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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Morgendlicher Stadtbummel in Yangon - Business!
Die Gruppe des Schiffes ging heute morgen auf einen Ausflug zum Nationalmuseum und zum Scott-Market in Yangon. Thomas und ich entschieden uns, dies nicht mitzumachen und stattdessen ins Stadtzentrum zu fahren, um für Thomas noch einen Hut zu kaufen sowie einige Fotos zu machen. Seine beiden Hüte aus der Schweiz hatten lediglich eine kurze Gebrauchszeit: Den einen versenkte er schon auf unserer Flussfahrt im Mekong, den anderen benützt nun wohl ein Taxifahrer in Yangon.
Unser Entscheid lohnte sich! Nicht nur mussten wir nicht im Gänsemarsch durch ein Museum marschieren, sondern konnten nach unserem Gusto den Weg wählen. Wir eignen uns beide nicht für Massentierhaltung. Dann machten wir auch einige interessante Begegnungen und beobachteten die Burmesen bei ihrem Business in allen Schattierungen.

Nahe bei unserer Anlegestelle liegt ein Tempel und direkt davor machte ein Vogelhändler sein Geschäft. Er fing kleine Vögel ein und hielt diese in engen Käfigen gefangen. Tempelbesucher kaufen ihm einige der kleinen Tierchen ab und liessen sie zusammen mit einem Gebet fliegen. Ein gutes Geschäft, die Vögel lassen sich wieder einfangen und der Kreislauf wirft so einen schönen Profit ab.

Der Mönch kaufte Bananen und liess sich damit von einer Trishaw zurück zum Tempel transportieren. Beide Teilnehmer profitieren von diesem Geschäft: Einer muss nicht schleppen, der andere verdient etwas mit seinen Beinen. Auf den Trishaws wird alles Mögliche transportiert: 2 Erwachsene und Kinder zusammen mit ihren Einkäufen, einige Reissäcke aber auch andere Güter haben wir schon beobachtet.

Händlerinnen warten mit Früchteschalen auf Käufer welche diese in den Tempel tragen, um sie dort Buddha zu opfern. Gegessen werden diese dann vermutlich von den Mönchen. Alle drei Frauen tragen das für hiesige Verhältnisse übliche Gesichts-Make-up.

Schirme sind in Burma insbesondere zur Regenzeit ein viel gebrauchter Ausrüstungsgegenstand. Diese werden von geschickten Handwerkern repariert, sollten sie einmal wegen einer starken Windböe defekt werden.

Auch gebrochene Handgriffe werden ersetzt, vermutlich auch dies ein gutes Geschäft. Alte Schirme werden nicht einfach weggeworfen, Griffe und auch Rippen werden herausgetrennt und beginnen in einem anderen Schirm ein neues Leben. Wie lange dieses Recycling wohl noch anhalten wird, wenn die Konsumgesellschaft erst mal in Burma Einzug hält?

Wie ich schon mehrfach erwähnte, kauen viele Burmesen Betel-Nüsse, diese werden hier gerade entsprechend zubereitet. In ein Blatt wird zuerst etwas Kalk gestrichen, dann kommen einige Gewürze dazu und schliesslich wird ein Stück der Betel-Nuss ins Blatt eingewickelt. Solche Stände sind offensichtlich ein gutes Geschäft, denn in der Innenstadt gibt es alle paar Meter einen solchen.
Hier ein Auszug aus: Schacht, Martin. „Gebrauchsanweisung für Burma.“ worin die Betelnuss beschrieben wird:
„Was die wahre Leidenschaft der Burmesen ist, weiss man eigentlich schon, wenn man ein Museum besucht. Neben Liegen und Diwanen sieht man hier jede Menge aufwendig verzierte Lackschachteln, deren Zweck sich dem westlichen Besucher nicht auf Anhieb erschliesst. Es sind Betelboxen. Der Genuss der Betelnuss ist in Burma traditionell beliebter als der Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Cheroot. Überall, auf dem Land und in der Stadt, werden an Betelständen auf dem Markt oder an Strassenecken Betelprieme angeboten.
Ein paar Stücke der zerhackten Betelnuss, eigentlich der Kern einer Palmfrucht, werden in das Blatt des Betelpfeffers eingewickelt und mit flüssigem, gelöschtem Kalk bestrichen. Um den unangenehm bitteren Geschmack zu überdecken, werden Gewürze hinzugefügt, je nach Wunsch des Käufers Kautabak, Kardamom, Ingwer, Muskatnuss, Minze oder Lakritze, um nur einige zu nennen.
Die Wirkung vergleichen Betelkauer mit der von starkem Kaffee oder einem Schnaps. Die physische und geistige Leistungsfähigkeit werde gefördert und Ermüdung verhindert. Auch eine aphrodisierende Wirkung wird der Betelnuss nachgesagt. Der Betelpriem wird zu allen möglichen Gelegenheiten gekaut, ob nach einer Mahlzeit, bei religiösen Festen, während des Autofahrens oder bei Versammlungen, und wird oft stundenlang im Mund gelassen. Betelkauer sehen manchmal aus, als hätten sie eine dicke Backe oder würden wiederkäuen. Außerdem riechen sie scharf und chemisch aus dem Mund.
Der auffälligste Effekt ist jedoch blutroter Speichel. Wenn ein Betelkauer aufgrund des erhöhten Speichelflusses in Abständen ausspuckt und wegen der roten Färbung seines Mundraums und der Zähne wähnt man sich in einem Zombiefilm. Der unschöne Anblick ist auch der Grund, warum in der heutigen Zeit viele Burmesen, vor allem Frauen und Besserverdienende, auf Betel verzichten. Dass die Droge den Zähnen schadet, sieht man an den rot gefärbten Zahnstummeln, mit denen Betelkauer einen freundlich und leicht bedröhnt anlächeln. Mit den Jahren des Genusses werden Zähne und Zahnfleisch angegriffen, auch Mundhöhlenkrebs ist dank Betel in Burma eine häufige Todesursache.“

Nicht nur Betel-Nüsse sind allgegenwärtig, auch Imbissstände aller Arten finden sich an jeder Ecke und auch noch dazwischen. Diese Frau frittiert Bananenscheiben im heissen Öl.

Auch Elektriker machen ein gutes Geschäft: Sie richten bei der Erst-Installation der Leitungen ein so gigantisches Chaos an, dass sie anschliessend immer wieder gerufen werden müssen, wenn eine kleine Änderung ansteht. Ein sehr effizientes Geschäftsmodell!

Innovation ist auch in Burma The Name of the Game! Sauberes Wasser wird aus einer grossen Flasche über einen Block Eis und durch ein Filtertuch gegossen und dann in einem Becher aufgefangen. Das so gekühlte und gefilterte Trinkwasser verkauft der Erfinder seinen Kunden für gutes Geld. Ich würde dem Tuchfilter allerdings nicht trauen, ausser Pferdeäpfeln wird er kaum etwas zurückhalten. Und vermutlich viele Bakterien dem Wasser zufügen!

Das Apple-Logo ist immer für ein Geschäft gut. Auch wenn der Apfel nicht angebissen ist, braucht ihn dieser Händler, um seine Massagegeräte an den Kunden zu bringen. Apple wird sich kaum um den Missbrauch des Logos kümmern, da dies (noch?) kein Geschäft für die Kalifornier ist.

Nicht nur Betel-Nüsse verkaufen sich gut. Auch dieser Händler stellt die Packungen her. Da er mit seinem Geschäft wohl nicht genügend Umsatz macht, handelt er zudem mit Zigaretten bekannter Marken sowie den lokalen „Stumpen“. Das Feuerzeug hat er rechts angebunden, damit ihm die Kunden nicht die Rendite verderben.

Pharmakologische Produkte sind nicht nur bei uns ein Riesenbusiness, auch hier werden diese in allen Farben verkauft. Das grosse Sortiment deckt vermutlich die meisten möglichen Einsätze ab, ich allerdings würde keines der Präparate kaufen wollen. Das Verhältnis zwischen Inhalts- und Füllstoff sowie die genaue Zusammensetzung wäre mir zu unsicher. Und ich traue keinem Apotheker ohne Krawatte!

Elektrische Geräte für wissenschaftliche Zwecke - die genauen Einsatz-Zwecke blieben mir verborgen - finden kaum einen reissenden Absatz. Der eher gelangweilte Händler muss sich nicht vor Kunden schützen. Sein Kollege schaut schon mal nach möglicher Kundschaft Ausschau. Einen überaus grossen Erfolgsbonus muss er ihm vermutlich nicht bezahlen.

Schneider flicken allerhand Textilien und andere Dinge; Hosen, Hemden und Taschen werden fachkundig ausgebessert. Die Nähmaschinen scheinen auch ohne Elektrizität bestens zu funktionieren. Muskelkraft ist allgegenwärtig und kostet nichts. Die alten Nähmaschinen sind wohl längst abgeschrieben und erzeugen so einen guten Return on Investment.

Religion ist immer ein Geschäft, hier zur Abwechslung ein Hindu-Tempel mit seiner typischen Verzierung. Aus dem Innern ertönte lautes Getrommel und Gepfeife, wir waren allerdings mehr an einem Taxi interessiert, welches uns rechtzeitig zum Schiff zurück brachte.

Diese Trishaw war leider schon mit glücklichen Passagieren besetzt, so dass wir unser Geschäft mit einem motorisierten Taxi machen mussten. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig zum Sicherheitsdrill und anschliessendem Mittagessen auf dem Schiff.
