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Kategorie: Atlantik, USA und Mexico 14 - Teil 3 Mexico
09. Juli 2014

Henequén, Oro verde de Yucatán

Östlich von Merida liegt eine Region, wo das einstige Gold Yucatans angebaut wird: Die Agave fourcroydes, deren Blätter sehr starke Fasern aufweisen. Diese wiederum werden noch in einigen verbleibenden Haziendas zu Sisal verarbeitet. Insgesamt ist die Sisal-Industrie hier jedoch am Aussterben, da kaum jemand mehr Sisal verwendet. Während früher die meisten Seile und Taue aus der Faser gedreht wurden, bestehen diese heute meist aus Kunststoff. In der Nähe von Motul, einer grösseren Stadt entsteht nun eine Teppich-Fabrik, wo die Fasern zu trendigen Bodenbelägen verarbeitet werden und so der lahmenden Industrie wieder Leben eingehaucht werden soll.

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Der Boden der Halbinsel Yucatan ist sehr karg, dieses Feld wurde vor kurzem für die landwirtschaftliche Nutzung vorbereitet. Kaum etwas Humus und schon liegt der blanke Kalkfelsen offen zu Tage. Das hier kaum etwas wächst und für die traditionelle Landwirtschaft wenig geegnet ist, erstaunt nicht.

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Die Sisal-Agave gedeiht auf diesen Böden recht gut, schade nur, dass die Abnehmer für die Faser heute weitgehend fehlen, so lohnt sich der Anbau kaum mehr. Die Hoffnung ruht nun auf der neuen Teppich-Fabrik.

Die erste Phase der Sisal-Herstellung habe ich im Februar 2011 dokumentiert, den Bericht gibt es hier.

Heute besichtigten wir eine Seilerei in einer Hazienda, welche mit 20 Mitarbeitern Sisal-Seile herstellt.

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Die getrockneten Fasern werden in verschiedenen Arbeitsgängen gereinigt und gebürstet. Eine erste Maschine reist die einzelnen Faserbündel auf und legt die einzelnen Fasern in eine dicken Strang paralleler Fasern. Die Arbeiter tragen keinerlei Schutzkleidung, weder Handschuhe als Schutz vor den Zähnen der Maschine, noch Atemmasken gegen den massiven Staub. Die Produktionshalle ist selbstverständlich nicht klimatisiert, es herrscht eine brutale Hitze. Zusammen mit dem Lärm der ratternden Monster ein höllischer Arbeitsplatz. Aber immerhin ein Arbeitsplatz.

Die Besitzer der Haziendas wohnen in einem Herrschaftshaus auf der Anlage oder dann in einem schönen Stadthaus in Merida. Unser Führer meinte auf die Frage, wem die Hazienda gehöre nur ehrfürchtig: Es descendiente espanol, der Besitzer sei von spanischer Abstammung. Ein Prädikat, welches auch im heutigen Mexico immer noch einen besseren Status garantiert. Die unterste soziale Stufe wird von Maya-Abkömmlingen eingenommen, dann folgen Mestizen und als „Krönung“ die descendiente espanol.

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Eine Maschine, welche die Faserbündel der Vorläuferin übernimmt und diese dann noch weiter verfeinert.

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Der Methusalem der Fabrik ist eine Maschine aus dem Jahr 1899 aus England, einer Zeit, als die englische Maschinenindustrie noch einen guten Ruf hatte. Times gone by …

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Die feinen Faserstränge werden von dieser Maschine zu ordentlichen Stapeln aufgerollt, welche dann bis zur Weiterverarbeitung gelagert werden.

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Nun beginnt das Leben der Sisal-Faser als Schnur: Hier werden die Stapel aus den vorangehenden Prozessen zu Schnüren gedreht und auf Trommeln aufgewickelt.

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Die Schnüre auf den Trommeln werden mit dieser Maschine zu Knäueln aufgewickelt, auch dies eine schon etwas ältere Maschine, welche aber noch tadellos funktioniert. Eine eigene mechanische Werkstätte auf der Hazienda hällt die Apparate im Schuss. Diese werden mit einfachsten Mitteln repariert und defekte Teile auf Drehbänken hergestellt.

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Das fertige Produkt vor der Verpackung in Plastik: Knäuel von Sisal-Schnur zu je 2 kg, welche pro Stück zu 40 Pesos, etwas mehr als 3 CHF verkauft werden.

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Weite Teile der Produktionshallen sind nicht mehr in Betrieb, die Maschinen und andere Teile sind von dichten Staubschichten überzogen und machen immerhin noch interessante Fotomotive. Wie sieht es wohl in den Lungen der ungeschützten Arbeiter aus?

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Der Hauptsicherungskasten der Anlage sieht mehr nach einem Gebastel als nach einer seriösen Installation aus. Doch er scheint auch unter der Staubschicht seine Funktion zu erfüllen. Wenn der residente Elektriker mal die Firma verlässt, weiss vermutlich niemand mehr über die Verkabelung Bescheid.

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Die Statue der Virgen de Guadalupe, einer Heiligenfigur, verliess ihre Nische schon vor längerem und nahm im Handgepäck auch gerade einen grossen Teil der Kunden mit.

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Der grösste Teil der Anlage wurde vom Hurricane Isidoro 2002 zerstört. Der Wiederaufbau lohnt sich offensichtlich nicht, also verfallen die Gebäude langsam. 

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Auch der grosse Elektromotor ist ungeschützt den Elementen ausgesetzt, lange wird er vermutlich nicht mehr so aussehen. Die Übertragungsriemen welche die übrigen Maschinen antrieben, fehlen gar vollständig.

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In hinteren Teil dieser ehemaligen Halle ist in Teil des Daches noch intakt, dort wird noch Sisal in einem ersten Schritt entfasert. Allerdings nur noch ganz wenig, die meisten Rohfasern werden vermutlich von anderen Haziendas zugekauft.

Vor dem Nachtessen gaben wir noch unser Mietauto zurück; wir fuhren mit ihm zwei Tage und nicht ganz 500 km. Die Übergabe dauerte dann sehr lange, mit einer Taschenlampe wurde jeder Millimeter der Karosserie, der Windschutzscheibe sowie alle 4 Pneus minutiös untersucht. Auf meine Nachfrage meinte der Europcar Mitarbeiter, er müsse sämtliche kleinen Kratzer und sämtliche Schäden an Pneus und Scheiben der Versicherung melden. Uns würden keine zusätzlichen Kosten entstehen, da wir eine Versicherung ohne Selbstbehalt abgeschlossen hätten. Die kleinen Kratzer stammten sicher nicht von uns, sondern von vielen Vormietern, nur hatten diese keine Versicherungsdeckung. Also hängt man eben alles dem Mieter mit der Versicherung an. Ein klarer Fall von Versicherungsbetrug. Erstaunlich für eine Firma von der Grösse von Europcar.

Den Abschluss des Tages machte heute ein Nachtessen im La Rueda (das Rad), einem argentinischen Steakhaus in Merida.

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