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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Rekonvaleszenz von der Pagoditis

Nach der gestrigen Pagoden-Überdosis liessen wir es heute ruhiger angehen. Zur Entwöhnung und Milderung der Entzugserscheinungen zeigten sich noch einige wenige dieser Bauwerke am Flussufer.

Eine grosse Brücke überspannte hier den Irrawaddy, einige km Stahlkonstruktion ermöglichen hier die Überquerung des Flusses. Einige Elemente der Brücke sind in einer Bogenkonstruktion ausgeführt, die übrigen Elemente sind einfallslos gerade. Was die unterschiedliche Konstruktion bedingt, erschloss sich mir nicht.

Ein Frachtschiff mit Steinkohle wird manuell entladen, meist Frauen tragen die schweren Gefässe über die schmalen Stege vom Schiff aufs Land. Die Kohle wird von hier mit Lastwagen zu einem Stahlwerk geführt. Die Entladung ohne Maschinenkraft ist sehr anstrengend, die Männer schaufeln die Kohle in die Körbe und die Frauen eilen mit den gefüllten Körben zu den grossen Kohlehaufen auf dem Land.

Ein kleines Dorf am Ufer bot uns Gelegenheit für einen Spaziergang. Dieses zweistöckige Haus hat Mauern aus geflochtenen Palmblättern und ein Dach ebenfalls auch Palmblättern. Eine kleine Solarzelle liefert den Strom für das batteriebetriebene Radio. Das Dorf ist nicht ans Stromnetz angeschlossen.

An diesem einfachen Haus hängt ein Portrait des Generals Aung San, dem Nationalhelden Burmas und Vaters von Aung San Suu Kyi, der Oppositionsführerin. Er wird im Land immer noch verehrt, obwohl er bereits 1947 ermordet wurde. Vielleicht auch gerade deshalb, sein früher Tod verhinderte, dass er sich zum Diktator entwickeln konnte. Während des Unabhängigkeitskampfes verbündete er sich mit den Japanern gegen die Briten und dann wieder mit den Briten gegen die Japaner. Immer mit dem Ziel, seine eigenen Ziele zu erreichen.

Einmal mehr mussten wir öfter den Ochsenfuhrwerken ausweichen, welche auch hier für Transporte von allerhand Waren benutzt werden.

Dieser rosafarbenen Muttersau mit ihren 3 Ferkeln mussten wir nicht ausweichen, alle vier waren mit graben nach Futter beschäftigt und nahmen keine Notiz von uns.

Thurgau Travel spendete zusammen mit anderen Reisegesellschaften ein Schulhaus für die Dorfbevölkerung; Fünf Klassen unterschiedlicher Stufen werden hier parallel unterrichtet und extra für uns wurden die Schüler am heutigen schulfreien Samstag aufgeboten.

Stramm stehen für die Touristen, dazu noch ein Lied singen: Auch so lässt sich ein Samstagvormittag verbringen. Immerhin erhielten sämtliche Schüler noch Schreibwerkzeuge als Geschenke. Blei- und Farbstifte sowie auch einzelne Kugelschreiber brachte unsere Crew vom Schiff mit. Sinnvollere Geschenke als die Guetsli und Zeltli, welche viele in unserer Gruppe jeweils an die Kinder verteilten.

Am Nachmittag sahen wir uns in einem weiteren Dorf eine Töpferei an. Alle Familien stellen hier Tontöpfe her, welche gebrannt als Trinkwasser-Behälter Verwendung finden. Die Töpferscheibe wird durch die Füsse angetrieben und der am Fluss gewonnene Lehm zum rohen Topf geformt. Nach einigen Minuten ist der Topf zum Trocknen in der Sonne bereit.

Ein anderes Familienmitglied schlägt ihn dann in drei Durchgängen in die endgültige Form. Von innen wird der Rohling mit einem runden Holzstück gestützt, während draussen ein unterschiedlich dicker Hammer auf den Lehm trifft. So wird der Topf grösser, dünnwandiger und erhält schliesslich seine endgültige Form.

Schlussendlich erhält er noch ein typisches Muster aufgedrückt, welches den fertigen Topf verziert und auch auf die Herstellerfamilie verweist. Gebrannt werden die Töpfe ausschliesslich in der Trockenzeit, da ein unerwarteter Regenguss den Brennprozess unterbrechen und sämtliche Töpfe unbrauchbar machen würde.

Die fertigen Töpfe werden kunstvoll aufgeschichtet und warten auf den Transport zu den Kunden. Trotz vollständiger Handarbeit sind die Töpfe alle gleich gross! Ein Topf kostet hier 350 Kyat, etwa 0.35 CHF, in Yangon, einige 100 km flussabwärts gut das 10 fache. Wie auch in anderen Industrien nimmt der Zwischenhandel den Grossteil des Profites, für die Produzenten bleiben lediglich Brosamen.

Einmal mehr wurden wir von den Dorfkindern erwartet, welche die hier aufgeschichteten Töpfe als Sitzgelegenheiten benutzten.

Auch vier Mönche eines Klosters erwiesen uns ihre Referenz, als wir die Leinen loslegten. Eine Abwechslung vom eher monotonen Klosterleben kam auch ihnen gelegen. Während der ganzen Zeit unseres Besuches plärrte ein Lautsprecher eintönige Verse aus den buddhistischen Lehrbüchern, welche gemäss unserem Reiseleiter in einer Sprache sind, die hier ausser den Mönchen niemand versteht. Genau wie bei uns mit dem lateinischen Sermon. Sprache als ein probates Mittel der horizontalen Segmentierung der Bevölkerung: Die oben wissen, die unten bleiben unwissend und sind so denjenigen oben ausgeliefert. Funktioniert anscheinend in sämtlichen Kulturen nach demselben Schema.

Einige kleinere Kinder mit ihren Müttern verabschiedeten uns vom Dorf als wir noch zwei weitere Stunden flussaufwärts fuhren, bevor wir wie meist am Flussufer anlegten.
