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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Wieder einmal ein bis anhin noch unbekanntes Land
Die letzte Reise in ein zuvor unbekanntes Land machten Brigitte und ich anlässlich unserer längeren Winterreise 09/10 als wir Thailand, New Zealand, Australien und anschliessend noch kurz Bali besuchten. Die meisten unserer Reisen seit jenem Jahr führten uns in schon bekannte Länder und Kontinente.
Nun besuchen Thomas und ich Myanmar, das bei uns immer noch als Burma oder auch Birma bekannte Land. Die hiesige Militärdiktatur beschloss 1989 den Namenswechsel. Ein weiterer seltsamer Entscheid fällte die Diktatur, als sie 2006 die Hauptstadt von Yangon nach Naypyidaw verlegte, einem kleinen Städtchen 300 km nördlich im Landesinnern. Damit nicht genug des Blödsinns: 1970 hatte der damalige Machthaber angeblich einen Traum, der ihm eingab, den seit langem herrschenden Linksverkehr auf Rechtsverkehr umzustellen. Geträumt, Hirn ausgeschaltet, getan. Von einem Tag auf den anderen galten andere Regeln, gerne wäre ich während der ersten Tagen in Burma gewesen. Zumindest in der damaligen Hauptstadt mit dem vielen Verkehr muss das Chaos grenzenlos gewesen sein. Rotlichter auf der falschen Seite der Strasse, Stoppzeichen ebenso, bauliche Installationen zB. von Verkehrsteilern falsch und so weiter. Heute sind etwa 3/4 der Autos auf Linksverkehr ausgerichtet, lediglich wenige folgen den neuen Regeln. Burma beschafft sich viele Gebrauchtwagen aus Japan und jene sind für Linksverkehr gebaut.
Etwas erstes, das mit auffiel ist, dass sich die burmesischen Frauen immer etwas Weisses auf die Wangen streichen. Die Paste, welche aus der Rinde des Thanaka-Baumes gewonnen wird, soll einerseits vor Sonne schützen, andererseits aber auch Schmuck sein. Den Sonnenschutz kann ich noch verstehen, über den Schmuck lässt sich bekanntlich streiten.
Viele Männer kauen dauernd auf Bethel-Nüssen herum, welche angeblich eine beruhigende und entspannende Wirkung haben. Die Zähne werden dabei rot gefärbt und ebenso ist der Speichel rot. Dieser wird dann auch regelmässig ausgespuckt, was auf den Gehsteigen und Strassen viele rote Flecken hinterlässt, die auf den ersten Blick wie Blut aussehen. Auch unsere diversen Taxifahrer öffneten bei jedem Stopp die Türe und liessen einen Schwall auf die Strasse. Besonders appetitlich ist dies nicht.

Unser erster Besuch in Yangon galt der Shwedagon Pagode, dem religiösen Zentrum des Landes. Schon 2500 Jahren wurde hier eine erste Pagode errichtet, das aktuelle Bauwerk misst 98 m. Diese Pagode wurde von den Militärs noch nicht gezügelt, eigentlich erstaunlich.

Auch in Burma müssen die Touristen auf das korrekte Verhalten hingewiesen werden. In den religiösen Zonen dürfen weder Shorts noch Schuhe getragen werden. Socken sind ebenso nicht erlaubt, meinen Kompressionsstrumpf durfte ich jedoch problemlos behalten, er stört Buddha offensichtlich nicht. Die Schuhe hätte ich auch gerne behalten, doch davon später mehr.

Diese Frauen lassen sich von einem Mönch unterrichten, solche Szenen sind in dieser Anlage sehr häufig. Die beiden Männer im Hintergrund scheinen ihre Inspiration eher aus dem Internet zu beziehen, zumal in der ganzen Tempelanlage ein gratis WiFi verfügbar ist.

Auch das Sicherheitspersonal surft lieber auf dem Smartphone statt sich um die eigentliche Aufgabe zu kümmern!

Rund um die grosse Pagode gibt es viele kleinere Pagoden sowie weitere Anlagen, hier einen Raum mit unzähligen Buddha-Figuren, welche sich nicht am Schlafenden auf dem Fussboden stören. Vielleicht schläft es sich sogar besser unter den wachsamen Augen Buddhas?

Frische Blumen werden von den Pilgern überall in bei den Tempeln und Pagoden hinterlassen. Putzmannschaften sind ständig damit beschäftigt, die von der Hitze schnell verwelkenden Blumen zu entsorgen. Ein gutes Geschäft für die Blumenhändler!

Gold ist nicht nur in der grossen Pagode die vorherrschende Farbe, auch die meisten anderen Bauten und Räume sind damit überzogen. Während einige Pilger sich intensiv mit Buddha beschäftigen, sind andere am Schatten bei einem Schwatz.

Die grosse Pagode ist umgeben von hunderten kleineren Pagödchen, auch sie selbstverständlich in Gold.

Arbeiter - in Gelb gekleidet - waren heute daran, die Vergoldung der Pagode auszubessern. Sie geben einen guten Grössenvergleich mit dem Gebäude. Das filigrane Baugerüst besteht aus Bambus-Stangen welche das Bild nicht gross stören und doch genügend Stabilität aufweisen, um die Arbeiter zu tragen. Ein bei uns übliches Stahlgerüst hätte eine ganz andere optische Wirkung ohne viel mehr praktischen Nutzen.

Die Pilger umrunden die grosse Pagode meist im Uhrzeigersinn, einzelne aber auch in der Gegenrichtung. Die glänzenden Platten des Bodens sind je nach Farbe unterschiedlich heiss: Weisse Steinplatten gehen noch klapp, etwas dunklere sind schon schwieriger zu ertragen. Die wirklich dunklen verliess ich jeweils sehr schnell, meine Füsse hätten sonst Brandblasen gekriegt. Die grünen Plastikbeläge sind einigermassen kühl, jedoch nicht sehr angenehm für die nackten Füsse. Mit Schuhen wären die Platten problemlos zu ertragen, Buddha jedoch vielleicht nicht ganz so zufrieden.
Ich bin ziemlich frustriert, seit ich mit Thomas reise. Er hat neben schlohweissen Haaren auch noch einen ebensolchen Bart. Diese Kombination ist in Burma und auch in Thailand offensichtlich sehr selten, sodass er eine Attraktion ist und viele Blicke auf sich zieht. Nicht nur dies: Er wird auch bevorzugt behandelt, das Servierpersonal, vor allem die jungen, hübschen Mädchen schwänzeln um ihn herum und wolle ihm immer etwas Besonderes bieten. Selbst bei der Espressomaschine wird er bedient. Wenn er vor dem Lift steht und nicht unmittelbar einen Knopf drückt, naht schon eine nette Dame und offeriert Ratschlag und Hilfe. Mich hingegen lassen einfach alle unbeachtet links liegen. Obwohl, wenn ich genauer nachdenke, hat dies vielleicht auch sein Gutes: Denken die Jungen vielleicht sogar, ein so weisshaariger Mann müsse ja steinalt sein und ohne fremde Hilfe könne er kaum noch die einfachsten Verrichtungen selbständig machen? Wenn dem so wäre, bin ich mit meinem Schicksal ja ganz zufrieden.
