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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Ausflug an den Pazifik, zuerst Kälte und Nebel, dann ein gutes Ende
Auch heute morgen herrschte dichter Hochnebel, als ich aus den Federn stieg. Glücklicherweise verfügt mein Hotel über gute Betten mit dicken Decken, da die Temperaturen über Nacht recht tief fallen. Am Morgen lag diese bei etwa 12 Grad, nicht sehr warm. Nach dem Frühstück stand dann schon wieder die Sonne am Himmel und die Temperatur steig schnell an. Ich wollte an den Pazifik fahren, einerseits liegt ein kleiner Nationalpark nicht weit von meinem Hotel am Meer, dort gäbe es viele Vögel, meinte mein Gastgeber. Schliesslich wollte die noch den wichtigsten Surf-Strand in Chile besuchen, wo hohe Wellen ein wahres Paradies für Surfer bereithalten. Pichilemu heisst die kleine Ortschaft, die nord-westlich von Santa Cruz am Pazifik liegt.

Zwischen dem Colchagua Tal und dem Pazifik lag eine kleine Hügelkette, welche das Tal vom Pazifik abtrennt. So liegt dieses in einer Art Badewanne mit den Anden im Osten und dieser Hügelkette im Westen. Beim Hinauffahren boten sich ab und zu schöne Blick über das Tal.

Auch werden hier an etlichen Orten Reben angebaut, die sich weit die Hänge hinauf ziehen, damit sie möglichst viel Sonne für einen kräftigen Roten tanken können.

Kurz vor der Küste lag noch eine Hügelkette, an dieser staute sich der typische Nebel, Bilder wie sie in der Gegend um San Francisco sehr häufig zu sehen sind. Leider liess mich dieses Phänomen Schlechtes für meinen Besuch im Nationalpark vermuten.

Tatsächlich war der Himmel bedeckt und ein starker, kalter Wind blies vom Meer her und machte den Aufenthalt für einen Sonnenhungrigen eher ungemütlich. Trotz allem nutzten einige Chilenen den Sonntag für ein Bad im Pazifik. Ich als Warmduscher hätte mich unmöglich dazu durchringen können. Schon nur der Wind hätte mich abgehalten, ganz abgesehen vom kalten Wasser des Humboldt-Stromes.

Einige Frauen ernteten Seegras, welches für einige Rezepte der chilenischen Küche gerne verwendet wird. Auch sie waren dicht eingemummt, damit sie nicht erfroren. Die Rolle des Mannes war mir hingegen nicht klar.

Ein älterer Herr verkaufte einige interessanten Sachen: In den weissen Säckchen war Salz, welches in der Gegend gewonnen wird. Der grosse Ballen besteht aus etwa einen cm dicken Blättern einer im Meer wachsenden Alge, welche zu kleinen Bündeln gerollt und dann zu einem grösseren Ballen zusammen gebunden wird. Auch diese werden in der Küche eingesetzt und sollen nach Aussage des Händlers sehr schmackhaft sein. Er wollte mir unbedingt einen kleinerne Bund verkaufen, ich erklärte ihm jedoch, dass ich dafür keine Verwendung hätte, da ich im Hotel über keine Küche verfüge.

Zurück im Landesinnern schien wieder die Sonne; sie wurde hier zur Gewinnung von Salz eingesetzt. In diesen kleinen Salinen betrieben einige Familien ein einträgliches Geschäft mit dem weissen Gold. Dessen Vorrat ist dank des nahen Meeres unbegrenzt und die Sonne scheint hier an den meisten Tagen des Jahres vom nahezu wolkenlosen Himmel. Auch die Produktionsfläche ist verfügbar, nur die Arbeit bei der Vorbereitung der Becken und der Ernte muss selber erbracht werden.

Bei meinem Hotel sah ich diesen Baum mit den gelben Früchten. Als ich meine Gastgeberin nach dem Namen der Früchte fragte, meinte sie, es seinen Damascos. Für mich sahen die Früchte hingegen wie Aprikosen aus und als ich fragte, ob es denn nicht Albaricoque seien, meinte sie: Doch, doch, aber hier hiessen diese Früchte eben Damascos. Bei näherem Nachdenken macht das ja sogar Sinn, denn die Aprikosen sollen ja ursprünglich aus dem Nahen Osten zu uns gekommen sein. Der botanische Name weist auf Armenien als Herkunftsgebiet hin, heisst die Pflanze doch Prunus armeniaca.
Schon zweimal traf ich auf Namen von Früchten und Gemüse, welche mir unbekannt waren. Avocados heissen in Spanisch Aguacate, in Chile stehen sie als Palta zum Verkauf, während Erdbeeren sonst überall als Fresas bezeichnet werden, nennt man sie in Chile Frutillos.
Den späteren Nachmittag verbrachte ich am Pool, jedoch ohne Badehose und auch ohne Absicht, ins Wasser zu gehen. Ich plante noch die Weiterreise für die kommenden Tage.
Ich wohne hier in einem netten B&B als zur Zeit einziger Gast. Als ich meine Gastgeber nach einem guten Restaurant für den Abend fragte, meinten sie, ich hätte wohl Pech: Am Sonntag seien mit Ausnahme eines Hotelrestaurants alle Lokale geschlossen. Sofort bot meine Gastgeberin mir an, ein Sandwich und etwas Früchte - Damascos - zuzubereiten. Bis spät in die Nacht sassen wir anschliessend im Garten bei einem Glas Wein. Das gab mir einmal mehr die Gelegenheit, mein Spanisch zu trainieren, eine willkommene Gelegenheit!
