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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Von Valparaiso entlang der Küste nach Norden
Direkt angrenzend an Valparaiso liegt Viña del Mal, die wichtigste Badedestination der Chilenen. Eine völlig andere Architektur als in Valparaiso mit grossen Hotels und breiten Strassen sowie auch einem Badestrand direkt vor der Stadt. Die Gegend weckt in mir Erinnerungen an Gran Canaria, doch davon später mehr.

Da mein Hotel schon auf einem der vielen Hügel lag, fuhr ich zuerst noch etwas weiter in die Höhe und wurde mit einigen schönen Ansichten belohnt. Es ist schwierig, aus dieser Ansammlung an Häusern einen „typischen“ Stil heraus zu lesen, aber vielleicht ist ja gerade das Fehlen einer einheitlichen Bauart das Besondere?

Weitere farbige Klötzchen, die meisten mit Wellblech-Dächern liegen an diesem Hügel. Die meisten Einwohner Valparaisos (hier Valpos genannt) haben von ihren Häusern aus eine schöne Meersicht.

Etwa 60 km nördlich von Valparaiso traf ich bei Quintero auf eine schöne Küste mit etwas Felsen aber auch einem kleinen Standstrand. Dies war mein Wendepunkt, da ich schon bis hierhin viel Zeit brauchte. Eine interessante Küstenstrasse mit vielen Aussichtspunkten und damit verbundene häufige Stopps liessen mich nicht schnell vorankommen. Was auch gut war.

Viele Wiesen waren ein wahres Blumenmeer: Gelbe, violette und auch die eine oder anderes rote Blumen standen dicht an dicht auf den Feldern. Ab und zu weideten auch Kühe oder Pferde in der Blumenpracht, welche dann natürlich nicht mehr ganz so dicht war.

Von meinem Wendepunkt aus zurück in Richtung Valpo wurde die Bebauung laufend dichter und die Häuser wuchsen in die Höhe. Dieser Strand ist nicht zum Baden geeignet, als Fotomotiv taugt er hingegen sehr wohl. Heute herrschte ein starker Wind aus Richtung Westen, welcher das Meer am Meer richtig aufpeitschte und für die richtige weisse Brandung sorgte.

Eine andere Stelle, welche mit an die Kanaren erinnerte. Meist leerstehende Hochhäuser mit Zweitwohnungen von Chilenen aus Santiago säumen die Küste. Das Meer versucht leider vergeblich, diese Verschandelung wieder zurück zu bauen.

Noch weiter gegen das Zentrum von Viña del Mar dann endlich ein breiter, feiner Sandstrand. Dass er nahezu menschenleer ist, hat unterschiedliche Ursachen: Noch ist nicht Hochsaison, diese beginnt erst gegen Weihnachten, wenn die Chilenen in Massen hierhin strömen. Andererseits ist das Meer hier sehr kalt, der aus Süden kommende Magellanstrom führt immer kaltes Wasser aus der Antarktis nach Norden und macht Baden nur für harte Jungs und Mädels möglich. Vielleicht härtet auch der viele Alkohol, der von vielen jungen Besuchern in der Hochsaison hier konsumiert wird ab. Ich las in vielen Berichten, dass hier jeweils wilde Parties steigen, an denen der Sprit fliesst. Dann doch lieber die Nebensaison mit leeren Stränden.

Auf einem Felsen im Meer entdeckte ich diese Gesellen in ihrer typischen Haltung: Zwei Seelöwen, welche sich gegenseitig mit ihrer typischen Haltung beeindrucken wollen. Das machen sie natürlich nicht direkt unten am Meer, sondern auf gut 5 m Höhe. Schon nur hier hinauf zu kriechen, ist eine Meisterleistung. Kaum vorstellbar, dies ohne Arme und mit zusammengewachsenen Füssen zu schaffen. Die Felsen sind von den Generationen der Tiere, welche hier schon hochkrochen, rund geschliffen.

Die nicht in Imponiergehabe involvierten Tiere legen sich auf die wärmenden Felsen knapp über dem Wasser. Die heutigen Wellen sorgten mit ihrem aufspritzenden Wasser für die eine oder andere willkommene Dusche. Das Wasser ist zwar eher kalt, die Sonne brennt hingegen erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel.

Etwas südlich von Valparaiso traf ich auf einen Aussichtspunkt, von welchem aus sich die Bucht und der Hafen von Valpo gut überblicken liess. Eine knapp 2 m hohe Schiffsschraube sorgte für einen guten Vordergrund.

In Valparaiso verkehren auf einer Linie in der Ebene unterhalb der Hügel die angeblich ältesten Trolleybusse der Welt, die Fahrzeuge stammen aus dem Jahr 1947 und wurden als nationales Denkmal deklariert. Im Gegensatz zu ihren benzin- oder dieselgetriebenen Kollegen sind diese nahezu lautlos unterwegs, auch rasen sie nicht ganz so wie jene. Auch produzieren sie keine Abgase, während hinter den Dieselfahrzeugen oft eine schwarze Wolke herzieht.
