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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Santiago de Chile per Bus
Selbstverständlich gab es auch in Santiago einen zweistöckigen Bus, mit welchem das Zentrum bequem besichtigt werden konnte. Nicht weit von meinem Hotel entfernt befand sich eine Haltestelle und so machte ich mich nach dem Frühstück auf den Weg.
Da ich noch etwas warten musste, setzte ich mich auf eine Bank in die Sonne. Schon bald bekam ich einen Nachbarn und begann mit ihm ein Gespräch. Plötzlich näherte sich ein Fremder von hinten und griff nach meiner Kamera, welche ich auf der Bank abgelegt hatte. Er rechnete jedoch nicht damit, dass ich sie mit einem Gurt trug: Sein Versuch blieb erfolglos und er rannte schnell davon. Mein Nachbar verschwand ebenfalls umgehend. Offensichtlich ein Team, welches zum Glück erfolglos blieb! Ein denkbar schlechter Beginn einer Reise, ich hoffe doch, dass dies ein Einzelfall bleiben wird!

Bald schon kam der Bus und die etwa zweistündige Rundreise begann. Nahe bei der Haltestelle bemerkte ich ein Schild, welches den „Herrn Autofahrer“ auf die geltenden Regeln hinweist. Nur bewilligte Fahrzeuge und nur zu bewilligten Stunden dürfen hier be- und entladen werden. Ein Schild mit einer formellen Anrede!

Der ehemalige Hauptbahnhof wurde nach längerem Leerstehen zu einem Kulturzentrum umgebaut, welches unter anderem gerade eine Literaturausstellung beherbergte.

Die Kathedrale wurde aktuell renoviert, ich musste zweimal hinsehen, bis ich bemerkte, dass die Fassade nur aufgemalt war. Man will den Besuchern das grandiose Bauwerk nicht mit einem Stahlgerüst zeigen! Es ist aber auch kein Potemkinsches Dorf, da sich die Kathedrale hinter der aufgemalten Fassade befindet.

Santiago liegt auf etwa 500 m.ü.M. mit einer beeindruckenden Kulisse: Nicht weit östlich liegen die Anden, welche hier knapp 4’000 m hoch sind. Einige der Gipfel sind dauernd mit Gletschern bedeckt. Ich musste das Bild stark abdunkeln, damit die Berge sichtbar wurden, sonst wären sie im Dunst verschwunden. Das Bild ist nicht sehr überzeugend was die Qualität betrifft, aber ich wollte die Berge zeigen.

Das Bankenviertel - hier Sanhattan genannt - ist das finanzielle Zentrum Chiles und auch weiter Teile Südamerikas. Imposante Hochhäuser beherbergen viele bekannte Firmen der Finanzindustrie. Die übliche fantasielose Stahl- und Glasarchitektur der Hochfinanz. Geld allein bürgt noch nicht für Geschmack!

Wie die meisten Touristen legte auch ich einen Zwischenstopp am Funicular ein, einer Standseilbahn, welche den Hügel San Cristobal erschliesst. Von oben gibt es eine eindrückliche Rundsicht über die Stadt. Dies wollte ich mir nicht entgehen lassen!

Die Preise für die Fahrt sind an der Wand angeschlagen und ich hatte bereits das nötige Kleingeld bereit. Der Verkäufer wollte allerdings nicht den ganzen Betrag, sondern nur knapp die Hälfte. Als ich das Billett genauer inspizierte, klärte sich dieser Umstand sofort auf: Er klassierte mich als 3ra Edad, als sich im dritten Lebensabschnitt befindlich. Dafür gibt es selbstverständlich einen Rabatt. Ich wehrte mich nicht gegen diese Einschätzung, zumal diese mit einem geldwerten Vorteil verbunden war.

Das Stadtzentrum mit seinen grösseren Häusern liegt direkt zu Füssen der Bahn und lässt sich beim Hoch- und Runterfahren sehr gut fotografieren.

Von oben schweift der Blick über die ganze Stadt, dies der Blick in Richtung Nord-Westen. Die Häuser verschwinden in der Ferne im Dunst. Die etwa 8 Mio. Einwohner im Ballungsraum Santiago entsprechen knapp 40% aller Chilenen. Der Rest des Landes muss ziemlich leer sein; mehr davon werde ich in den kommenden Wochen sehen.

In Richtung Süd-Osten wird das Wachstum der Stadt durch die Berge gebremst. Bis hart an die Berge wurde jedoch schon gebaut.

Die Spitze des Hügels ist von einer riesigen Madonnenfigur besetzt, von welcher aus der beste Blick zu erhaschen ist. Allerdings ist der Aufstieg dorthin recht schweisstreibend, aber lohnenswert. Für die Rückfahrt mit dem Funicular musste ich nahezu eine Stunde anstehen, dies in der glühenden Sonne und fast ohne Sitzmöglichkeit. Dafür leistete ich mir Abends einen extra Pisco Sour als Belohnung. Dieser Apero ist offensichtlich vor allem in Chile, Peru und Bolivien weit verbreitet. Je 1/3 Traubenschnaps, Limettensaft und Zuckersirup mit Eiweiss werden gekühlt serviert. Der darin enthaltene Alkohol entfaltet seine Wirkung zeit-verzögert, da er durch das Eis erst verspätet „einfährt“, dafür dann aber umso stärker.
