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- Kategorie: Winter 19 / 20: Australien
Spaziergang in Perth - Glas, Beton und viel Grün
Unser zentrales Hotel in der Innenstadt von Perth ermöglichte es uns heute, die Stadt zu Fuss zu entdecken. Für längere Strecken gibt es öffentliche Busse - diese sind in der Innenstadt gratis, genau so wie die meisten der U-Bahn und Züge auch nichts kosten, solange man sich im CBD (Central Business District) der Stadt bewegt. Man will offenbar den privaten Verkehr wann immer möglich aus der Stadt verbannen. Eine gute Idee, clever umgesetzt!

Der Clock Tower war heute unser erstes Ziel. In diesem futuristisch angehauchten Turm gibt es einige grosse Glocken zu bestaunen. Diese werden jeweils zur vollen Stunde geschlagen, ein Glockenspiel kommt zu höheren Festlichkeiten zum Einsatz. Einige der Glocken stammen aus England, wo sie nicht mehr gebraucht wurden und hier ein neues Zuhause fanden. Das "Mutterland" ist für viele Bewohner Australiens immer noch sehr wichtig.

An manchen Orten der Stadt standen viele Eucalipten in voller Blust. Die roten Blüten passen hervorragend zu den grünen Blättern. So schon die Blüten anzusehen sind, so wenig riechen sie. Die Blüten sind beinahe geruchlos, zumindest jene dieses Baumes.

Der Elisabeth Quai ist eine neue Addition zum Stadtbild. Bei meinem letzten Besuch in der Stadt war hier noch nicht viel, in der Zwischenzeit gibt es hier ein neues Quartier mit Bars, Cafes, Hotels und Feinschmecker-Restaurants. Die ehemaligen nicht sehr attraktiven Schiffsanlegestellen wurden in die neue Umgebung integriert. Von einer kleinen Insel vor der Küste aus geniesst man einen wunderbaren Blick auf die moderne Innenstadt der Millionenstadt. Der Boom der Bergbau-Industrie im letzten Jahrzehnt hat hier gut sichtbar seine Spuren hinterlassen. Tio Tino, BHP Billiton sowie auch Glencore zogen hier ihre Glas- und Stahltürme hoch.

Die kleine Insel wird auf der einen Seite durch diese interessante Brücke erschlossen. Die Elisabeth Quai Bridge wurde von der Stadt Perth erbaut, um dem Quartier einen Blickfang zu verschaffen. Ein absolut gelungenes Projekt!

Am westlichen Ende der Brücke steht eine Skulptur einer bekannten Künstlerin der lokalen Aboriginals, welche als „First Contact Sculpture“ bekannt ist. 2015 wurde diese Plastik hier installiert. Sie soll an das erste Auftauchen von europäischen Schiffen mit grossen Segeln erinnern, welche die Einheimischen an ihre mythischen Götterfiguren erinnerten.

Eine andere Skulptur besteht aus 6 riesigen weissen Ringen, welche gut mit den Stahl- und Glasfassaden der Hotels kontrastieren.

Unser nächste Station war der Kings Park im Westen der Stadt. Dort gibt es unter anderem einen botanischen Garten sowie auch ausserhalb dieser Anlage sehr viele andere endemische Pflanzen von West-Australien. Zudem eine schöne Sicht auf die moderne Innenstadt.

Diese Eukalyptus-Art heisst in Australien ganz einfach „White Gum“. Dieser Baumart hat die interessante Eigenschaft, dass alle Wunden und abgebrochenen Äste möglichst bald mit einer weissen Rinde abgedichtet werden. Der Baum sieht so aus, als ob er in eine weisse Hülle eingeschweisst wäre.

Bei seinem Nachbarn zeigt sich die "Folie" noch besser. Die Stellen abgebrochener Äste sind stellenweise noch gut auszumachen. Auch sonst sind unter der Rinde wohl noch einige andere Verletzungen verborgen.

Diese interessante Pflanze stammt aus dem Norden des Kontinents, die Sturt’s Desert Pea (Swainsona formosa). Ich sah sie zum ersten Mal vor einigen Jahren in der Nähe des Uluru im Zentrum des Kontinents.

Ein anderer fremder Gast im Park stammt ebenfalls aus dem hohen Norden Australiens. Ein Boab (Adansonia gregorii), ausserhalb Australiens als Baobab bekannt wurde 3200 km aus der Gegend von Halls Creek auf der Strasse hierhin transportiert. Dort musste er wegen einer neuen Brücke weichen und die Aborigines schenkten ihn der Stadt Perth. Der geschätzte 750 Jahre alte Baum wurde 2008 hier wieder eingesetzt, nachdem er während 7 Tagen auf einem Tieflader unterwegs war. Ob es sich in der neuen Umgebung wohl fühlt und längerfristig überleben kann, ist noch offen, ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute, denn ich bin ein grosser Fan dieser imposanten Bäume.

Vom Park aus war in der Ferne südöstlich der Stadt ein grosses Buschfeuer zu sehen, die Rauchwolke wurde laufend grösser und trübte den sonst makellos blauen Himmel ein.

Im Bus bemerkte ich dieses interessante Schild: Zuerst einmal wird vor dem unbeaufsichtigten Liegenlassen von Gepäck gewarnt, dieses würde beschlagnahmt. Und wohl in unseren unsicheren Zeiten auch sofort zu einer gröberen Aktion führen. Terroristen lassen grüssen.
Spucken ist im Bus absolut unerwünscht, die Chauffeure hätten ein DNA-Set, mit welchem sie die Übeltäter überführen könnten. Ziemlich grobes Geschütz!

Irgendwie scheint unsere diesjährige Winterreise unter einem etwas speziellen Stern zu stehen: Während in Chile ganze Völkerscharen gegen die soziale Ungerechtigkeit und auch den Präsidenten auf die Strasse gehen, fand in Perth heute eine grosse Demonstration gegen den Klimawandel statt. Zur Zeit gibt es in ganz Australien riesige Buschbrände und die aktuelle Regierung redet diese klein. Der Export von Kohle und Flüssiggas ist ihr zu wichtig, um etwas gegen die Erderwärmung zu unternehmen. Immer weniger Leute sind bereit, dies widerspruchslos zu akzeptieren und gehen auf die Strasse, um ihrem Unmut Luft zu machen. Auf vielen Transparenten wurde der Rücktritt von ScoMo gefordert. Der aktuelle Ministerpräsident Australiens heisst Scott Morrison und ist auch unter dieser Abkürzung.bekannt. Als ein stramm rechts politisierender Mann lehnt er das Konzept des Klimawandels ab, ganz im Gegensatz zu den Demonstrierenden. Immerhin blieb heute alles freidlich.
