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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Endlich Wein!
Am Morgen besuchte ich auf Anraten meiner Gastgeber das Museum des Colchagua Tales. Dort werden viele interessante Dinge aus der Geschichte Chiles ausgestellt. Zeugen aus längst vergangenen Zeiten, wie Zähne von Mamuts, Säbeltigern und anderen urzeitlichen Vichern, Artifakte von Chiles Ureinwohnern sowie der spanischen Eroberer und auch persönliche Gegenstände berühmter Bewohner dieser Gegend sind sehr schön ausgestellt. Ein interessantes Museum mit ebensolchen Exponaten. Leider durfte ich innerhalb des Museums nicht fotografieren, obwohl einige Gegenstände sehr fotogen gewesen wären.

Eine Sonderausstellung war dem Grubenunglück vom August 2010 im Norden Chiles gewidmet, bei welchem 33 Bergleute in der Tiefe eingeschlossen und später gerettet wurden. Ein teilweiser Einsturz der Stollen schloss die Männer 700 m unter der Erde ohne Fluchtmöglichkeit ein. Dank einer Rettungsbohrung wurden die Bergleute nach 2 Wochen schliesslich erreicht und konnten zum ersten Mal angesprochen werden. Etwas frische Luft erreichte sie durch das Bohrloch, durch welches auch frische Nahrung den Weg in die Tiefe fand. Eine grössere Bohrung ermöglichte schliesslich nach 69 Tagen die Rettung durch dieses Gerät. 53 cm Durchmesser, ein Mann kann sich darin hinein zwängen und während einer knappen Stunde wird er ans Tageslicht befördert. Ein grässlicher Gedanke!

Die ganze Rettungskapsel, wie sie an der Oberfläche aus dem Bohrloch gezogen wird zeigt kein bequemeres Bild. Immerhin wartet am Ende des Tunnels das Tageslicht, sofern die Kapsel sich nicht verklemmt. Mehr zu dieser interessanten Geschichte gibt es bei Wikipedia zu lesen.

Wieder am Tageslicht und nicht mehr in dieser klaustrophobischen Stimmung bemerkte ich am Strassenrand diese Bäume mit den kleinen, runden roten Früchten. Frische Kirschen, die zudem gerade reif waren und an einigen Ständen verkauft wurden. Was war wohl mein heutiger Lunch?

In der Nähe von Santa Cruz liegt eines der bekanntesten Weingüter Chiles: Das Gut Apalta der Firma Lapostolle. Eine Spezialität ist die Organisation des Gutes: Der Wein wird ausschliesslich durch Gravitation von Station zu Station transportiert. Zuerst wurde ein riesiges Loch in den Granit des Berges gesprengt, in welches dann die 6 geschossige Anlage gebaut wurde. Zuoberst liegt eine Aussichtsplattform, von welcher aus der Rundgang beginnt.

Alle Reben in diesem Tal gehören der Firma und werden für die Produktion ihres Spitzenweines verwendet. Dazu später mehr. Zuerst zur Herstellung, der Arbeit, vor dem Vergnügen.

Die Besucher müssen ebenfalls per Schwerkraft die einzelnen Stockwerke überwinden, es gäbe zwar einen Aufzug, dieser fand aber vorerst keine Verwendung. In der Mitte hängt ein Foucault’sches Pendel, mit welchem sich zuunterst Muster in den dort liegenden feinen Sand zeichnen lassen. Eine nette Spielerei, die wenig mit Wein zu tun hat.

In dieser Halle werden zur Erntezeit die Trauben angeliefert; von vielen Frauen wird jede einzelne Beere manuell vom Stamm getrennt, sämtliche Blätter und faulen Beeren werden ebenfalls entfernt. Nur die einzelnen Beeren gehen zum nächsten Schritt. Sie werden die bereitstehenden Transportwagen gefüllt, welche dann in den nächsten Raum geschoben werden.

Auf derselben Ebene stehen die grossen Eichenfässer, in welche die Beeren zuerst eingefüllt werden. Oberhalb der oben offenen Fässer verläuft ein Steg, in welchem Löcher eingelassen sind, durch welche die Beeren aus den Transportwagen in die Fässer entleert werden. Der Nebel hält die Luftfeuchtigkeit extrem hoch, da sich sonst die jetzt leeren Fässer verziehen würden, bis sie später im Jahr wieder verwendet werden.
Ohne Druck von aussen werden die Beeren durch ihr eigenes Gewicht ausgedrückt und der Traubensaft, welcher sich unten an den Fässern sammelt, wird schliesslich dort abgelassen und per Schwerkraft einen Stock tiefer in weitere Fässer aufgefangen. Die restlichen Beeren werden in einer maschinellen Presse ausgepresst, der dabei gewonnene Saft wird für einen anderen Wein verwendet.

Wiederum einen Stock tiefer lagert der junge Wein in diesen Eichenfässern, welche ausschliesslich aus Frankreich bezogen werden. Nach wenigen Jahren werden die Fässer entsorgt, respektive an andere Weinbauer verkauft.

Ein einzelnes Fass mit dem Stempel des Fassbauers aus Frankreich, welcher offensichtlich schon seit längerem im Geschäft ist.

Nochmals ein Geschoss tiefer ging es dann endlich zum Geschäft. Inmitten von Lagerfässern früherer Jahrgänge, welche noch nicht auf Flaschen abgezogen wurden, steht der Degustationstisch. Nach einem Sauvignon Blanc desselben Produzenten aus einer anderen Gegend sowie einem Merlot aus einer wiederum anderen Gegend verkosteten wir eine Clos Apalta von 2010. Für mich eher eine Enttäuschung, viel zu viel Tanin und zu wenig Samtheit. Dieser Wein braucht noch einige Jahre in der Flasche, bevor er trinkbar ist. Die Weinwelt scheint anderer Meinung zu sein, dieses Gut erreicht oft Spitzenwerte bei Degustationen. Aber sicher nicht mit jungen Weinen.
Den Abschluss des Besuches machte dann die Fahrt mit dem Aufzug ans Tageslicht.
