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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Italien : England - 365 : 1

Nach drei Stunden Fahrt wechselten wir um 9 Uhr unseren Lotsen aus. Diese kommen jeweils für einen bestimmten Streckenabschnitt an Bord und verlassen das Schiff am nächsten Halt wieder. Obwohl der Kapitän den Fluss gut kennt und ihn auch gut lesen kann - Untiefen und Sandbänke verraten sich durch die Bewegung des Wassers an der Oberfläche - muss immer ein Lotse an Bord sein.
In Minhla sperrten 1885 die Burmesen den Irragwaddy, um die Engländer vom weiteren Vordringen in Richtung Norden abzuhalten. Dazu versenkten sie eine Vielzahl von Schiffen im Fluss, um jegliches Durchkommen unmöglich zu machen. Auf der linken und der rechten Uferseite liessen sie durch italienische Architekten je ein Fort errichten, von den aus sie mit italienischen Kanonen den Fluss beschiessen wollten.

Ein gutes Jahr Bauzeit genügte für das Fort, die dicken Mauern widerstanden den wechselnden Zeiten auch problemlos. Die Engländer hielten diese Vorrichtungen leider nicht ab, obwohl der Plan makellos war. Oder so dachten die Burmesen zumindest.

Die Engländer wussten, dass weiter flussaufwärts starke Regenfälle fielen und brauchten nur zu warten, bis der Wasserstand genügend hoch war und sie die Barrikaden problemlos überqueren konnten. Die italienischen Kanonen sowie das Fort hielten dem englischen Ansturm einen Tag lang stand, dann passieren die Engländer die vermutlich so sichere Stelle ohne grossen Widerstand. Ein Jahr Bauzeit, 1 Tag Ansturm. Shit!

Auf dem Rückweg zum Schiff wies mich unser Reiseführer auf dieses kleine Lokal hin: Ein Mikrokredit-Geber, welcher den Gesuchstellern für die Realisation ihrer Geschäftsideen kleine Kredite gewährt. Diese werden mit 1.5% pro Monat verzinst und ermöglichen meist Frauen den Einstieg in die eigene berufliche Existenz. Die Gelder sind nicht als Konsumkredit gedacht, vielmehr sind sie eigentliche Investitionshilfen. Die Idee dieser Mikrokredite wurde von Muhammad Yunus erfunden, er wurde dafür 2006 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Nach dem Mittagessen, welches heute von einem gigantischen Gewitter begleitet wurde, fuhren wir weiter nach Magwe, einer Ortschaft mit 200’000 Einwohnern. Dort besuchten wir am späteren Nachmittag den lokalen Markt, wo ich die Gelegenheit nutzte, einige Details zu fotografieren. Dieser Händler verkaufte unzählige Flip-Flops, jene in Asien allgegenwärtigen Plastik-Latschen.

Speziell für die modebewusste Frau waren hier stark verzierte Schuhe im Angebot. Wie lange diese bei den vorherrschenden Strassenverhältnissen so schön bleiben, kann ich mir nicht vorstellen. Ausser der eigentlichen Hauptstrassen sind die meisten Wege ungeteert und bei den starken Regenfällen eigentliche Schlammlöcher. In den Häusern werden nie Schuhe getragen.

Thomas’ sehr delikate Nase war an diesem Stand besonders gefordert. Getrockneter Fisch vieler verschiedener Sorten waren hier im Angebot. Auch für mein nicht ganz so feines Näschen war das grenzwertig. Schön zum ansehen, weniger schön in der Nase. Wie die wohl auf der Zunge schmecken? Ausser bei einigen getrockneten Crevetten hatte ich noch nie Gelegenheit für einen Test. Die Burmesen sehen dies ganz anders, denn die Produkte waren an mehreren Ständen stark gesucht.

Zwiebeln und Knoblauch gehören in jedes burmesische Curry, diese Händlerin verkauft Unmengen davon. Der Knoblauch wird als ganze Knollen verkauft, jedoch können auch nur einzelne Teilknollen (Zinken ??) erstanden werden.

Nicht nur Reis in allen Varianten wird gegessen, auch Hülsenfrüchte sind beliebt. Mit Linsen, Maiskörnern und auch Bohnenkernen erwirtschaftet dieser Händler einen guten Umsatz. So gut, dass er sich freute, als ich seine Auslage fotografierte.

Diese schelmisch lächelnde und hübsche Burmesin büschelt die Blätter für die Zubereitung der Betelnüsse. Sie erlaubte mir, ein Bild zu machen und freute sich, als ich ihr das Resultat zeigte.

Die gespaltenen Betelnüsse werden rege nachgefragt, der Genuss dieses Rauschmittels ist nicht nur sehr weit verbreitet sondern offensichtlich auch legal.

Diese Gewürze sind zwar ebenfalls weit verbreitet, sollten für uns Westler aber eigentlich verboten sein. Zumindest der exzessive Gebrauch in der Küche jedenfalls. Vorne links ist Curcuma, bei uns Gelbwurz genannt. Dieses gibt den Curies die richtige Farbe. Bei zu generöser Verwendung wird aber jedes Gericht leicht bitter. Die übrigen Säcke enthalten die gefährlichen und potentiell gesundheitsschädlichen Substanzen. Wenn zuviel dieser Chiles in ein Gericht gerät, fliessen die Tränen, die Nase beginnt zu laufen und für die nächsten paar Tage ist der Geschmacksinn stark eingeschränkt. Die richtige Menge ist phantastisch, zuviel davon eher weniger.

Am meisten Motorräder stehen vor dem Internet-Cafe und Game-Center. Einen privaten PC können sich nur wenige Burmesen leisten, ganz abgesehen von den hohen Kosten für einen privaten Internet-Zugang. Internet-Cafés sind in grösseren Ortschaften verbreitet und auch gut besucht. Leider fehlte uns die Zeit für einen solchen Besuch. Auf dem Schiff funktioniert das Internet kaum je und wenn, dann nur sehr langsam. Die Verbindung wird über ein burmesisches Handy aufgebaut, dessen Verbindungsgeschwindigkeit sehr, sehr langsam ist. Zudem lässt die Netzabdeckung durch die Handyantennen zu wünschen übrig. Unsere westlichen Smartphones funktionieren in Burma nicht, das lokale Netz ist für uns nicht zugänglich. Bereits zeigen sich bei einigen Mitreisenden - auch bei mir - erste Entzugserscheinungen. Wenn immer ich mit dem Mac auf Deck sitze, kommen andere vorbei und fragen mich um Rat. Helfen kann ich leider nicht.

Einmal mehr wurden wir von den Einheimischen sehr interessiert gemustert. Wie wir sie bestaunten, so hielten sie es mit uns. Besonders für die Kinder sind wir in diesen abgelegenen Orten eine Sensation und werden entsprechend begrüsst. Winken wird zur anstrengenden Tätigkeit wenn wir mit den Trishaws unterwegs sind.
