- Details
- Kategorie: Winterreise 16 / 17: Vierte Etappe - Cambodia 17
Sehr schöne, betrübliche sowie ganz und gar unappetitliche Sachen
Mein heutiges Hauptziel lag knapp 30 km nördlich von Siem Reap, ein Tempel, der eher weniger besucht wird. Er gilt als sehr schön, weshalb ich ihn unbedingt ansehen wollte.
Mit dem Tuk-Tuk sollte die Fahrt etwas mehr als eine Stunde dauern, was am Ende natürlich so nicht stimmte, da ich unterwegs öfter anhielt, um einige Bilder zu schiessen und noch weitere Tempel ansehen wollte. Die ganze Gegend ist voller Ruinen aus vergangenen Zeiten. Man könnte, so man denn Lust hätte, Wochen mit der Besichtigung verbringen.

Die erste Anlage, an deren Namen ich nicht mehr erinngere, hatte nur ganz wenige Besucher. Aber auch sie ist sehr imposant und bietet einige interessante Einblicke in die Khmer-Kultur.

Die Türme sind auch hier aus Sandstein errichtet, einzelne Teile sind aus gebrannten Ziegeln gemacht. Die eingearbeiteten Figuren haben die letzten tausend Jahre sehr gut überstanden.

Die Grundplatte der Anlage besteht aus behauenen Lava-Blöcken, die unglaublich genau gearbeitet sind. Sie passen ohne grössere Zwischenräume aufeinander. Und das vor knapp 1'000 Jahren.

Die recht langsame Fahrt mit dem Tuk-Tuk gab mir Gelegenheit, ab und zu ein typisches Haus der Landbevölkerung zu fotografieren. Rund um die Häuser herrscht meist peinliche Ordnung, ausserhalb der Anlage liegt jedoch ab und zu viel Abfall herum.

Dieses arme Schwein! Der einzige Trost ist, dass es vermutlich nicht mehr lange leiden muss.

Schliesslich kam ich am Ziel an: Banteay Srei, Wikipedia (Klick mich!). Diese Anlage gilt wegen der sehr gut erhaltenen Ornamente und Figuren als die schönste Anlage in dieser Gegend. Sie ist eher klein, aber die Anreise absolut wert. Zumal hier nicht jeder Fleck von Touristen überlaufen ist.

Das Haupteingangstor ist voller Ornamente und kleinsten Verzierungen. Die Farben stimmen ziemlich genau, der Tempel ist genau so rötlich. Die Anlage wurde Mitte des 10. Jhdt. erbaut und hat die Jahrhunderte und Wirren erstaunlich gut überstanden.

Im Innern ist kaum ein Zentimeter der Wände nicht verziert. Tier- und Fabelwesen ergänzen die Ornamente. Der spätere französische Kulturminister André Malraux hatte hier ein besonderes Erlebnis: Er brach Ornamente aus der Mauer und wollte diese über Phnom Penh nach Frankreich schmugglen. Er wurde jedoch verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er jedoch nie absitzen musste. 1923 war Frankreich eben noch eine einflussreiche Macht.

Die Haupttürme der Anlage von hinten gesehen.

Auf dem Rückweg wollte ich mir noch etwas anderes ansehen. Cambodia litt im Vietnam-Krieg und auch danach in der Zeit von Pol Pot und den Roten Khmer sehr stark unter Bombardements, Raketen-Beschüssen und vor allem auch unter hunderttausenden von Landminen. In der Nähe von Siem Reap gibt es ein entsprechendes Museum. Beim Museum gibt es noch eine Schule für Kinder, welche von Landminen oder sonstiger Munition verletzt wurden, oder deren Eltern umkamen. Der Eintritt ins Museum unterstützt die Schule.

Angesichts der Ausstellungsgegenstände beruhigt das Ticket die Besucher: Alle Exponate sind ohne Munition.

Die USA haben in Cambodia sehr viele Luftangriffe geflogen und viele Bomben sind nicht oder nicht vollständig explodiert. Wenn diese noch irgendwo liegen, stellen sie eine grosse Gefahr für Menschen und Tiere dar.

Auf dieser Karte sind die 115’273 Ziele der über 60’000 Bomberangriffe eingezeichnet, welche die USA zwischen 1965 und 1973 in Cambodia flogen. Vor allem an der Grenze zu Vietnam imOsten wurden grosse Gebiete des Landes regelrecht umgepflügt. Hunderttausende von nicht explodierten Bomben liegen noch heute in der Landschaft. Internationale Gremien schätzen, dass die US-Angriffe etwa 600’000 Leuten das Leben kosteten. Der Aufstieg der Khmer-Rouge soll massgeblich von diesen massiven Eingriffen verursacht worden sein.

Die Alterspyramide des Landes zeigt bei den 25 bis 29-Jährigen einen massiven Einbruch. Zur Zeit, als diese Generation geboren wurde, war Pol Pot mit seinen Roten Khmer am Ruder und terrorisierte das ganze Land.

In diesem Gebäude sind einige wenige der Minen ausgestellt, welche im Laufe der Zeit schon gefunden und unschädlich gemacht wurden. Bis das Erbe dieses Krieges ganz aus der Welt geschaffen sein wird, dauert es offensichtlich noch sehr lange. Noch viele solcher Behälter werden gefüllt werden müssen.

Bei einigen der kleineren Tempelanlagen spielen kleine Orchester lokale Musik. Die Musiker sind alles Kriegsversehrte oder Minenopfer, die sich so ein kleines Zubrot verdienen. Invalidenrenten kennt Cambodia noch nicht, die Leute sind auf wohltätige Besucher und ihre Familien angewiesen.

Ein Wohltat nach all den Kriegsgeschichten war dann die Ansicht eines frisch angepflanzten Reisfeldes, das wir auf dem Weg nach Angkor Wat passierten.

Den Schlusspunkt setzt nochmals ein Bild von Angkor Wat, ich fuhr nochmals hin, um den Tempel noch im warmen Abendlicht fotografieren zu können. Kitschig, aber doch irgendwie schön.

Nun noch zum unappetitlichen: Ich fuhr für mein Nachtessen zum Nachtmarkt, wo die touristische Musik spielt. An diesem Stand ging ich aber ohne zu kosten vorbei: Frittierte Skorpione, Tarantulas und irgendwelche Käfer/Maden sowie aufgespiesste Schlangen passen nicht auf meinen Menuzettel. Einige Touristen sah ich diese Sachen essen, ich zog einen Salat aus grünen Mango und anschliessend ein Khmer-Curry vor. Beides sehr köstlich.
