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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Neuer Rekord in Santiago!
Auf der gestrigen Busfahrt durch das Zentrum Santiagos hatte ich kaum Zeit und Musse, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Das wollte ich heute nachholen. Ich fragte im Hotel nach den Taxipreisen ins Zentrum und der Preis von 3’000 Pesos für die einfache Fahrt schien mir dann doch etwas übertrieben. Immerhin knapp 6 CHF! Also beschloss ich, zu Fuss zu gehen, zumal der Tag wiederum sehr schön war und die Temperatur bereits um 9 Uhr bei 25 Grad lag.

Die Plaza de Armas ist das eigentliche Zentrum Santiagos. Die Kathedrale steht an der einen Seite des grossen Platzes, der zur Zeit gerade umgebaut wird. Die Kathedrale selber ist ebenfalls gerade eingerüstet und ihre Fassade ist auf grossen Tüchern aufgemalt, um die Gerüste zu verdecken. Am heutigen Sonntag waren grosse Teile der Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt, viele Velofahrer waren hingegen unterwegs. Als Fussgänger war die Stadt für einmal sehr gut zu begehen.

Die Kathedrale ist auch innen am Sonntag nahezu leer. Bei meinem Besuch war gerade eine Messe im Gang, diese zog kaum Menschen an.

Das Parlaments-Gebäude wurde 1973 beim Putsch durch die Armee zweckentfremdet. Das Parlament zog nach Valparaiso um und das Justizministerium zog in dieses schöne Gebäude. Seit 2006 wird es wieder als Parlament verwendet. Die violett blühenden Jacarandas sind in der ganzen Stadt präsent.

Die nächste Anlaufstelle war der Mercado Central, der grosse, zentrale Markt in Santiago. Heute ist er nurmehr ein Fischmarkt, die übrigen Produkte werden in umliegenden Hallen angeboten.

Der Innenraum der Markthalle wird ausschliesslich von Restaurants genutzt. Diese bieten ausnahmslos Fische und Meeresfrüchte an. Alle von herausragende Qualität und fangfrisch!

Einer der vielen Fischstände im Markt. Der nahe liegende Pazifik bietet eine Vielzahl von Produkten: Sea Bass, Tuna, Sepia, Muscheln, Krabben und was der Feinschmecker sonst noch begehrt.

Muscheln in allen Varianten werden hier unter anderem angeboten. Daneben auch viele Fische, sämtliche fangfrisch täglich angeliefert.

Wenn sämtliche Fische verkauft sind, bleiben noch abgetrennte Fischköpfe liegen. Diese werden entsorgt. Oder von den Katzen gefressen.

Dieses Restaurant wäre für mich heute Abend sehr interessant gewesen. Leider schliessen die Restaurants im Mercado Central die Türen um 17:30, viel zu früh für ein Nachtessen. Und am Nachmittag hatte ich keinerlei Lust auf Fisch und wäre er noch so frisch!

In der Flanierstrasse Santiagos fand ich diesen Kiosk: Von unten bis oben sowie von rechts nach links voll gepflastert mit Zeitschriften lässt er kaum Platz für ein Fenster für den Verkäufer. Es sieht so aus, als ob in Chile noch viele Magazine aus toten Bäumen gekauft und gelesen werden. In unseren Breiten werden diese zunehmend eingestellt und durch online Angebote ersetzt. Mir wäre dieser Kiosk sicher nicht aufgefallen, wären die Magazine im Internet.

Der Palacio de la Moneda war und ist wieder der Sitz des Präsidenten Chiles. Am 11. September 1973 erschien er in der Weltpresse, als die chilenische Armee unter General Pinochet den damaligen Präsidenten Salvador Allende stürzte und anschliessend für 25 Jahre sein Schreckensregime errichtete. 1988 wurde er schliesslich in einer Abstimmung aus dem Amt entfernt und ein neuer, demokratisch gewählter Präsident kam ins Amt.

Salvador Allende Gossens Statue steht in der Nähe des Palastes und blickt auf den grossen Platz davor. Immer noch werden frische Blumen - meist rote Nelken - bei der Statue deponiert. Er beging während des Putsches Selbstmord. So die offizielle Version, seit 2011 gibt es jedoch Zweifel an dieser Sichtweise, da bei einem früheren Militär ein Dokument gefunden wurde, welches eine andere Geschichte erzählt. Noch gilt jedoch die offizielle Version. Der Coup wurde wie die meisten der Militärputsche in jener Zeit von der US-amerikanischen Regierung angestiftet. Mehr zu lesen gibt es in Wikipedia (Klick mich!).
Mein Leser vermisst nun sicher einen Hinweis auf den Rekord, welchen ich im Titel erwähnte. Nun, ich schrieb ja, dass mir eine Taxifahrt zu teuer war und ich mich deshalb zu Fuss auf den Weg machte. Am Ende des Tages kamen so 10.5 km zusammen, eine Distanz, welche für mich seit sehr langer Zeit nicht mehr möglich war. Natürlich setzte ich mich von Zeit zu Zeit und genoss auch den einen oder anderen Kaffee, aber immerhin.
