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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Thailand
Dringender Bedarf für eine technische Lösung!
Heute morgen regnete es schon von Tagesanbruch an. Zwar nicht stark, aber dafür stetig. Wir machten uns nach dem Frühstück auf den Weg ins 150 km entfernte Khao Lak, unserem nächsten Aufenthaltsort.

Unterwegs wären die schönen Kalkfelsen von Krabi zusehen gewesen, wenn sie nicht von den tiefhängenden Wolken in der Höhe gekürzt worden wären. So müssen die 3-geschossigen Shophouses als Vordergrund hinhalten. Diese Art von Wohn- / Geschäftshäusern sind entlang der meisten Hauptstrassen in Thailand zu finden. Die meisten lokalen Bewohner sind äusserst geschäftstüchtig, im Erdgeschoss sind denn auch meist kleine Läden oder Werkstätten eingerichtet. So ist der Arbeitsweg kurz.

Auf etwa halben Weg überquerten wir einen Pass, der knapp über 200 m.ü.M. kulminierte. Von hier aus böte sich bei schönem Wetter ein wunderbarer Blick über die karstige Landschaft - wenn denn die Wolken nicht wären. Diese lichteten sich zwar je weiter wir nach Westen kamen, in der Ferne zeigten sich bald schon die ersten blauen Flecken.

Am linken Strassenrand bemerkte ich diese seltsamen Tücher und wollte sie genauer erkunden. Thomas musste einen Stopp reissen und drehen, damit wir die Dinger aus der Nähe sehen konnten.

Kaum stiegen wir aus, kam der Bewohner des Hauses, ein gewisser Abu, und wir begannen ein Gespräch. Ich fragte ihn, was es mit diesen Platten auf sich hätte. Stolz erklärte er, es sei Kautschuk, der hier zum Trocknen aufgehängt würde. Wenn wir Lust und Zeit hätten, würde er uns gerne seine Produktion zeigen. Dieses Angebot liessen wir natürlich nicht ungenutzt.

Seine insgesamt 1’500 Gummibäume werden laufend geerntet. Der Saft, der Latex, tritt in die kleinen Sammelbehälter aus und wird von dort in grössere Kübel umgeleert. Diese wiederum werden mit etwas Ameisensäure versetzt, worauf der Gummi unmittelbar koaguliert.

Diese Platten zu je etwa 1 kg werden mehrfach gewalzt und dann zum Trocknen aufgehängt. Aus 50 Bäumen gewinnt er pro Erntegang genügend Latex für 1 kg Rohgummi, welchen er dann für 40 Baht oder CHF 1.30 verkaufen kann. Auch viel Arbeit für einen moderaten Ertrag. Doch immerhin erzeugen die Bäume einen stetigen Fluss an Latex und so versiegt das Einkommen aus dieser Quelle kaum je.

Im letzten Walzgang wird der Gummiplatte ein typisches Muster aufgeprägt, welches den Hersteller kennzeichnet. Die fertig getrockneten Matten hängen von den Ständern über der Walze. Interessante Information zu Kautschuk und Gummi gibt es bei Wikipedia (Klick mich!).

Abu ist ein sehr geschäftiger Unternehmer: Neben Gummi züchtet er auch Öl-Palmen, deren Fruchtstände er ebenfalls verkaufen kann. Aus diesen wird in zentralen Ölmühlen Palmöl gepresst, welches für die verschiedensten Zwecke eingesetz wird. Mehr zu Palmöl und seiner Verwendung weiss Wikipedia. Mit Bambus-Setzlingen hat er ein weiteres Standbein und nicht zuletzt zieht er noch Desert-Roses (Adenium obesum), welche rund um viele Häuser in Thailand in Töpfen stehen. Möglichst viele Eier in möglichst vielen Körben scheinen eine für ihn lohnende Strategie zu sein!
Nun noch zum Highlight des heutigen Tages: Beim Einchecken im Hotel in Khao Lak griff ich in meinen Rucksack nach dem Pass und stellte mit Schrecken fest fest, dass der noch in Krabi war. Das böse Dokument ist mir einfach nicht aus dem Safe nachgerannt. In Spanisch heisst dies so schön: El pasaporte se me olvido, er hat sich mir vergessen! Damit ich wirklich zu einem erfahrenen Reisenden werden kann, braucht es wohl noch viel! Oder ein technisches Gadget wie eine Passhülle,welche ein SMS versendet, wenn sie weiter als z.B. 100 m vom iPhone entfernt ist. Also heisst es morgen früh nochmals die 150 km pro Weg anpacken und das heutige Missgeschick korrigieren. Thomas will mich begleiten, obwohl ich ihm anbot, den Tag in Khan Lak zu verbringen. Mal sehen, was es auf der Strecke noch zu sehen gibt oder ob eine andere Route möglich ist. Zu zweit fährt es sich auf jeden Fall besser als alleine.
