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Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
11. Dezember 2014

Stadtbummel in Lima - Warnung ziemlich explizite Bilder!

Per Taxi liess ich mich heute ins Zentrum Limas chauffieren, was gar nicht so einfach war. Der Verkehr in dieser Stadt ist grauenhaft: Zwar sind Fahrspuren eingezeichnet, doch kaum jemand hält sich daran. Bei Kreuzungen ohne Rotlicht gewinnt einfach der Frechere. Hupen und wann immer möglich voll auf die Tube drücken ist das Motto. In der Nähe des Zentrums wird der Verkehr immer dichter, zeitweise ist kaum mehr ein Durchkommen: Für die etwa 10 km Fahrstrecke brauchten wir gute 40 Minuten!
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Mein erster Besuch galt der Plaza Mayor mit dem Präsidentenpalast sowie der Kathedrale. Der geneigte Leser erinnert sich: Dies ist der gelbe Platz.

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Viele Häuser in Lima haben solche vorgehängten Balkone. Vor allem ältere Häuser sind so gebaut. Dieses Gebäude ist nicht sehr alt, doch an seinem Standort in der Stadtmitte wurde dieses Stilmittel übernommen und das Gebäude passt sich so gut in die Umgebung ein.

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Die Kathedrale selber ist nicht sehr interessant. Das Hauptgebäude ist nur mehr ein Museum und in einer Seitenkapelle darf man nicht fotografieren. Dänn ebe nööd! Ein etwas spezieller Weihnachtsbaum „schmückt“ den Platz.

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In der Nähe der Plaza Mayor stiess ich auf eine hübsche Gallerie, deren Innenraum leider mit vielen Verkaufs-Ständen für Touristen-Mist vollgestellt war. Viele Käufer zogen diese auf jeden Fall nicht an. Wie wäre es mit Entrümpeln?

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Der Präsidentenpalast mit der Nationalflagge, welche sich im leichten Wind vollständig zeigt. Die armen Kerle in ihren Uniformen müssen während langer Zeit regungslos als Verzierung auf dem Platz stehen. Ich wundere mich immer, was die Mächtigen zu einem solchen Blödsinn verleitet. Nimmt die Macht zu wenn viele Leute sichtbar leiden? Oder macht es denen oben einfach Spass, die unten zu quälen?

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Eine sehr interessante Kirche ist San Francisco aus dem 17. Jhdt. Ein riesiges Kloster mit unzähligen Kreuzgängen und einer grossen Bibliothek, welche sehr viele Bücher aus vergangenen Jahrhunderten enthält.

LimaPeru 14 17Der Innenraum war für mich vor allem fotografisch interessant. Da kaum Licht vorhanden war, experimentierte ich einmal mehr mit meiner Kamera und bin erstaunt: Bei ISO 4000 ist kaum ein Bildrauschen feststellbar. Dies ist leider das einzige Bild der ganzen Anlage, überall sonst war fotografieren nicht erlaubt. Unter der Kirche gibt es das eigentlich Spezielle: 1951 wurden die Katakomben unterhalb der Kirche wieder entdeckt. Dort wurden in den vorhergehenden Jahrhunderten etwa 70’000 Personen beerdigt.

Beerdigt ist allerdings nicht ganz richtig: Die Leichen wurden aufeinander in etwa 2x1 m messende Gruben mit einer Tiefe von knapp 2 m gelegt. Zwischen den einzelnen Körpern wurde jeweils Sand und ungelöschter Kalk gestreut. Dadurch lösten sich die Weichteile sowie die kleinen Knochen innerhalb von einem knappen Jahr auf. Anschliessend wurde die Grube ausgehoben und die verbleibenden Knochen in grosse Nischen umgelagert. In dieser Knochenfabrik standen etwa 10 dieser Gruben, welche laufend in Betrieb waren. In diesen Katakomben durften nur die Mönche arbeiten, allen anderen war der Zugang nicht erlaubt.

Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel traf ich einen Schuhputzer, dem ich einmal mehr gerne meine staubigen Schuhe zur Reinigung überliess. 

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Das nächste Ziel war das Museo de la Inquisición. In Lima betrieb die katholische Kirche zwischen 1570 und 1820 ein äusserst lukratives Geschäft für die ganzen spanischen Besitztümer auf dem amerikanischen Kontinent. Personen, welche sich nicht an die Kirchenregeln hielten, indem sie zB. reformiert oder jüdisch oder gar noch schlimmer Atheisten waren, wurden hier eines Besseren belehrt. Unzählige wurden gefoltert und öffentlich verbrannt. Wenn sie mit dem Leben davon kamen, wurde auf jeden Fall ihr gesamter Besitz eingezogen. Vom Erfolg dieser Massnahme zeugen die vielen massiv verzierten Kirchen!

Das Gebäude auf der rechten Seite ist das Verfassungsgericht, davor fand heute eine grosse Demonstration statt, offensichtlich um Landrechte der Indios in entlegenen Gebieten. Viele Polizisten mit Schutzschildern blockierten die Strasse. Dennoch konnte ich problemlos passieren, um zum Museum zu gelangen.

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Nun werden die Bilder leider etwas grässlich, schwache Gemüter lesen besser nicht weiter. In diesem Saal tagten die Richter, der Tisch im Vordergrund ist das originale Möbel, welches schon zu jener Zeit hier stand. In späteren Jahren tagte hier der peruanische Senat, der heute aber nicht mehr existiert. Das Parlament ist auf der gegenüberliegenden Strassenseite zu Hause.

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So, nun zur Sache: Die Füsse in eine Art Fussfessel gelegt wartet dieser falsche Geselle auf die nächsten Schritte zur Bekehrung. Nach der Verhaftung wurden die vermeintlichen Missetäter zuerst mal für 10 Tage in eine völlig dunkle Zelle im Untergrund gesperrt, der Entzug von Licht und Nahrung sollte sie für die weiteren Schritte weichkochen.

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Den Kopf und die Arme in einem Pranger eingesperrt kann sich niemand gegen Peitschenhiebe wehren. Ein mögliches Geständnis wird jedoch auch so gehört.

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Mit den Armen auf dem Rücken und dazu noch von der Decke gehängt dauert der Widerstand gegen ein Geständnis vermutlich nicht sehr lange. Das Ziel war ja, ein Geständnis zu erhalten und dieses dann gegen die Person verwenden zu können.

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Unter den gestrengen Augen eines Pfaffen wird dieser vom Glaube abgefallene Mann zurück in die richtige Form gebracht. Auf dem Streckbett nimmt zumindest die körperliche Länge zu, bevor einzelne Gliedmassen zerreissen. Ob der unter diesem Zug bekehrte Sünder sich wirklich dauerhaft in der Kirche wohlfühlte?

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Nach diesem Bild weiss ich nun auch, wo sich die US Folterer nach 9/11 inspirieren liessen. Was der katholischen Kirche recht ist, kann der CIA nur billig sein. Hier hiess diese Methode sicher nicht Waterboarding, doch der Effekt ist derselbe. Nichts Neues unter der Foltersonne!

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Wenn die vorherigen Methoden nicht zum Erfolg führten, war dies der letzte Versuch: Auf einem Stuhl festgebunden wird der Hals mit einem Strick so lange weiter zugedrückt, bis der letzte Funken Leben aus dem Körper entwich. Die Leiche wurde anschliessend auf der Plaza Mayor auf einem grossen Scheiterhaufen verbrannt. Einige Gefangene wurden auch lebendig verbrannt, alles  selbstverständlich im Namen der Religion. Diese Anlässe waren für alle Bewohner Limas obligatorisch, wer nicht erschien, riskierte selber den Scheiterhaufen.

Mich fasziniert immer wieder, wie in verschiedenen Religionen der Abfall vom Glauben geahndet wird. Im Islam gerade aktuell durch Erschiessen (ISIS), im Buddhismus traf ich auf meiner kürzlichen Reise in Thailand und Burma auf entsprechende bildliche Darstellungen. In der Schweiz ist dies bis jetzt zum Glück nicht strafbar, ich hoffe doch sehr, dass dies auch so bleibt.

Irgend wie war ich froh, dass ich diesen grässlichen Ort wieder verlassen konnte und machte mich per Taxi wieder auf den Weg zum Hotel.
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