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- Kategorie: Thailand und Burma 14 - Teil Burma
Grössenwahn pur
Nach einer Nacht mit pausenlosem Buddha-Taliban Geplärre waren wir heute bereits kurz nach 6 Uhr auf Deck für einen ersten Kaffee.

Direkt neben unserem Schiff war am Fluss eine Müllkippe und in der Distanz eine der unzähligen Pagoden in dieser Gegend. Wenn der Wohlstand in Burma stark zunimmt, müssen die Einheimischen der Natur mehr Sorge tragen. Noch ist viel Abfall fast ausschliesslich organischer Natur, der im Fluss abgebaut wird; immer mehr jedoch halten auch hier Plastik und andere Kunststoffe Einzug. Diese bleiben für lange Zeit in der Umwelt und verdrecken diese.

Zwei Frauen waren mit der Herstellung von burmesischen Zigaretten beschäftigt. Einige Tabakkrümel werden mit anderen Zutaten gemischt und die Mischung wird in Blätter eingerollt. Viele ältere Leute rauchen diese Raketen, dies obwohl die westlichen Zigaretten sehr günstig sind. Raucher in unserer Gruppe kauften oft auch bei uns bekannte Marken, das Paket zu 20 Stück für 0.50 CHF. Für Einheimische aber ein hoher Preis.

Einen ersten Besuch statteten wir der Sun-U-Ponnya-Shin Pagode ab, welche in Sagaing auf einem der vielen Hügel liegt. Sagaing ist eine für Burmesen heilige Stadt, welche über unzählige Pagoden verfügt. Etwa 5’000 Mönche wohnen in Klöstern in der Gegend der Stadt. Ein sehr farbiger Buddha mit eine bunt leuchtenden Lichterkranz begrüsst die Besucher. Ein seltsamer Geschmack.

Auch die eigentliche Pagode ist vergoldet, sie steht auf der Spitze eines der höchsten Hügels.

Im Innern traf ich auf zwei bildliche Darstellungen aus dem Leben Buddhas. Angeblich war er in einem früheren Leben nicht ganz so brav, er tötete einen Menschen mit einem Speer und musste deshalb in der Hölle schmoren, er wurde - alle Dinge kehren im Buddhismus wieder - ebenfalls durch Speere getötet. Danach kam er als Buddha wieder und gründete die nach ihm benannte Religion. Hieronimus Bosch zeichnete ähnliche Bilder der Hölle im Christentum. Wer hat hier von wem abgeschrieben?

Diese drei Gestalten auf einem anderen Bild erinnerten mich an vergleichbare Gestalten aus der christlichen Religion. Hier wird nicht ein Säugling verehrt, sondern ein Frosch in einer Höhle.

Zum Abschluss des Morgens besuchten wir ein Frauenkloster, ich interessierte mich vor allem für die Küche. Viele kleine Töpfe dienen der Zubereitung der Speisen, welche immer gruppenweise eingenommen werden. Jeweils fünf Nonnen kochen zusammen.

Eine rosa gewandete Nonne beim Kochen. Kein Dampfabzug sorgt für frische Luft, der Rauch der Kohlenfeuer hat die Wände des Gebäudes im Laufe der Jahre schwarz verfärbt. Besonders gesund scheint mir dieses Leben nicht zu sein. Interessanterweise mussten wir die Schuhe in diesem Kloster nicht ausziehen. In allen anderen religiösen Stätten müssen sowohl Schuhe als auch Socken jeweils von den Füssen, bei den Frauen ist dies aber nicht nötig. Einmal mehr ein Beweis, dass Frauen auch in dieser Religion nichts gelten.

Ein altes Kloster, welches vollständig aus grossen Teakbäumen erbaut wurde, besuchten wir anschliessend. Bagaya Kyaung ist Heimat einiger junger Mönche, welche sich hier ausruhen und miteinander schwatzen. Beim Arbeiten sah ich auf der ganzen Reise keine Mönche, ihre Mahlzeiten erhalten sie frühmorgens auf ihren Bittgängen schon gekocht. Die Nonnen erhalten traditionsgemäss nur Rohwaren und müssen diese selber kochen.

Ein Detail einer Aussenwand des Teakholz Klosters aus dem Jahr 1834. Die Konstruktion der Anlage wird von 267 Teakholz Stämmen getragen, deren grösster 18 m hoch ist und gute 3 m Umfang aufweist. Gigantisch!

Das sehr schöne, mit vielen Schnitzereien verzierte Holz im Innenraum ist fast schwarz. Nur die Buddha-Figur ist weiss und steht vor einem goldenen Hintergrund. Ein schöner Kontrast.

Ein erster Blick auf das Ziel unserer Flussreise erhaschten wir noch vor dem Mittagessen. Mandalay ist eine 2-Millionenstadt im zentralen Burma. Hochhäuser, welche wir seit Yangon nicht mehr sahen, tauchten plötzlich wieder auf.

In Mingun liess ein lokaler König ab 1790 eine grössenwahnsinnige Pagode gleichen Namens bauen. Tausende von Zwangsarbeitern schichteten Ziegelsteine zu einem Haufen von 70x70 m auf. Die schlussendliche Höhe sollte 152 m betragen und damit das höchste heilige Gebäude der Welt werden. Bevor er seinen Plan jedoch vollenden konnte, starb er. Viele tausende Sklaven aus anderen Regionen mussten am Bau mitarbeiten. Wie viele Bäume für das Brennen der Ziegel gefällt wurden, ist kaum vorstellbar. Der grösste Ziegelhaufen der Welt ist immerhin ein bleibendes Zeugnis des verrückten Königs. Sogar für den Ziegelhaufen mussten die Schuhe ausgezogen werden, er gilt in der lokalen Kultur als wichtiger denn ein Nonnenkloster. Das soll verstehen wer will.

Für die geplante Pagode wurde eine Glocke gegossen, welche noch heute tönt. 3.7 m Höhe, ein Umfang von 15 m und 90 Tonnen Gewicht sind einige der beeindruckenden Masse. Damit gilt sie als grösste funktionierende Glocke der Welt. Der Glockengiesser wurde vom König exekutiert, damit er sein Wissen nicht noch einmal für jemanden einsetzen konnte. Spinner kennen keine Grenzen.

Bei den Einheimischen ist es ein Brauch, mit den Holzknüppeln gegen die Glocke zu schlagen und sie so ertönen zu lassen. Selbst schon kleine Jungs versuchen sich darin. Andere Leute kriechen unter die Glocke, um den dumpfen Ton zu hören.

Für die Nacht legten wir am Quai von Mandalay an, wo starker Verkehr herrscht. Am späteren Abend hörte dieser langsam auf um kurz nach 5 Uhr wieder zu beginnen. Besser Autos, Töffs und Lastwagen als ein buddhistischer Taliban Plärrer. Die Sonne warf noch einen langen Streifen goldenes Licht auf den Irrawaddy, das Fischerboot musste ich nicht einmal ins Bild einkopieren!
