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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Ein ernster Fall von Pagoditis gravis
Bagan ist einer der Höhepunkte jeder Reise in Myanmar, ja sogar in Südost-Asien. Mit einem Reisebus waren wir heute schon am frühen Morgen unterwegs, um uns einige der unzähligen Pagoden und sonstigen religiösen Stätten anzusehen.

Als erstes hielten wir für einige Fotos bei einer der grössten Pagoden, welche wir von ausserhalb schon mal besichtigten. Der Ananda Tempel sieht von aussen nicht sehr überwältigend aus. Später besuchten wir ihn auch noch im Innern, das Bild änderte sich dann.

Überwältigend waren dafür die Souvenir-Händler, welche uns während der gesamten Tour mit ihren Motorrädern verfolgten und uns, wann immer wir ausstiegen, ihren Tand andrehen wollten. Fliegen sind weniger eklig, zudem kann man sich diese mit Spray oder einer Klatsche vom Leibe halten. Für die fliegenden Händler gibt es leider weder die eine noch die andere solche Remedur. Weder Thomas noch ich sind Spontankäufer, mit uns war kein Geschäft zu machen. Viele der übrigen Reiseteilnehmer langten immer wieder zu und kauften T-Shirts, Hemden, Bücher und Ansichtskarten. Vom Aussehen her das meiste in grossen Fabriken hergestellt und von minderwertiger Qualität und nicht mal den billigen Preis wert.

Die Shwezigon Pagode gilt als Prototyp der burmesischen Pagoden, sie ist wie viele andere auf dieser Reise mit Gold belegt und glänzt im Sonnenlicht, so dass die Augen sogar trotz der Sonnenbrille mit der Zeit zu schmerzen beginnen.

Alle Gläubigen gehen im Uhrzeigersinn um die Pagode, so auch diese rosa gekleideten, weiblichen Mönche und auch die rot gewandeten jungen Mönche. Sogar wir Ungläubigen hielten uns meist an diese Regel, wenn auch nicht immer vollständig. Da wir ohnehin nie im Nirvana enden werden, zählt diese Erhöhung des negativen Karmas auch keine grosse Rolle mehr. Und im Gegensatz zu vielen anderen Religionen werden Ungläubige von Buddhisten (noch) nicht umgebracht.

Schliesslich statteten wir noch einigen Buddha-Figuren einen Besuch ab. Auch in Bagan gibt es unzählige dieser übergrossen Figuren, die meisten, mit einigen wenigen Ausnahmen, vergoldet.

Interessant waren drei Buddha-Figuren, welche im Manuah-Tempel eingemauert sind. Der freie Raum um die Figuren ist so klein, dass sich auch ein nicht massiv „circumventionally challenged“ Besucher leicht Platzangst bekommen könnte. Besonders an einer Stelle musste ich den Bauch stark einziehen, damit ich um die eine Zehe Buddhas herum konnte - und dies erst noch zweimal, denn von und zu der kleinen Seiten-Kammer gab es lediglich einen Zugang. Die Figuren wurden aus Backsteinen gemauert und anschliessend verputzt, sowie mit Gold überzogen.

Nach dem Lunch machten wir uns wiederum auf den Weg zur Erkundung von Bagan. Unsere Anlegestelle lag unterhalb eines Mönchklosters am Ufer vertäut und wir durften durch das Klostergelände zu unserem Bus gehen. Ein älterer Mönch war mit Smartphone und Notebook gerade in einer Konversation mit Buddha, mir wollte er die eMail-Adresse Buddhas aber leider nicht verraten. So muss ich wohl oder übel ohne diesen Ratschlag weiterhin auf Erden wandeln und vielleicht einmal als Ratte wiederkommen. Zu mehr wird mein Karma einst wohl nicht ausreichen.

Bagan’s Ruhm ist durch seine frühere Stellung als Hauptstadt begründet. Im 11. bis 13. Jahrhundert liessen die damaligen Könige in einem wahren Rausch eine Pagode neben der anderen errichten. Von denen überlebten etwa 3’000 religiöse Bauten die wechselnden Zeiten, Kriege und auch Erdbeben. Einer unserer Mitreisenden prägte heute den treffenden Ausdruck „Jedem Blödeli sein Pagödeli“. Dem kann ich nur zustimmen. Nach dem heutigen Tag leide ich wie wohl viele andere auch an einer „Pagoditis gravis“.

Für den Sonnenuntergang fuhren wir in den Osten der Stadt zum Pya Theo Gyi Tempel, von dessen Terrasse aus sich ein grosser Teil der 42 km2 grossen Ebene überblicken lässt. Beim Parkplatz steht dieses Schild, welches die Besucher auffordert, sich der Lokalität entsprechend zu verhalten. Zwar schön verziert, aber nur mit viel gutem Willen zu verstehen. Burma hat noch viel zu tun, wenn sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickeln soll.

Immer wieder ragen Pagoden aus der Vegetation. In Richtung Osten war der Himmel wolkenlos, doch die Sonne geht auch in Burma im Westen unter. Dort war der Himmel bewölkt, so dass die Sonne statt hinter dem Horizont hinter den Wolken unterging. Trotzdem ergaben sich noch einige interessante Bilder.




Eine Kuhherde wirbelte einigen Staub auf, als sie auf dem Weg in Richtung Osten zog.

Bis zuletzt hofften wir vergeblich, dass die Sonne noch ein Loch in den Wolken fände, um die Landschaft zu beleuchten. So muss nun ein Wolkenbild den Tagesabschluss machen.
