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- Kategorie: Winterreise 16 / 17: Vierte Etappe - Cambodia 17
Sihanoukville, das Paradies am Meer?
Etwas mehr als 3.5 Stunden Busfahrt brachten mich heute von Phnom Penh nach Sihanoukville am Golf von Thailand.
In allen Reiseführern wird Sihanoukville an den südlichen Stränden von Cambodia als eine der schönsten Stranddestinationen in Südost-Asien geschildert. Die Gegend sei etwa so, wie die süd-thailändischen Inseln vor dem Touristenboom waren. Als ich heute hier ankam, überzeugte mich diese Aussage nicht wirklich. Eine grössere Sauerei mit Abfall, der so ziemlich überall herum liegt, viele Hotelbau-Ruinen, deren Armierungseisen schon ziemlich verrostet sind prägen weite Teile der Landschaft. Auch am Strand liegt viel Plastik-Müll.

In einem Prospekt oder einem Farbfötteli lässt sich ein Strand als durchaus schön darstellen. Hätte ich einen ein wenig anderen Blickwinkel gewählt, wäre der Abfall zu sehen gewesen. Ich will aber meine Leser nicht mit solchem Mist belasten. Schade, denn der Strand ist wirklich sehr schön, der Sand ganz fein und das Wasser angenehm warm.

Ein Monument in der Nähe eines der grossen Strände wird die Freundschaft zwischen Cambodia und Vietnam verherrlicht. Nachdem sich die beiden Nationen im letzten Drittel des 20. Jhdt. erbittert bekriegten, lässt dieses doch Zuversicht aufkommen.

Völlig überraschend war für mich die Begegnung mit dem Monster von Loch Ness. Nessie vergräbt sich hier gerade im warmen Sand, kein Wunder, suchen die Schotten seit vielen Jahren vergeblich nach ihrem Monster. Ich kann das Monster gut verstehen, wer will schon das neblige, kühle Schottland mit dem warmen Cambodia tauschen? Gut, der Whiskey ist in Schottland besser als hier, doch ob dies das Monster interessiert?

Am Strand und an der Promenade tragen viele Frauen solche Lastkörbe auf ihren Schultern. Auf den darin enthaltenen Holzkohlen-Öfen grillieren sie interessante Dinge.

Kleine Sepia, frische Tintenfischchen sowie getrocknete Sepia werden auf Holzstäbchen aufgespiesst und dann auf der glühenden Kohle grilliert. Die Dinger finden bei der lokalen Bevölkerung reissenden Absatz.

Für die Hochsaison ist man hier gut gerüstet: Lange Tisch- und Stuhlreihen laden zum Sitzen ein, was fehlt sind nur die Besucher.

Diese Knollen sahen für mich wie unsere Edelkastanien aus, wenn auch etwas kleiner.

Als ich dann dieses Gerät sah, war ich mir ziemlich sicher, dass es sich dabei wirklich um eine Art Maroni handeln musste. Die Nüsse werden in schwarzem, heissem Sand geröstet. Der Sand wird über eine Gasflamme im unteren Teil des Ofens erhitzt. Irgendwie seltsam, bei 32 Grad an Maroni zu denken, diese rufen bei mir Bilder von klammen Fingern in Handschuhen und viel Schnee am Boden ins Gedächtnis.
Tatsächlich fand meine Recherche im Internet eine Pflanzenfamilie, die Castanopsis (Wikipedia, Klick mich!), die in Asien sehr häufig vorkommt und Scheinkastanie genannt wird. Diese gehören offenbar zur Gruppe der Buchengewächse. In Cambodia kommen zwei der Unterarten vor.

Bei einem kühlen Bier zum Sonnenuntergang sah die Welt dann schon wieder schöner aus, der Müll ist zu dieser Zeit nicht mehr sichtbar. Doch vom vermeintlichen Paradies konnte ich heute nicht viel feststellen. Morgen ist auch noch ein Tag, ich gebe die Hoffnung nicht auf!
