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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Über die Berge nach Calama
Von San Pedro de Atacama führen verschiedene Wege nach Calama, unserem nächsten Reiseziel. Einerseits eine schnelle, aber langweilige Strasse, die 97 km lang ist. Dann aber auch eine Strecke über die Berge, zwar länger, aber viel interessanter. Diese wählten wir heute.

Der erste Teil der Strecke führte uns in Richtung der Geysire von El Tatio. Auf etwa 3’800 m.ü.M. zweigt eine Piste nach links ab, welche dann über die Berge nach Calama führt. Auf dem Weg lag eine Schlucht, welche ein Fluss in die Hochebene gefressen hat. An ihrem Grund gab es ein kleines Rinnsal, welches sich durch den schmalen grünen Streifen bemerkbar machte.

Als Fan von allem Stachligen interessierten mich natürlich die Kakteen. Ein Exemplar zeigte zwischen den brutalen, langen Stacheln ganz feine, gelbe Blüten. In diesen stachligen Gesellen möchte ich nicht treten, die einzelnen Stacheln sind je knapp 5 cm lang!

Nach einer der nächsten Kurven rannte ein Tier über die Strasse, es hatte einen langen Schwanz. Zuerst dachte ich, es sei ein Hase, doch im Internet fand ich einen Hinweis auf Chinchillas, die in dieser Gegend leben. Das Bild stimmt ziemlich genau. Ich sah auf jeden Fall noch nie ein solches Tier. Es versteckte sich sofort hinter einem Stein und kam nicht hervor. So blieb es bei diesem Bild und der Spekulation über die genaue Art.

Genauer lassen sich diese Tiere bestimmen. Sie finden sich im Hochland recht häufig. Die Lamas werden hier gehalten, einerseits wegen der Wolle, andererseits aber auch wegen des Fleisches.

Dieses Lama gäbe genügend Wolle für einige Pullover. In der Höhe kommt dem Tier die dicke Wolle wohl sehr gelegen, insbesondere während der Nacht, wenn die Temperatur empfindlich fallen kann.

Diese schöne Kolonie von Llareta (Azorella compacta) ist sehr gut im Schuss. Das frische Grün zeugt von einer gesunden Pflanze. Sie gedeiht am besten zwischen 3’200 und 5’200 m.ü.M. Man schätzt, dass einzelne Pflanzen bis zu 3’000 Jahre alt werden!

Auch diese Tiere, die Vicuñas, leben in grossen Höhen. Hier fotografierte Ruth sie auf 4’236 m.ü.M. Im Hintergrund einer der Vulkane, welche die 6’000-er Grenze knapp streifen.

Im Hochland faszinieren mich die Vulkane sowie die überaus kargen Landschaften. Alle grösseren Berge sind weit über 5’000 m hoch. Teilweise liegt hier sogar noch Schnee.

Ein weiters Vicuña, diesmal inmitten des Grases, welches hier Coirón genannt wird. Das Tier passt sich mit seiner Farbe den Halmen sehr gut an. Auch dieses Fell muss in der Nacht warm geben. Es wird aber auch zur Herstellung von sehr teuren Schals und anderen Kleidungsstücken verwendet.

Als wir die höchste Stelle überfahren hatten, öffnete sich die Landschaft in Richtung des Tales, in welchem Calama liegt. Die Strasse änderte sich noch vor der höchsten Stelle von einer eher rauen Piste in eine wunderbare Teerstrasse. In meinem Reiseführer ist die Piste noch als schlecht beschrieben, weshalb wir genügend Zeit für die Fahrt einplanten. In der Zwischenzeit hat sich dies aber geändert und die Fahrt ist viel schneller.

Einmal mehr begegneten wir auf knapp 4’000 m vielen Lupinen, hier Anden-Lupine genannt. Ihre schönen blauen Blüten geben der Landschaft ein ganz besonderes Aussehen. Die Samen werden übrigens gegessen, auch wenn die Zubereitung offenbar sehr aufwändig ist. Diese müssen lange gewässert werden und das erste Waschwasser kann anschliessend als Insektizid oder gar als Fischgift verwendet werden. En Guete!

Als wir langsam aus der grossen Höhe von über 4’000 m in die Tiefe kamen - hier in Calama sind wir immer noch auf 2’500 m.ü.M., es ist eben alles relativ - nahm die Vegetation auf den Berghängen zu. Das hübsche Flüsslein im Vordergrund übt sich derweil noch etwas im Mäandrieren.

Die kleine Ortschaft Chiu-Chiu liegt nicht weit von Calama entfernt und hat nicht sehr viel Interessantes zu bieten, mit Ausnahme der Dorfkirche San Francisco de Chiu-Chiu. Diese stammt aus dem Jahr 1600 und gilt als die älteste Kirche Chiles. Zwei kleine Glockentürme werden von je einem Kreuz überragt. Die Haupttüre der Kirche ist wie auch das Dach aus Kaktusholz gemacht. Leider war sie am heutigen Sonntag geschlossen, so dass ein Bild von Aussen genügen muss.

Calama selber ist eine gesichtslose, recht neue Stadt, die touristisch nichts zu bieten hat. Sie verfügt über einen Flughafen, welcher von Reisenden von und nach San Pedro de Atacama genutzt wird. Daneben gibt es viele Hotels, welche aber vor allem vom Personal der gigantischen Kupfermine nahe der Stadt genutzt werden.
Eigentlich wollten wir morgen die Mine besuchen, doch auf meine Anfrage bekam ich eine nette Antwort, in welcher es hiess, dass die Besuche bis auf Weiters eingestellt seinen. Die aktuellen Unruhen in Chile liessen einen gefahrlosen Besuch leider nicht zu. Schade, gerne hätte ich das gigantische Loch mit eigenen Augen gesehen. Das Loch soll heute 5x3 km gross sein und mehr als 1’000 m in die Tiefe reichen. Die Mine soll insgesamt pro Jahr mehr als 800’000 t Kupfer produzieren! Alle Kupfer-Minen in der Gegend erzeugen etwa 1/3 der Exporte Chiles und tragen damit massgeblich zum Wohlstand des Landes bei.
