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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Die ältesten Mumien der Welt in Arica
In der Gegend von Arica wurden 1983 96 Mumien gefunden. Die älteste mit der Radiokarbon-Methode datierte Mumie ist vermutlich um die 9’000 Jahre alt! Diese Mumie wurde nicht künstlich mumifiziert, die Leiche des Mannes mumifizierte einfach durch die trockene Luft und erhielt sich bis zum heutigen Tag.
Eine Kinderleiche wurde künstlich mumifiziert, ihr Alter wird auf etwa 7’500 Jahre geschätzt. Die Kultur ist als Chinchorro-Kultur bekannt. Diese Menschen lebten vom Fischfang hier an der Küste. Sonst ist nicht viel über sie bekannt.

Im Museum, wo einige der Mumien ausgestellt sind, ist auch eine Olivenpresse aus dem 18 Jhdt. aufgebaut. Ein italienischer Einwanderer liess sie installieren und presste damit während vieler Jahre erfolgreich Olivenöl. Der 12 m lange Hebel dieser Presse besteht aus einem einzigen Stamm eines Baumes, welcher im Regenwald in Brasilien und Ecuador wächst. Ein riesiges Stück Holz, dessen Transport sehr aufwändig gewesen sein muss.

Einige der Mumien sind durch eine Scheibe zu sehen, sie liegen in einem abgeschlossenen Raum, der, so hoffe ich zumindest, gekühlt und entfeuchtet ist. Meist sind es Mumien von Kindern, da in dieser Kultur die Kindersterblichkeit offenbar sehr hoch war. Das trinkbare Wasser soll hohe Arsenwerte enthalten haben und zum frühen Tod geführt haben. Aber auch für die Erwachsenen soll die Lebenserwartung nur gerade 35 Jahre betragen haben.

Diese Mumien ist vielleicht 30 cm lang, offenbar ein noch sehr kleines Kind. Es sind auch einige Textilien erhalten geblieben. Viele Mumien wurden mit einer Art Totenmasken aus Lehm versehen, welche ein Gesicht darstellen. Die fragilen Knochen wurden mit Holz-Stäben verstärkt.

Den Nachmittag verbrachten wir dann in der Stadt, wo es noch einige Sehenswürdigkeiten gab. Das alte Zollgebäude, die Aduana, wurde vom Franzosen Gustave Eiffel geplant, es ist heute ein Kulturzentrum, welches aktuell aber geschlossen ist.

Der Morro de Arica ist ein 139 m hoher Fels, auf welchem eine riesige chilenische Flagge im Wind flattert. Von der Stadt aus sieht sie nicht ganz so eindrücklich aus.

Die Catedral San Marcos entstand ebenfalls nach Plänen von Eiffel. Das ganze Gebäude wurde in der Werkstatt von Eiffel vorgefertigt und dann hier zusammengebaut. Mit Ausnahme von zwei hölzernen Türen besteht das Gebäude aus Gusseisen.

Der Innenraum ist schlicht gehalten mit vielen hohen, schlanken Fenstern. An den Wänden gibt es wegen der vielen Fenster kaum Platz für Bilder. Einige der Fenster sind blind. Die Seitenwände sehen aus, als ob der Architekt sie mit Copy-Paste gezeichnet hätte. Der industrielle Herstellungsprozess des Metallgusses war so sicher viel einfacher und günstiger.

Die Seitenansicht zeigt den speziellen Turm.

Im Zentrum fotografierte ich diese Apotheke, welche darauf hinweist, dass sie geöffnet ist. Jedoch wird darauf hingewiesen, dass die Betreiber sicherstellen wollen, dass sowohl Kunden als auch Mitarbeiter angesichts der aktuellen Situation sicher sind. Deshalb bleiben die Schaufenster hinter den Blechwänden versteckt und lediglich eine kleine Türe bleibt geöffnet. In der Innenstadt sind die meisten Schaufenster entweder mit Brettern oder mit Metallplatten abgedeckt.

Ein Einkaufszentrum hatte weniger Glück: Dieses Gebäude wurde niedergebrannt und offenbar auch geplündert. Die Aufräum- und Abbrucharbeiten sind noch im Gang.

Der nächste Halt galt dem Morro de Arica, von wo aus die Stadt dem Betrachter zu Füssen liegt. Auf der linken Seite ein Teil des Container-Hafens, wo aktuell gerade kein Schiff vor Anker lag und rechts das Zentrum der Stadt.

Wie ich schon früher erwähnte, steht auf dem Morro eine Fahnenstange mit einer sehr grossen, chilenischen Flagge. Ganz unten am Fahnenmast steht Ruth, deren Bild ich hier mit ihrer expliziten Erlaubnis publiziere. Die Flagge ist wirklich sehr gross!
