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- Kategorie: Winter 19 / 20: Chile - Teil II
Wieder mal ein Riesen-Frust - wie zu alten Zeiten
Ein Paar meiner Schuhe gibt jetzt dann bald den Geist auf und ich wollte mich heute neu ein-Schuhen. Dazu fuhren wir am Morgen in das beste Einkaufszentrum Santiagos, in der Hoffnung, dort fündig zu werden. Nachdem ich nahezu alle Geschäfte abgeklappert hatte und einige mir gefallende Schuhe fand, gab ich trotzdem frustriert auf. Jedes Paar, welches mir gefiel, war in allen Grössen verfügbar, ausser in meiner. Schon zu meinen Jugendzeiten war dies ein häufiges Erlebnis. Schuhe in der Grösse 44 waren zu dutzenden zu haben, im 45 gab es immerhin noch einige Paare, in 46 hingegen gab es maximal ein oder zwei Modelle. In Santiago fand ich kein einziges Paar in meiner Grösse!
Bevor wir ins Hotel zurückkehrten, gaben wir unser Auto dem Vermieter zurück. 8’678 unfallfreie Kilometer und unzählige Höhenmeter lagen hinter uns. Einige Nerven kostete vor allem die Fahrt in Santiago, hier herrscht teilweise Anarchie auf den Strassen, nicht nur in Zeiten der Unruhen, wie sie die Stadt aktuell gerade durchlebt.

Von der Vermietstation waren es nur einige hundert Meter bis zu unserem Hotel, an einer Stelle mussten wir einen Fluss überqueren, die Fussgängerbrücke ist auf beiden Seiten dicht mit Schlössern behängt, ein Brauch, der offenbar auch hier um sich greift.

Mit der U-Bahn fuhren wir anschliessend ins Stadtzentrum, um dieses noch etwas genauer anzusehen. Die Unruhen sind während des Tages kein Problem, die Innenstadt ist völlig ruhig. Ein Lehrer bessert sein Gehalt auf, indem er den Passanten mathematische Tricks und Rechenmethoden erklärt und dabei von einzelnen Zuschauern einen kleinen Zustupf erhält.

Das Hauptgebäude der Universidad de Chile ist aktuell geschlossen und dicht mit Plakaten und Spruchbändern verunstaltet.

Rund um die Börse von Santiago blieb es in den vergangenen Tagen und Wochen offenbar ruhig, das Gebäude ist überhaupt nicht verunziert. Oder liegt es gar an den massiven Schutzvorkehrungen sowie der Polizeipräsenz in der Innenstadt?

Auch im Stadtzentrum gibt es schon allerlei Weihnachtskitsch zu kaufen. Samichlaus-Kostüme und auch kleine Chlaus-Figuren laufen offenbar sehr gut.

Die Plaza de Armas, der Hauptplatz von Santiago war der Ort, an welchem die Spanier einst die Stadt gründeten. Heute ist sie unter anderem der Null-Punkt aller wichtigen Strassen Chiles. Von hier aus werden die Kilometer gemessen. Der grosse Schatten auf dem Platz ist das Bild der Kathedrale, welche in meinem Rücken steht. Die Fassade war im Schatten und deshalb nicht so fotogen.

Im grossen Brunnen auf der Plaza geniesst die Jungmannschaft eine ausgiebige Abkühlung von der Sommerhitze.

Nach dem Nachtessen machten wir uns zu Fuss auf den Rückweg zu unserem Hotel, der Spaziergang durch den Park sollte etwas mehr als einen Kilometer lang sein. Doch es wurde dann etwas länger. An der Hauptstrasse entlang des Flusses wurden schon vor Wochen sämtliche Lichtsignalanlagen zerstört, Sämtliche Schaltkästen sind entweder ausgebrannt oder dann sonstwie mutwillig ausser Betrieb gesetzt.

Auf einer viel befahrenen Kreuzung kurz vor der Plaza Italia sind die Lichtsignalanlagen völlig demoliert. Die Polizei ist hier nicht präsent, einige Freiwillige übernehmen die Verkehrsleitung. Mehr schlecht als recht, aber immerhin. Die Autofahrer halten sich an ihre Zeichen und so läuft der Verkehr doch einigermassen.

Auf unserem Weg lag die Plaza Italia, der aktuelle Hot-Spot der Unruhen. Auch heute wieder versammelten sich hier Hunderte, um ihre Parolen zu skandieren und mit allerlei Instrumenten zu lärmen. Den durchschlagenden Erfolg haben sie immer noch nicht erzielt.

Wir legten einen Umweg um die Plaza ein, doch auch hier gab es Unruhen. Die Polizei verschoss Tränengas, welches aber glücklicherweise nicht bis zu unserem Standort kam. Lediglich einige Spuren waren in der Luft, genug, dass die Augen tränten, doch nicht wirklich bedrohlich.

Die Polizei war mit allerlei seltsamen Gefährten unterwegs, dieses hier zeigte schon deutliche Spuren von Farbangriffen und Steinen.
Trotz des Umweges erreichten wir unser Hotel ohne grössere Probleme, die Unruhen gingen indes weiter. Immer wieder waren Polizeisirenen zu hören und ab und zu kreiste ein Helikopter über den Strassen.
