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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Lagunen in allen Farben und eine Nacht im Hochgebirge

Nach dem Morgenessen machten Andrea, Christoph und ich uns auf den Weg zur Grenze zwischen Chile und Bolivien. Der Chilenische Grenzposten liegt in San Pedro de Atacama, dort mussten wir zuerst die Ausreiseformalitäten Chiles erledigen. Anschliessend fuhren wir in die Höhe zum Grenzübertritt nach Bolivien.

Der Bolivianische Grenzposten liegt auf etwa 4’000 m in einem ansonsten unbewohnten Gebiet. Die Grenzformalitäten waren sehr schnell erledigt und wir konnten unseren Weg fortsetzen.

Zuerst mussten wir jedoch unser Fahrzeug wechseln. Die Touristentransporter aus Chile dürfen ihrem Geschäft in Bolivien nicht nachgehen. Der Graben in der Bildmitte trennt die beiden Länder, hier ist für Fahrzeuge kein Durchgang. Das Gepäck wurde vom chilenischen Fahrzeug auf den bolivianischen Landcruiser umgeladen.

Bald schon waren wir auf dem Weg auf Staubstrassen. Nur 16% aller Strassen in Bolivien sind geteert, der Rest sind Pisten von unterschiedlicher Qualität. Einen ersten Halt legten wir bei der sogenannten weissen Lagune ein, die noch teilweise zugefroren war. Zwei Flamingos passten sehr gut ins Bild mit den Spiegelungen der Vulkane.

Der Vulkan Licanábur von der Hinterseite aus gesehen. Von hier aus kraxeln die Bergsteiger auf den Vulkan. Sie sollten spätestens um etwa 06:00 losmarschieren, damit sie vor 10:00 auf dem Gipfel sind. Denn um diese Zeit beginnt der starke Wind um den Gipfel zu blasen und der Abstieg wird immer schwieriger. Die grüne Lagune ändert ihr Aussehen pünktlich mit dem Auftreten des Windes. Von Westen her verfärbt sich das Wasser grünlich, da die kleinen Wellen, welche durch den Wind erzeugt werden, das Wasser grün erscheinen lassen.

Treue Begleiter sind auch in Bolivien die Vicuñas. Was diese Viecher auf dieser Geröllhalde fressen, würde ich gerne wissen. Ganz offensichtlich werden sie durch ihr spärliches Futter nicht dick.

Die Landschaft in diesem Teil Boliviens ist stark vulkanisch geprägt. Die wildesten Farben verzieren die Berge. Menschliche Siedlungen gibt es hier nicht.

Eine weitere Lagune, diesmal mit heissen Quellen liegt auf 4’407 m.ü.M.. Hier stoppten wir für unseren leichten Lunch. Und ich genoss natürlich das angenehm warme Badewasser im natürlichen Pool, welches etwa 35 Grad erreichte. Definitiv der höchste Pool, in dem ich je ein Bad nahm.

Einen nächsten Stop legten wir beim Arbeitsplatz des Teufels ein. Mindestens der Geruch liess so etwas vermuten. Schweflige Schwaden stiegen aus den Fumarolen auf 4’600 m aus und machten das Atmen neben der Höhe noch zusätzlich schwierig.

In Schlammlöchern blubbert und spritzt der gewaltig. Ich versuchte, einige der Schlammlöcher und Fumarolen zu filmen, die kurzen Sequenzen finden sich hier ( ) und hier 12 xxxxxxxxxxx. Immer wieder faszinierend, was eine Magmakammer in der Tiefe für Geräusche und Gerüche erzeugen kann.

Schliesslich erreichten wir einen neuen Rekord: Der Höhenmeter blieb bei 4’956 m.ü.M. stehen! Leider reichte es nicht ganz bis zum 5’000-er.

Der Blick über diese Hochebene vermittelt das Gefühl, man sei auf dem Dach der Welt. Viele Berge liegen tiefer, eine Sicht, die ich so eigentlich nicht kenne.

Mit den bisherigen Höhepunkten war es noch nicht getan. Die sogenannte rote Lagune war das Schlussfeuerwerk. Die weissen Felder im Wasser sind Borax-Depots. Borax wird unter anderem zur Glas- und Glasuhrenherstellung eingesetzt, auch für die Waschmittelproduktion findet es Verwendung. Die rosa Flecken im See sind einmal mehr Flamingos, welche hier auf 4’500 m gut leben.

Flamingos in der roten Lagune brauchen keinen weiteren Kommentar.

Eine kleine Echse hebt sich kaum von Kiesel-Untergrund ab. Wenn sie sich nicht bewegt hätte, wäre ihr Bild nun nicht im Internet. Was ihr vermutlich noch so egal ist.

Nochmals ein Blick auf einen Teil der Lagune, auch hier leben viele hundert Flamingos.

Gegen 17:30 kamen wir bei unserem Hotel an. Die Pisten sind über weite Strecken in lamentablem Zustand: Viel Waschbrett und teilweise auch grössere Löcher veranlassen viele Fahrer, sich einen Weg neben der eigentlichen Piste zu suchen. Schade, denn so wird die Landschaft grossflächig verschandelt. Wenn die Pisten besser unterhalten würden, bliebe die Natur weitergehend intakt.
Unser Hotel, das Hotel del Desierto, liegt auf knapp 4’600 m. Noch nie übernachtete ich auf dieser Höhe. Die Nacht war eher kühl, doch am nächste Morgen wärmte die Sonne schnell wieder auf. Das grössere Problem während der Nacht war die Höhe: Ab und zu erwachte ich und hatte das Gefühl, die Luft im Zimmer würde etwas dünn. Nach einigen tiefen Atemzügen schlief ich jeweils wieder ein. Eine seltsame Erfahrung!

Unsere Reiseleiterin Lourdes zeigte uns noch, wie die Sauerstoffmasken bedient würden, falls diese notwendig würden. Zum Glück eine Demo ohne praktische Notwendigkeit.
