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- Kategorie: Winterreise 11 / 12 - Australien 12 - Teil 3: Coral Bay to Sydney
Die lange Gerade ist geschafft

Beim heutigen Morgenessen zog ein Wedge tailed Eagle seine Kreise nahe bei unserem Tisch und mir gelang diese Aufnahme. Leider nicht ganz scharf, aber die namensgebende Form zeigt sich trotzdem sehr schön. Ein Wedge ist in Englisch ein Keil und so sieht sein Schwanz aus. Die für Adler typische Nase zeigt sich ebenfalls.

Unser weiterer Weg führt uns durch die Nullarbor Plain (Achtung für Australien Reisende: Die Aussprache hier ist gewühnungsbedürftig „Nallabor“), die Ebene ohne Bäume. Zumindest heisst sie so, auch wenn häufig eine dichte Vegetation herrscht. Ein Teilstück der Strasse gilt als längstes gerades Strassenstück Australiens, 146.6 km gerade Linie. Der sprichwörtliche Backstein auf dem Gaspedal erübrigt sich, da unser Camper mit Cruise Control ausgerüstet ist. Das Steuerrad hätte ich gerne festgebunden, so hätte ich für die 1.5 Stunden ein kleines Schläfchen hinlegen können. Leider aber hatte ich gerade keine Schnur zur Hand und so musste ich wach bleiben.

Am Ende des geraden Teilstückes weisst sinnvollerweise eine Tafel auf die anstehende Links-Kurve hin. Ohne Schild wäre vermutlich schon der eine oder andere Fahrer in die Büsche gesaust.

Unsere heutige Station heisst Eucla. wo vor Jahrzehnten eine wichtige Telegrafenstation stand, welche die Verbindung zwischen Perth und Adelaide sicherstellte. Pro Jahr wurden hier ab 1877 11‘000 Nachrichten übermittelt. Heute ist die Station zerfallen und sie wird langsam von einer weissen Sanddüne überrollt. Die Telegrafentechnik wird im Zeitalter von Internet schlicht nicht mehr gebraucht. Als Monument der Technik hat das Gebäude trotzdem noch einen Erinnerungswert.
Eine interessante Berechnung: Ich gehe davon aus, dass pro Nachricht je eine A4-Seite übermittelt wurde. Eine Seite hat etwa 2 KB, diese 11‘000 Seiten sind also 22‘000 KB oder 22 MB. Dies entspricht heute in Etwa 2 Digitalbildern. Aber damals wurden die Daten nicht wie heute digital übermittelt, sondern von Menschen in Morsecode getippt. Die meisten Nachrichten waren auch viel kürzer, da die Übermittlung aufwendig und sehr kostspielig war.

Auf dem Weg zur Telegrafenstation wurden wir von einem aufmerksamen Känguru überwacht, es steht in sicherer Entfernung zur Strasse und ist jederzeit zum Sprung bereit.

Vom Campground aus sehen wir auf eine weisse Sanddüne und den dahinter liegenden Süd-Pazifik, die Great Australian Bight. Südlich von hier gibt es nur noch die Antarktis. Und selbst die ist gute 4'000 km entfernt.

Den letzten Sonnenuntergang in Western Australia genossen wir noch mit einem Emu-Bier, dem lokalen Gebräu dieses Bundesstaates. Morgen reisen wir weiter nach South Australia, wo die Uhr um 2.5 Stunden vorgestellt werden muss.
