Amerikanern zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Bananenplantage genutzt. Noch heute zeugen die Seilbahnen von der Bedeutung der Industrie. Mitten durch den archäologischen Park führt noch heute eine solche Transport-Linie. An den Seilen wurden Schlitten aufgehängt, an denen die Bananenstauden hingen. Männer zogen diese Schlitten dann von der Pflanzung zum Verarbeitungsort. Eine schweisstreibene Tätigkeit, die noch heute weit verbreitet ist. Auch hier finden offenbar noch solche Transporte statt, wie die ausgetretenen Pfade bezeugen.
Als die Bananenplantage errichtet wurden, achtete niemand auf die Steinkugeln, viele wurden offenbar geklaut, zerstört oder ganz einfach auf die Seite geschoben. Auch die Amerikaner hielten nicht viel von der präkolumbischen Kultur. In der Zwischenzeit hat sich die Einstellung geändert und es wird mehr Sorge zur eigenen Geschichte getragen.

Einige der Kugeln, welche noch irgendwo gefunden wurden, sind in einem Teil der Ausstellung etwas unmotiviert abgelegt.

An dieser Kugel sind noch die unfertigen Arbeiten zu sehen. Offenbar wurden diese eingestellt, aus welchem Grund auch immer bleibt Spekulation.

Die ganze Gegend abseits der Strasse ist heute mit Ölpalmen bepflanzt, eine brutale Monokultur, welcher der natürlich Wald weichen musste. Palmöl ist ein wichtiges Exportprodukt von Costa Rica. Leider auch eine ökologische Katastrophe für die Natur. Ich verzichte hier auf einen Link zum Thema, einfach mal nach Palmöl eine Internet-Suchmaschine anwerfen und dann nie mehr Produkte mit diesem Öl kaufen.

Als wir wieder zurück in unserer Gegend waren, gab es noch ein Bad im Pazifik.

Den Sonnenuntergang um 17:30 dann vom Hotelzimmer aus, zusammen mit einem kühlen Bier in der Hand. Was will man mehr?
