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- Kategorie: Winter 19 / 20: Argentina
Von Mendoza über einen sehr speziellen Ort nach San Juan
Gestern schrieb ich über den Parque General San Martin, der für mich zu Fuss zu gross und weitläufig war. Als wir heute mit dem Auto losfuhren, machten wir hier noch eine Zwischenstation. Ein Hügel am einen Ende des Parks, der Cerro de la Gloria, versprach einen schönen Überblick über Mendoza.

Oben angekommen sahen wir zuerst das grosse Denkmal für die grosse Armee des Generals San Martin, der die ehemaligen spanischen Kolonien Argentinien, Chile und Peru von den Kolonialherren befreite.

Der General selber ist offenbar dafür bekannt, das er denjenigen Glück bringt, welche seine Nase anfassen. Bei allen Bildnissen des Generals ist die Nase vom vielen Berührtwerden schon ganz glänzend.

An einer Stelle gab es schliesslich noch einen Ausblick auf die Stadt. Wie gestern schon erwähnt, ist Mendoza eine sehr grüne Stadt mit ausnehmend vielen Bäumen. Die Häuser sind von hier aus kaum auszumachen. Der Blick in die Ferne in Richtung Osten zeigt kaum eine Erhebung, das Land ist in diese Richtung sehr flach. In meinem Rücken sieht es hingegen anders aus. Dort ist die Andenkette zu sehen, welche heute aber leider im Dunst lag. Die meisten Berge sind zwischen 4'000 und 6’000 m hoch!

Unser nächster Besuch galt einer in Argentinien sehr berühmten Dame. Deolinda Correa war eine Frau, welche ihrem in den 1840-er Jahren in die Armee eingezogenen Mann nach San Juan folgte. Sie trug ihren kleinen Sohn auf den Armen und einige Essens-Vorräte sowie Wasser mit sich. Als ihre Vorräte ausgingen, verstarb sie und ihr kleiner Sohn überlebte angeblich, in dem er weiterhin an ihrer toten Brust Milch fand. Schon von weitem her weisen Wegweiser auf den angeblichen Sterbeort hin.

Jedes Jahr strömen an Weihnachten, Ostern und am 1. Mai bis gegen 200’000 Pilger hierhin. Correa ist für die Kirche keine Heilige, im Volksglauben wird sie jedoch so behandelt. Viele „Pilger“ hinterlassen hier ihre Kontrollschilder der Autos und andere Devotionalien. Das Bild der toten Frau mit dem Baby ist allgegenwärtig.

Der Aufgang zum Hügel wurde überdacht, dieses Dach dient heute als Befestigungsort für Nummernschilder. Es leistete heute bei der grossen Hitze von 33 Grad gute Dienste. Die sehr tiefe Luftfeuchtigkeit liess uns die Wärme aber problemlos aushalten.

Ich schrieb schon öfter über den Brauch, dass an den Strassen oft kleine Schreine stehen, bei welchen volle Wasserflaschen abgelegt werden. Dies gibt es einerseits bei Unfällen, die sehr grossen Anlagen sind aber zu Ehren der Defunta Correa. Ihr gibt man Wasser, damit sie in der Wüste nicht verdurstet. Offenbar sind es vor allem die Lastwagenfahrer, welche diesen Brauch hochhalten. In der Anlage rund um den Hügel gibt es viele kleine Häuschen, welche zu ihren Ehren aufgestellt wurden.

Oben auf dem Hügel ist in einem Tempel eine Grotte eingerichtet, in welcher eine Statue der Correa liegt. Viele Einheimische berühren diese und teilweise kleben sie Plaketten mti frommen Sprüchen an die Wände. Sowohl die Regierung als auch die katholische Kirche sind über den Brauch nicht glücklich. Sie getrauen sich aber nicht, ihn zu unterdrücken.

Auch hier bringen viele Leute ihre vollen Wasserflaschen als Opfergabe für dir Correa. Ein Arbeiter räumt diese jeweils ab und leert sie aus. Ich fragte ihn, was mit dem Wasser geschehe, er meinte prosaisch, damit würden die Pflanzen gewässert. Die leeren Flaschen fliegen anschliessend auf die grosse Halde, wo bereits tausende liegen.

Noch viel mehr solcher Häuser gibt es beim Abstieg auf der anderen Seite des Hügels.

Überall liegen auch solche kleinen Statuen der Deolinda mit ihrem Kind.

Dieser Wallfahrtsort macht selbstverständlich auch irdischen Hunger. Ein kleines Gitzi musste hier sein Leben lassen. Eine eher seltsame Präsentation einer Mahlzeit.

Auch diese Hühner entsprechen nicht wirklich meinem Geschmack. Für mich sehen diese wie Road-Kill aus, von der Fahrbahn abgekratzte totgefahrene Hühner. En Guete!

Nun sind wir in San Juan, einer kleineren Stadt, welche ebenfalls in einer bekannten Weingegend liegt. Auch San Juan hatte in der Vergangenheit grosse Probleme. 1944 wurde die Stadt von einem Erdbeben der Stärke 8.5 plattgemacht. 10’000 Personen starben damals und die meisten Häuser fielen den geologischen Kräften zum Opfer. Der Kirchturm der modernen Kathedrale ist dem Campanile in Venedig nachempfunden. Ein eher seltsames Gebäude in dieser Gegend.

Besser gefällt mir dieser kleine Zeitungskiosk im Stadtpark. Direkt hinter dem Kiosk steht eine grosse Seiba, ein Kapok-Baum.
