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- Kategorie: Cruise rund um Island und Grönland 23
Besuch in Nanortalik auf Grönland - Zuerst Eismeer, dann Blumenmeer
Als wir uns der grossen Insel Grönland näherten, kamen uns die ersten Eisberge entgegen. Links und rechts des Schiffes treiben sie im Wasser.

Da während der Nacht dichter Nebel herrschte, konnte der Kapitän nur langsam fahren, um allfälligen Gefahren frühzeitig ausweichen zu können. Er wollte wohl nicht Titanic spielen. Das führte dann aber dazu, dass wir erst mit 3 Stunden Verspätung an unserem Ziel ankamen.

Bei Eisbergen ist ja nur ein kleiner Teil sichtbar, der weitaus grössere Teil liegt im Wasser verborgen. Also besser etwas Abstand halten. Dank moderner Technologie sind die Eisberge heute für die Schifffahrt kaum mehr eine Gefahr.

Oberhalb der Wasserlinie ist schon viel abgeschmolzen, der hellblaue Schatten weist aber auf die darunter liegende Masse hin.

Vom Meer her sah Nanortalik nicht sonderlich hübsch aus. Immerhin gab es etwas Farbe im Grau der Berge. Die Stadt wurde 1830 gegründet, damals als Hafen für den Export der Hauptprodukte der Gegend: Wal-Öl und Robbenprodukte. Als die Nachfrage nach diesen Produkten zurückging, wurden viele der damit verbundenen Anlagen aufgegeben.
Unser Schiff ankerte wieder etwa einen Kilometer vom Ufer entfernt und wir mussten mit den Tenderbooten an Land. Die Hinfahrt war problemlos, die Rückfahrt hingegen für mich sehr mühsam. Es begann leicht zu regnen und alle Besucher wollten gleichzeitig zurück. Einige hundert Personen standen brav in einer Kolonne an, was dann aber doch etwa eine Stunde dauerte. Für mich sehr mühsam. Einige besonders Schlaue - vermutlich BMW-Fahrer - versuchten die Kolonne rechts zu überholen, wurden aber vom Schiffspersonal wieder zurück geschickt. Gut gemacht!

Auch diese Ortschaft war sehr farbig. Die meisten Häuser waren Gelb, Rot oder Blau, alle in sehr kräftigen Farbtönen.

Eine dunkelrote Variante eines Wohnhauses.

An vielen Stellen gab es zudem Felder von gelben Blumen, vermutlich eine Art von Hahnenfuss. Oder einfach GDYF, wie die Botaniker sagen. God Damn Yellow Flower.

Diese Kombination gefiel mir besonders gut. Intensives Rot inmitten von GDYF.

Auch Dunkelblau und Gelb passen gut zusammen. Auch ohne direkte Sonne gibt das eine schöne Farbkombination. Und dies in der arktischen Zone.

Selbstverständlich braucht es auch hier eine Kirche für die etwa 1’700 Einwohner der Region. Heute explodierte die Bevölkerung wegen der Kreuzfahrt-Passagiere auf mehr als das Doppelte.

Ein Teil der Gebäude rund um die Wal-Öl-Produktion werden heute als Museum genutzt. Es werden allerhand Utensilien der lokalen Bevölkerung gezeigt. Bevor die modernen Funktionskleidungen in Mode kamen, wurden hier Wollsachen getragen.

Ein Inuit-Dame verfügte offenbar wie die Damen in unseren Breiten über einen gut sortierten Schuhschrank.

Ob es hier wohl kalt wird? Die Kleider deuten jedenfalls darauf hin.

Die Ureinwohner dieser Gegend, die Inuit, reisten mit Booten, welche aus Holz und Robbenfellen hergestellt wurden. Darin wurde neben den Personen auch der ganze Haushalt transportiert.

Geister müssen abgewehrt werden, auch am Polarkreis!

Einen lebendigen Eisbär sah ich nicht, lediglich ein ihm abgezogenes Fell, welches im Museum ausgestellt war. Leider waren die meisten Beschreibungen der Exponate in einer unverständlichen Sprache, so dass sie mir nicht wirklich weiter halfen.

In diesem Gebäude wurden früher die Robbenfelle gegerbt und getrocknet. Heute ist dieses Haus ein Teil des Museums. Mein erster Schul-Rucksack hatte ein Robbenfell, das war in den 60-er Jahren in der Schweiz weit verbreitet. Ob dieses wohl von hier stammte?

Robbenfelle dienten nicht nur für Schultaschen, die Inuit nutzten sie als Kleidung. Ziemlich wasser- und winddicht waren sie wohl, gewärmt haben sie aber vermutlich nicht gross. Auch Kinder wurden damit eingekleidet.

In einem anderen Gebäude gab es noch Überreste der Wal-Öl-Produktion. Eine Presse, in welcher der Blubber ausgepresst wurde und Zuber, in denen das Öl dann eingekocht wurde. Hier muss es ordentlich gestunken haben.

Noch ein Stimmungsbild vom Blumenmeer, den farbigen Häusern sowie der Kirche. Auch ohne Sonne gibt es noch hübsche Bilder.

Den Schlusspunkt macht heute eine verblühte Chrottepösche oder Söiblueme wie wir Schweizer sagen. Ihre Samen machen sich bereit für den Abflug zu neuen Standorten für den kommenden Frühling.