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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Arica, die nördlichste Stadt Chiles mit einem Besuch beim Gigante de Atacama
Als wir heute morgen von Iquique herkommend in die Ruta Nacional 5 einbiegen wollten, war die Strasse verstopft. Man teilte uns mit, dass die Fahrt Richtung Süden momentan nicht möglich sei, da Demonstranten im nächsten Dorf die Strasse sperren würden. Glücklicherweise wollten wir in den Norden, dorthin war die Fahrt frei.

Schon von weitem waren die Rauchfahnen zu sehen, welche die brennenden Reifen erzeugten. Für uns ergab sich keine Verzögerung.

Auf dem Weg in Richtung Norden zweigte eine Strasse in Richtung Osten ab und nach 14 km gerader Strasse besuchten wir das grösste bisher gefundene Bildnis eines Menschen, den Gigante de Atacama. Offenbar wurde das 86 m (!!) hohe Bild um das Jahr 900 in den Berg gezeichnet. Es gibt auch Quellen, welche die Figur auf bis zu 119 m Höhe beziffern, darunter eine offizielle Seite der chilenischen Regierung. Vom Boden aus lässt sich das schlecht schätzen.

Ich fand auf der offiziellen Seite der chilenischen Regierung ein Bild, welches aus der Luft aufgenommen wurde. So ist die Figur noch eindrücklicher. Offenbar wurde die Figur einerseits in den weichen Stein eingeritzt, andererseits wurden die Konturen mit Steinen hervor gehoben. Diese sogenannte Geoglyphe soll wohl eine Art Gottheit darstellen.

Als wir wieder in Richtung der Ruta national 5 zurück fuhren, fand ausgerechnet hier auch eine Demo statt. Die Strasse war gesperrt und etwa 50 Personen standen mit Fahnen und Trillerpfeifen auf der Fahrbahn. Langsam gingen sie in Richtung der grossen Strasse und es blieb uns nichts anderes, als langsam hinter dem Umzug her zu fahren. Nach einer knappen halben Stunde war der Spuk vorüber und wir konnten unsere Reise ungestört fortsetzen. Ich hoffe für die demonstrierenden Chilenen, dass sie ihre Ziele irgendwann erreichen, die Unruhen dauern nun schon seit unserer Ankunft im Land an und es scheint sich nicht zu beruhigen.

Die winzige Ortschaft, auf welche sich der Umzug hinbewegte, hat einen interessanten Namen, insbesondere, wenn man ihn mit einem Bündner-Dialekt ausspricht. Beinahe hätte ich ihn noch mit dem Anhängsel H…siech versehen, als ich die Demonstration sah. Es sah so aus, als ob die gesamte Bevölkerung an der Aktion teilnahm. Die meisten Autofahrer im Stau beteiligten sich mit ihren Hupen am Lärmkonzert, niemand regte sich auf.

Die restlichen knapp 250 km führten durch eine knochentrockene Wüste. Meist auf einer Hochebene auf gut 1300 m.ü.M., wobei der Blick ab und zu in tiefe Schluchten fiel. Vegetation: 0, Fauna: 0.

An einer weiteren Stelle gab es noch mehr solche mystischen Zeichnungen aus derselben Zeit wie der Gigante de Atacama. Man weiss sehr wenig über die Herkunft und die Bedeutung dieser Figuren, sie sind in ihrer Grösse aber beeindruckend.

An drei Stellen mussten wir von der Hochebene wieder fast auf Meereshöhe absteigen, nur um dann auf der anderen Seite des Tales den Berg wieder hochfahren zu müssen. Am Grund der Täler gab es immer wieder viel Grün und auch einiges an Landwirtschaft. Die Berghänge hatten oft verrückte Farben.

Ein anderes, recht enges Tal mit ebenfalls etwas Landwirtschaft am Grund. In Richtung Westen liegt hier der Pazifik, der von hier aus aber nicht zu sehen ist.

Als wir in Arica ankamen, machten wir noch einen Spaziergang am Pazifik und ich versuchte sogar, meine Füsse ins Wasser zu halten. Es heisst bei den Chilenen, hier sei der Pazifik angenehm warm, es gab tatsächlich auch einige Chilenen im Wasser. Für meine Verhältnisse sind dies aber keine Badetemperaturen!
