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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Zwei Brücken über den Irrawaddy und eine andere

Am frühen Morgen war direkt bei unserem gestrigen Ankerplatz schon Betrieb auf den Feldern. Die ersten Bauern nützten die kühlen Morgenstunden zur Bearbeitung ihrer Felder. Mit Ochsengespannen wurden die Äcker gepflügt, viele Kuhreiher folgten diesem Bauern und pickten die freigelegten Würmer und anderes Getier aus den frisch gezogenen Furchen. Der eine arbeitet, die anderen haben ein gratis Festessen. Die Landwirtschaft am Irrawaddy ist noch weitgehend motorlos, keine Geräusche stören die Ruhe. Dieses Bild wird sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren ändern, wenn auch hier vermehrt Traktoren und motorisierte Pflüge Einzug halten. Schade für die Touristen, aber verständlich aus Sicht der Einheimischen.

Immer wieder spiegelte sich eine Pagode im schnell dahin fliessenden Fluss. Kaum je eine Siedlung in Sichtweite, aber Pagoden brauchen offenbar keine Häuser in der Nachbarschaft.

Es ist kaum vorstellbar, wie die Bewohner dieser Siedlung das Geld für den Bau einer Pagode zusammenbringen sollen. Doch scheint die Religion auch dies zu ermöglichen. Lieber kein gutes Haus für die Menschen, dafür ein mit Gold überzogener Sakralbau. Das soll verstehen, wer will, ich kann es nicht.

Dieses Lastschiff trafen wir gestern mehrmals. Wann immer wir stoppten, wurden wir überholt, kaum waren wir wieder unterwegs, fuhren wir vorbei. Für die Nacht stoppte das Schiff einige km weiter flussabwärts von uns doch bereits vor uns nahm es wieder Fahrt auf. Erst nach unserem Morgenessen holten wir wieder auf. Die Ladung bestand aus Stahldraht-Rollen, welche weiter flussaufwärts zu Armierungseisen verarbeitet werden.

Langsam näherten wir uns dem Ziel unserer Reise auf dem Irrawaddy. Kurz vor Sagaing überqueren zwei imposante Brücken den Fluss. Die vordere, elegante wurde von den Briten während der Kolonialzeit erbaut und bei deren Flucht vor den Japanern im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erst in den frühen 50-er Jahren bauten sie sie wieder auf. Die hintere mit den grossen Rundbögen bauten die Burmesen später. Über letztere führt hauptsächlich der Autoverkehr, die britische dient daneben auch dem Zugverkehr.

In Sagaing gibt es einmal mehr unzählige Pagoden, welche wir allerdings heute links liegen liessen. Wir warfen unseren Anker zwar direkt unterhalb des grossen Hügels, werden die Stadt erst morgen besuchen. Durch die Bögen der Brücke lassen sich dennoch die ersten der goldenen Pagoden erahnen.

Thomas wollte unter der Brücke hindurch fotografieren und musste dazu in die Hocke gehen. Kein Aufwand ist zu gross, damit seine Leser die richtigen Bilder zu sehen bekommen!

Imm Gegensatz dazu bin ich eher faul und wartete, bis sich das Bild auch so machen liess. Zudem ich aus der Stellung von Thomas nicht mehr aufstehen könnte. Auch wieder nichts als eine Pagode hinter der Brücke!

Aus der Nähe betrachtet sahen die einzelnen Püggeli noch viel eindrücklicher aus. Ich zählte mehr als 20 vergoldete Spitzen alleine in dieser Anlage!

Die grosse Pagode auf diesem Hügel sparten wir uns für den kommenden Tag auf, für heute ankerten wir direkt unterhalb am Flussufer. In der Nähe unseres Schiffes lag irgendwo ein Kloster, von dem aus während der ganzen Nacht ein plärrender Mönch in ohrenbetäubender Lautstärke seinen Sermon verkündete. Ich hoffte immer, dass ihm der Strom ausgeht, bevor ich ihm noch den Lautsprecher ausschiessen muss. Nach einer solchen Nacht kann ich Peppone verstehen, wie er einst Don Camillos Glocke zum Verstummen brachte. Ein wahrer Buddhisten-Taliban!
Am späteren Nachmittag statteten wir einer Seidenweberei einen Besuch ab, wo einige junge Frauen Seidentücher webten. Die Farben der Stoffe waren in meinen Augen grässlich und auch die Muster eher für den fernöstlichen Geschmack geeignet. Kaum waren wir aus der Weberei in den anschliessenden Shop weiter gezogen, verschwanden die Weberinnen eine nach der anderen. Viele der hier angebotenen Stoffe kamen vermutlich aus noch billigeren Fabriken und wurden hier als Made in Myanmar angeboten. Einige der Frauen unserer Gruppe kauften wacker ein, sehr zur Freude der Verkäuferinnen.

In Amarapura steht eines der touristischen Wahrzeichen Burmas, die U Bein Brücke, oft auch als U Pein Brücke bezeichnet. Angeblich die längste Teak-Holz-Brücke der Welt, welche Aussage ich weder bestätigen noch verneinen kann. Ihre 1’200 m Länge waren an sich beeindruckend, doch herrschte heute eine wahre Völkerwanderung: einige wenige Touristen und viele Einheimische. Zuerst überquerten wir sie zu Fuss, um uns dann mit Ruderbooten zurück zum Bus rudern zu lassen. Für mich war der Weg sehr beschwerlich, da praktisch auf der ganzen Länge kein Geländer mehr vorhanden war und die Planken sehr ungleichmässig verlegt waren. Glücklicherweise hatte ich einen Gehstock dabei, sonst hätte ich wegen des fehlenden Gleichgewichtes die Strecke nicht geschafft.

Unser Plan war es, den Sonnenuntergang an der Brücke zu erleben. Die aufziehenden dunklen Gewitterwolken verhinderten unseren Plan, so dass wir zwar noch in der tierstehenden Sonne fotografieren konnten, jedoch bald schon den See verliessen. Der befürchtete Regen blieb aus, lediglich als wir schon trocken im Bus sassen, fielen einige wenige Tropfen.

Unter den bedrohlichen Wolken ergab sich noch das eine oder andere schöne Bild mit einem hohen Kontrast, so dass die Menschen und auch die Velos nur noch als Silhouetten wahrnehmbar waren. Insgesamt hinterliess die berühmte Brücke bei mir jedoch einen zwiespältigen Eindruck, ich würde sie nicht noch einmal besuchen.
