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- Kategorie: Winterreise 16 / 17 - Zweite Etappe: Namibia
Mir stinkt’s!
Als ich vorgestern in Windhoek mein Auto übernahm, fiel mir auf, dass der vordere, linke Reifen etwas wenig Luft hatte. Der Mitarbeiter von Hertz meinte, das sei kein Problem, der Vormieter hätte offensichtlich etwas Lust aus dem Pneu gelassen, als er auf Sand fuhr. Ich dachte, OK, wird wohl so sein.
Heute morgen dann die Überraschung: Der Reifen war zwar nicht platt, aber verlor doch recht viel Luft. Ich suchte eine Garage auf und fragte einen Mechaniker, ob er den Reifen mal testen könnte. Er demontierte das Rad und legte es in eine mit Wasser gefüllte Badewanne. Sofort traten überall kleine Luftbläschen aus: Der Reifen war grossflächig defekt und nicht mehr reparierbar. Zwar verlor er nicht allzu viel Luft, doch wollte ich nicht mit einem solchen Problem weiterfahren. Einige tausend Kilometer auf Staubstrassen mit halb-defektem Material unterwegs zu sein, macht definitiv keinen Spass.Ein Anruf bei Hertz erlaubte den Ersatz des Pneus, was ich dann auch sofort veranlasste. Von Swakopmund aus werde ich nun für die nächsten Tage nur noch in sehr kleinen Ortschaften sein, eine Reparatur wäre dort kaum möglich und ich bin froh, nun ohne (bekannte) Probleme auf die Reise gehen. Ich hoffe doch, dass mit diesem Vorfall meine Pechsträhne mit platten Reifen auf dieser Reise zu Ende ist, langsam stinkt es mir!
Die Strasse von Swakopmund in Richtung Norden hin zum Cape Cross hat eine Besonderheit: Sie sieht aus wie geteert und fährt sich auch so. Absolut eben und noch mit 100 km/h ohne die kleinsten Probleme befahrbar. Ihre Oberfläche besteht aber vollständig aus Salz!
Als ich diesen Schilderwald sah, bereitete ich mich auf das Schlimmste vor: So viele Anweisungen müssen ihren Grund haben. Es war dann aber gar nichts, nur dass die Strasse nicht vollständig gerade aus führte, sondern eine kleine Linkskurve machte. Hä?
Dieser Teil er Küste von Namibia ist alles andere als freundlich: Starke Winde und Strömungen sind in der Vergangenheit vielen Schiffen zum Verhängnis geworden. Die Küste heisst deshalb Skeleton-Coast oder eben Skelett-Küste. Das Schiff, welches hier sein Schicksal fand, steckt auf dem Meeresgrund fest. Beim Schiffbruch kam aber keine Person zu Schaden, auch wenn das Skelett am Strand anderes vermuten lässt.
Der eigentliche Grund für meinen Ausflug in diese Gegend ist eine Kolonie von Cape Fur Seals, einer Robbenart. Je nach Quelle soll es hier zwischen 60 bis knapp 150’000 Tiere geben. Dies war auch der zweite Grund, weshalb es mir heute ziemlich gestunken hat: Die Tiere stinken gewaltig und heute kam der Wind vom Meer her.
Vor wenigen Tagen begann die Zeit der Geburten: Zur Zeit sind sehr viele Jungtiere in der Kolonie, pro Jahr sollen es um die 60’000 sein! Die Mütter gehen ins Meer um zu fressen, die Kleinen bleiben derweil an Land und warten auf die Rückkehrerinnen und das Futter, welche sie mitbringen. Damit die Mütter ihre Jungen wieder finden, machen diese einen Höllenlärm.
An vielen Stellen liegen die Jungen zwischen den älteren Tieren. Deren Unachtsamkeit führt oft dazu, dass die Jungen erdrückt werden und so liegen denn unzählige Leichen im Getümmel. Auch dies trägt zum speziellen Geruchsbild bei. Angenehm ist das nicht.
Überbevölkerung? Kann schon sein, ich habe keine Vorstellung davon, wann es zu viele Tiere gibt. Wenn ich diese Bilde sehe, wird mir klar, dass der Benguela-Strom gigantische Mengen an Nahrung bringen muss!
Einige Robben sind im Meer und lassen sich von der starken Brandung ans Ufer bugsieren. Anschliessend machen sie sich auf den Weg zu ihren Kleinen, welche irgendwo im Getümmel liegen. Die meisten liegen aber derweil am Land und oft wird miteinander gekämpft.
Diese Robbe winkte mir zum Abschied, als ich mich auf den Rückweg zum Auto machte. Leider konnte ich nicht zurück winken, da ich eine Hand für die Kamera brauchte, mit der anderen hielt ich mir meist die Nase zu. Ich war froh, den Gestank zurück zu lassen. Morgen verlasse ich die Küste und fahre wieder ins Landesinnere.
