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Von Can Tho nach Phu Quoc, meinem (einstigen?) Paradies
Mein erster Besuch auf dieser Insel im Süden Vietnams liegt schon etliche Jahre zurück. Damals logierte ich in der Mitte der Insel direkt am Strand. Nun fand ich ein Hotel am nördlichen Ende, wo es ruhiger ist.
Unser Flug von Can Tho auf die Insel dauerte nur etwas mehr als 35 Minuten, doch die Alternative mit Bus und Fähre hätte etwa 8 Stunden gebraucht. Da ist der Flug doch angenehmer und zudem nicht viel teurer.

Kurz nach dem Start vom kleinen Flughafen von Can Tho überflogen wir einen der grossen Arme des Mekong. Der Flussteil ist enorm, von hier aus sind es noch etwa 70 km bis zum Meer! Ich musste die Bilder aus dem Flieger fotografieren, die Scheibe war nicht sehr sauber. Trotzdem gibt es so einen Eindruck der Landschaft.

Das Mekongdelta ist ausserordentlich fruchtbar, angeblich sollen hier bis zu drei Reisernten pro Jahr möglich sein. Die Menschen wohnen an den vielen Kanälen und Nebenflüssen, welche die Landschaft durchziehen. Bei uns sind das Strassendörfer, hier wohl eher Kanaldörfer. Das rrockene Land wiederum wird landwirtschaftliche genutzt.

Hier sind die Felder geflutet, in Kürze wird die neue Reissaat ausgebracht.

Unser Hotel liegt an einer kleinen Bucht, an der keine grossen Hotelkästen stehen. Kürzlich hat der Besitzer gewechselt doch die alte Bezeichnung ist immer noch überall präsent. In der Anlage gibt es einen schönen Pool und der feine Sandstrand liegt gerade vor der Anlage. Das Wasser in beiden Badegelegenheiten ist um die 28° warm, ganz nach meinem Geschmack. Weit ab vom Touristenrummel im Süden ist es hier ruhig und angenehm. Allerdings ist auch nicht viel los, ausser Baden, Relaxen und Essen geht kaum Aktivitäten. Zeit zum Lesen und Weiterplanen.

Vor dem Hotelstrand führt ein Steg einige Dutzend Meter ins Meer hinaus, von dort aus gab es eine Panoramasicht über die Anlage, die weitgehend im Wald versteckt ist. Die hübschen Zimmer und Bungalows sind unaufdringlich versteckt.

Wir mieteten uns zwei Roller, um die Insel während zweier Tage zu erkunden. Einige Sachen wollten wir uns ansehen. Einer der Besuche galt einer Pfefferfarm, wo der von vielen Gourmets als bester ganz Asiens geschätzte Pfeffer angebaut wird. Die Pfeffersträucher werden an hohen Stangen hochgezogen, diese wiederum stehen in langen Reihen auf den Feldern.

Aktuell ist der Pfeffer noch im Wachstum, die Ernte wird erst in einigen Wochen beginnen. Die Körner werden an der Sonne getrocknet und anschliessend verpackt und gehen so in den lokalen Verkauf ind auch den Export.

Der alte Flughafen der Insel wird heute nicht mehr gebraucht, er ist nun Teil des Strassennetzes. Am Ende der Piste steht eine grosse Skulptur von Väterchen Ho. Etwas einsam schaut er von hier in die Landschaft. Ausser uns beiden hat sich niemand hierhin verirrt.
Noch weiter nördlich unseres Hotels wurde in den letzten Jahre eine riesige Überbauung realisiert. Luxushotels, Golfplätze und künstliche fake Städtchen sind Teil eines neuen TourismusprojektS. Die meisten der Geschäfte und Hotels sind leer, die Fenster zugeklebt. Ob diese Spekulation jemals aufgehen wird?

Auf der erfolglosen Suche nach einem Bankomaten sahen wir diese neue Installation. Insgesamt vier Reihen von Elektroladesäulen warteten auf ihre Kunden. Vinfast, der vietnamesische eAuto-Bauer, hat hier schon vorgesorgt. Schon sind viele Taxi und GRAB mit Vinfast Autos unterwegs. Die Dächer der Anlage bestehen selbstverständlich aus Solarzellen.
Am südlichen Ende der Insel, wo wir am zweiten Tag hinfuhren, entstand ebenfalls eine neue Touristenstadt. Auch hier dasselbe Bild: Die meisten Geschäftslokale stehen leer und hinter den Fenstern sind Bilder von Bäckereien, Buchläden, Souvenirshops und ähnlichem aufgeklebt. Die Illusion einer lebhaften Kleinstadt soll so aufleben.

Von hier aus führt die 7’899 m lange Hon Thom Cablecar auf die kleine Insel gleichen Names weiter südlich, deren Besuch heute auf unserem Programm stand. Als die Gondel losfuhr, fiel der Blick zurück auf die neue Kunststadt. Sogar ein Fake-Campanile aus Venedig wurde hingestellt. Römische Ruinen wechseln sich mit modernen Hochhäusern ab. Ich verschone meine Leser mit entsprechenden Bildern, eine Augenqual. Rechts unten im Bild ist eine der Wohngegenden der Einheimischen. Wellblech ist hier das dominierende Baumaterial.

Wir nähern uns dem Ziel, der kleinen Insel Hon Thom, wo ebenfalls wie wild gebaut wird. Hotelanlagen entstehen an jedem noch so kleinen Fleckchen Strand. Es soll hier auch einen Wasserpark und viele andere touristische Einrichtungen geben. Dazu viel Fastfood, Starbucks und solche Sachen.

Wir drehten eine kurze Runde bei der Ankunftsstelle der Bahn und machten uns bald wieder auf den Rückweg. Zumal diese den Betrieb zwischen 11:30 und 13:30 einstellt und wir nicht wussten, was wir solange hier machen sollten.

Auf der Rückfahrt zur Hauptinsel fotografierte ich eine im Meer verankerte Fischzucht zusammen mit einem Fischerboot. Auch hier sorgen Solarpanels für den Strom an Bord.

Wir nähern uns wieder der Hauptinsel und überqueren die ersten neu erbauten Häuser etwas südlich des Zentrums. Auch hier war das Meiste leer.
Die höchsten Pfeiler der Seilbahn sind 174 m hoch, das sorgt für eine schöne Aussicht auf die darunter liegenden Inseln, die Fischerboote und das Meer. Zeitweise hat man das Gefühl, zwischen Himmel und Meer zu schweben.Die Bahn wurde 2018 eröffnet, sie gilt als längste Seilbahn der Welt. Ich habe diese Aussage nicht verifiziert.
Ich frage mich, ob diese Spekulation mit dem Tourismus auf der Insel längerfristig aufgeht. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, in so einer neuen Anlage Urlaub zu machen. Vom lokalen Flair ist hier nichts mehr zu sehen. Internationale Essensketten und Hotelankagen brauche ich in Vietnam nicht.
Es gibt aber immer noch kleinere Hotelanlagen wie jene, in welcher Paul und ich untergekommen sind. Ein Hauch des ehemaligen Paradieses weht dort noch immer. Wie lange noch? Für einige unbeschwerte und ruhige Tage am Strand sowie feinem vietnamesichem Essen empfehle ich die Insel aber durchaus weiterhin.
