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- Kategorie: Winter 19 / 20: Cruise ums Kap Horn
Fünfter Landgang: Montevideo, Uruguay
Da wir gestern nicht wie geplant in Punta del Este, dem Nobel-Badeort in Uruguay anlegen konnten, waren wir schon gegen 21 Uhr gestern Abend in Montevideo. Heute morgen ging es für uns gleich nach dem Frühstück los mit einer Stadtwanderung.

In der Catedral Metropolitana, einem von aussen eher schmucklosen Bau, gab es zwei Kanzeln. Beide gleich ausgerüstet und beide gleich hoch gehängt. Was wohl der tiefere Sinn dahinter ist? Zwei sich konkurrenzierende Predigten, oder ein Gottes-Prediger und ein Advocatus diaboli? Oder je einer für die Männer und einer für die Frauen? Ich werde das Rätsel wohl kaum lösen können.

Auf der zentralen Plaza de Independencia steht eine grosse Statue des Generals José Gervasio Artigas, dem Helden des Unabhängigkeitskriegs im 19. Jhdt. Das hohe, eher abgelebte Haus links sieht aus, als ob es direkt aus Caucescus Rumänien hierhin versetzt wurde. Fast jedes Zimmer hah eine eigene Klimaanlage, welche aussen an der Fassade hängt. Nichts schönes für ein Stadtzentrum.

Viel schöner dann die kleinen Kioske, von denen es in der Stadt an verschiedenen Stellen einige gibt. Lotterielose werden hier viel verkauft, offenbar ist auch hier die Deppensteuer (Zitat: Mein Wiener Freund Kurt) sehr beliebt. Daneben gibt es aber viel Lesematerial und Zigaretten.

Ein älterer Herr repariert sein etwas spezielles Gefährt. Er sagte mir, es sei ein argentinisches Fahrzeug, der Motor sei aber zur Zeit nicht in besonders guter Verfassung. Ein recht modernes Bike mit Federgabel und Scheibenbremsen und dazu ein vorsintflutlicher Motor.

Bei der Plaza de la Independencia steht noch ein einziges Stück der Mauer der einstigen Zitadelle, welche 1833 abgebrochen wurde. Dahinter eine hässliche Betonmauer, welche die alten Steine vom Zusammenbruch bewahren.

In der Altstadt gibt es einige lauschige Plätze wie die Plaza Matriz mit dem hübschen Brunnen in der Mitte. Im Park gibt es viele Bänke, welche dem müden Wanderer Gelegenheit für eine kurze Ruhepause bieten.

In der Altstadt gibt es auch einige kleinere Restaurants, Bars und Kaffees. Dieses Lokal wurde schon 1907 eröffnet und ist immer noch so beliebt, dass es keine freien Plätze gab.

Uruguay bezieht einen grossen Teil seiner Wertschöpfung aus der Rinderzucht. Auch bei uns ist in vielen Geschäften ab und zu gutes Rindfleisch von hier im Angebot. Ich war überrascht, als ich heute in der Stadt an einigen Stellen solche Hinweise sah.

Auch die Milchwirtschaft bekommt ihre Kritik ab. Dieses drastische Bild würde sogar mich vom Milchkonsum abhalten.

Als Kontrast zu den letzten beiden Bildern eine Aufnahme aus dem Mercado del Puerto, wo heute kein Markt mehr stattfindet, sondern eine Parrillada neben der anderen steht. Hier können Unmengen von Fleisch verdrückt werden, die zudem unglaublich günstig sind. Wir liessen uns nicht verführen, da wir schon um 16 Uhr wieder auf dem Schiff zurück erwartet werden.

Uruguay ist ein nicht nur für südamerikanische Verhältnisse sehr fortschrittliches Land. Canabis ist hier schon vor einigen Jahren legalisiert worden, dasselbe gilt für die Abtreibung sowie die Trennung von Kirche und Staat. Auch die gleich-geschlechtliche Partnerschaft wurde schon ermöglicht. Zudem soll es ein vorbildliches soziales Wohlfahrtsprogramm geben.

Einige Häuser in der Altstadt sind etwas renovationsbedürftig, hier hat der linke Nachbar offenbar schon mehr investiert, als jener zu seiner Rechten.

Nach guten 10 km Wanderschaft in der Stadt waren wir froh, als wir wieder rechtzeitig im Schiff waren, wo wir um etwa 17 Uhr die Leinen loslegten und uns auf das letzte Stück unserer Cruise bis Buenos Aires begaben. Dort sollten wir morgen vor dem Frühstück anlegen.
