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- Kategorie: Winterreise 14 / 15 - 1. Etappe Südamerika
Mein bisher höchster Punkt - 4’348 m.ü.M.

Auf dem Weg von San Pedro de Atacama zum Tatio Geysir-Feld überfuhren wir heute die mit 4’348 m.ü.M. bisher höchste Stelle auf allen meinen Reisen. Bisher gehörte diese Ehre dem Mauna Kea auf Hawaii, wo Brigitte und ich vor einigen Jahren die Observatorien besuchten. Aber die „nur“ 4’200 m können da natürlich nicht mithalten. Nach zwei Tagen Aufenthalt in San Pedro auf 2’450 m war ich soweit akklimatisiert, dass mir die Höhe nichts mehr ausmachte. Auf Hawaii war es damals noch anders: Am Morgen von Kona am Meer losgefahren und knapp 3 Stunden später schon auf dem Gipfel.

Ich nahm an einer Tour teil, welche auf eine Hochebene in den Anden führte und dort den Sonnenaufgang als einen Höhepunkt auf dem Programm hatte. Bereits um 05:30 ging es heute los, noch in absoluter Dunkelheit fuhren wir im Hotel los und in etwas mehr als einer Stunde erreichten wir unseren Bestimmungsort. Um etwa 06:45 zeigte sich die Sonne an den ersten Ostflanken der Berge. Die Geysire liessen ihre Dampffahnen in der fast absoluten Windstille gerade aufsteigen. Die Temperatur lag allerdings bevor die Sonne aufstieg bei sehr kalten -10 Grad.

Im Vordergrund liegt Eis, während wenige m dahinter die Dampffahnen aufsteigen. Das heisse Wasser, welches durch die Abflüsse der Quellen abfliesst, erzeugt richtige Dampfvorhänge. Eine mystische Stimmung. Im Gegensatz zu anderen vulkanischen Gebieten stinkt es hier kaum nach Schwefel, sogar beim durchschreiten des Dampfes riecht man nichts.

Überall sprudelt und dampft es, während die Sonne den Berg im Hintergrund schon bestrahlt. Sehnlichst erwartete ich die Ankunft der ersten Strahlen auf meiner Haut, denn trotz Pullover, Faserpelz und Jacke drang die Kälte schon bald bis auf die Knochen. Besonders die Hände begannen schnell zu schmerzen, da ich sie an der kalten Luft lassen musste, um die Kamera zu bedienen.

Bei einigen heissen Quellen leben Cyanobakterien, welche die Hitze des Quellwassers problemlos aushalten. 85 Grad heiss ist das Wasser, wenn es aus dem Untergrund austritt, alle anderen Lebewesen würden darin gekocht, den Bakterien scheint dies nichts auszumachen. An diesem Wasserloch sind sie tiefrot gefärbt.

Als die Sonne schon höher am Himmel stand, hoben sich die Dampffahnen vom tiefblauen Himmel ab. Da immer noch praktisch kein Wind herrschte, stieg der Dampf ungestört auf.

Ein Geysir versprühte neben viel Dampf auch heisses Wasser, welches im Gegenlicht schöne Spuren hinterliess. Ich stand auf der anderen Seite der Fontäne, wo kein heisses Wasser hinkam. Lediglich der heisse Dampf beschlug immer wieder die Brillengläser. In der trockenen Luft verdunstete das Wasser jedoch sofort wieder.

Bei dieser Quelle bildete sich eine kleine Sinterterrasse. Die mit dem Wasser aus der Tiefe austretenden Mineralien scheiden sich in solch kleinen Terrassen ab. Im Vordergrund wird eine andere Quelle von Bakterien bewachsen. Das sieht zwar recht unappetitlich aus, ist aber vollkommen natürlich.

Einige Gaviota andina (Anden Möwen) leben in dieser Höhe. Sie geniessen vor allem das Futter, welches vom Frühstück der Touristen täglich abfällt. Ein hartes Leben in dieser Kälte, aber das Essen kommt auch in der Natur nicht ohne seinen Preis.
Nach dem Frühstück unter freiem Himmel bei schon wieder einigermassen angenehmen Temperaturen konnte ich noch den mit 4’280 m höchstgelegenen Swimmingpool geniessen. Ich war noch nie auf dieser Höhe in einem Pool und dies erst noch mit sehr heissem Wasser.

Schon wieder auf dem Rückweg bemerkte ich einen Vulkan, der mit seinen 5’890 m Höhe noch aktiv ist. Seinen Namen nannte mir unser Führer mit einem Schmunzeln auf den Lippen: Putana, zu deutsch Nutte. Dieser Name weist offensichtlich auf einen grösseren Ausbruch im vorletzten Jahrhundert hin. Von unserem Standpunkt auf etwa 3’800 m.ü.M. wirken die knapp 6’000 Höhenmeter gar nicht mehr so überwältigend. Erst wenn ich mir vorstelle, das die Alpen in der Schweiz mit der Dufourspitze „nur gerade“ 4’634 m erreichen, wird mir die Höhe bewusst. In Chile wachsen auf über 4’000 m noch Pflanzen, in Europa liegt in dieser Höhe nur noch ewiger Schnee und Eis. Jedenfalls solange, bis die das wärmere Klima auch diese Höhe erreicht hat.

Die kleine Ortschaft Machuga an der Strecke bei etwa 3’800 m.ü.M. wird noch von knapp 50 Einwohnern dauernd bewohnt. Sie züchten vor alle Lamas und betreiben etwas Gemüsebau für den Eigenbedarf. Vor einigen Jahren hat die chilenische Regierung hier Solarzellen installiert, damit die Leute über Strom verfügen und so nicht nach San Pedro abwandern. Die kleine Kirche steht inmitten einer Adobemauer. Das Gebäude selber besteht ebenfalls aus Adobe, lediglich die Fassade ist weiss bemalt.

Ein Teil der Lamas wird hier an die Touristen verfüttert. Kleine Häppchen werden zusammen mit Zwiebeln auf Spiesschen gegrillt. Diese finden bei den Besuchern regen Anklang und sorgen so für etwas Wohlstand im Dorf. Für mich war es viel zu früh für Fleisch, obwohl die Spiesschen durchaus verlockend aussahen und einen angenehmen Duft verbreiteten. Mitreisende meinten, das Fleisch schmecke so wie Ziege.

Diese Lamas geniessen noch das frische Gras auf den Feldern, bevor auch sie eines Tages in den Bäuchen hungriger Reisender landen.

Kurz unterhalb des kleinen Dorfes lebt eine Gruppe von Flamingos, welche hier sehr nahe bei der Strasse stehen und sich vom Fotografen überhaupt nicht stören lassen. Die kleinen Krebse geben einzeln so wenig Nahrung her, dass sie die meiste Zeit des Tages mit Fressen verbringen. Die Energie brauchen sie während der Nacht, um der Kälte widerstehen zu können.
