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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Zwei interessante Ausflüge in der Gegend von San Pedro de Atacama
Ich schlug Ruth heute eher halbherzig zwei mögliche Ausflüge in die Berge zu farbigen Seen vor, die aber beide je etwa 200 km Fahrt bedingt hätten. Ich besuchte beide Gebiete bei meinem letzten Besuch hier und war nicht sehr traurig, als wir uns entschieden, stattdessen zwei Sehenswürdigkeiten in der Gegend zu besuchen. Für meine Leser, welche die „verpassten“ Gelegenheiten interessieren, verlinke ich die Berichte meines letzten Besuchs.
Salar de Tara und Farbige Seen im Hochland
Unser erster Besuch galt einer archäologischen Stätte, Aldea de Tulor, wo etwa 10 km von San Pedro entfernt eine Siedlung entdeckt wurde. Hier sollen sich etwa 800 v. Chr. Nomaden sesshaft gemacht haben und von Jägern und Sammlern zu Bauern geworden sein. Die Siedlung wurde 1956 wieder entdeckt und seither erforscht. Offenbar verlief hier später auch eine wichtige Handelsroute zwischen den Orten am Pazifik und den Völkern auf der anderen Seite der Anden, dem heutigen Argentinien.

Beim Informationszentrum gab es einen Unterstand, wo die unterschiedlichen Transportmittel der Besucher abgestellt werden können: Links gibt es für die Fahrräder einen einfachen Ständer und rechts können die Pferde angebunden werden. Beide können im Schatten stehen, die Autos müssen an der prallen Sonne bleiben. Aber in letzteren gibt es ja auch Klimaanlagen.

Von der einstigen Siedlung sind nur noch Reste der Grundmauern sichtbar. Die aus Adobe erstellten Mauer haben in einem recht guten Zustand überlebt, da die Siedlung lange Zeit unter einer Düne und viel Sand begraben war und hier sehr wenig Regen fällt. Aus der Anordnung der Grundmauern haben die Archäologen auf das mögliche Aussehen der Häuser geschlossen.

Zwei der Häuser wurden als Beispiele neu erstellt. Wie weit die wohl mit der ursprünglichen Bauweise übereinstimmen? Schwer zu sagen, denn die Siedlung wurde bereits 500 n. Chr. verlassen.

Die Dachkonstruktion soll so ausgesehen haben. In der Mitte des Raumes ein Stützbalken und mit Holzsparren das Dach geformt. Das Dach soll dann mit feinen Ästen gebildet und dann von aussen mit Lehm abgedeckt worden sein. Tönt aus heutiger Sicht vernünftig.

Im anderen Haus wird das Dach von mehreren Balken gestützt, der Raum ist etwa doppelt so gross. Eine offene Feuerstelle mitten im Raum wird ohne ein offenes Kamin sehr stark geraucht haben. Wohl eher unpraktisch und auch nicht besonders gesund. Die halbrunde Bank an der Wand ist so ausgerichtet, dass nur noch der 60“ Bildschirm fehlt, damit eine gemütliche Wohnatmosphäre geschaffen wird.

Der Blick aus dem Haus durch die offene Türe zeigt den grossen Licanabur, den „Hausvulkan“ von San Pedro. Ich las auf einem Plakat, dass die Archäologen die runde Form der Häuser auf die Ansicht des Berges zurück führen, er hat schliesslich genau diese Form. Eine auf den ersten Blick einleuchtende Erklärung, die mir aber etwas weit hergeholt erscheint. Diese Bauformen findet man bei vielen einfachen Häusern zB. in Afrika, wo kein Licanabur als Vorbild dient.

Im Museum sind einige interessante Stücke aus dem täglichen Leben der damaligen Bewohner ausgestellt. Neben einigen Scherben von Töpfen gab es auch diese tönernen und hölzernen Pfeifen, welche zum Rauchen von halluzinogenen Substanzen gedient haben sollen. Diese Gegenstände sind Nachbildungen, die originalen Stücke haben die Zeiten wohl nicht überdauert.

Der nächste Besuch galt dem Valle de la Luna oder Mondtal. Eine bizarre Landschaft mit Salzgebirgen und sehr viel Sand. Ziemlich nahe am Anfang gab es eine grosse Düne aus ganz feinem, braunem Sand. Es handelt sich jedoch nicht um eine eigentliche Düne, es ist eine eindrückliche Sandablagerund im Lee eines Berges.

Das Besteigen der Düne ist verboten und die meisten Touristen halten sich auch daran. Es gibt einen Weg, über den man von hinten auf den Berg steigen kann. Wir gingen ein Stück im tiefen Sand, drehten aber bald um, da der Sand in die Schuhe eindrang und so die Füsse malträtierte. Die Oberflächentemperatur war sehr hoch!

Neben den Sanddünen gab es noch viele andere eindrückliche Gesteinsformationen.

Das Grundmaterial der Hügel ist Salz, darüber liegt vom gelegentlichen Regenwasser fest gebackener Sand. Der sehr seltene Regen sowie der stetige Wind schafften diese eindrücklichen Formationen.

Am Ende der befahrbaren Strecke stehen diese drei Säulen. Einerseits heissen diese Drei Wächter, im stockkatholischen Chile werden sie aber auch Tre Marias genannt.

Ich machte eine Nahaufnahme eines der Salzhügel: Teilweise bildet das Salz schöne Kristalle aus, dazwischen immer wieder fest gebackener Sand.

Ein Hügel neben der Piste zeigt ein ebenso interessantes Aussehen: Ein riesiger Salzhaufen, der durch die Kräfte der Erosion teilweise gelöchert ist und über dem ein Guss aus Sand liegt, der den Hügel wie ein riesiges, interessantes Dessert aussehen lässt.

Bei der Ausfahrt aus dem Valle gab es nochmals eine schöne Sicht auf die Andenkette mit dem Licanabur. Heute gab es einige Wolken über den Bergen. Wenn wir zu den Seen im Hochland gefahren wären, wäre die Sicht wohl nicht allzu gut gewesen. Für uns war das Wetter sehr gut.

Zurück bei unserem Hotel fiel mit an einer Wand bei den Parkplätzen die Elektro-Ladestation auf. Zwar sah ich noch kein einziges Elektro-Auto, die Infrastruktur scheint aber auch hier schon zu existieren.
