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- Kategorie: Winterreise 12 / 13 - Sri Lanka
Eine Zugfahrt der etwas anderen Art
Von Ella nach Nuwara Eliya buchten wir heute den Zug, der durch eine der schönsten Strecken des Hochlandes fährt. Andrew legte die Strecke mit dem Auto zurück und erwartete uns am Ziel.

Am frühen Morgen weckte uns ein starker Regen, doch als wir zum Frühstück gingen, hörte dieser auf und der Ella Gap von seiner schönsten Seite. Im Tiefland lag noch Frühnebel, welcher der Landschaft ein mystisches Aussehen verlieh.

Am Bahnhof mussten wir zuerst die Billets erstehen - 12 CHF für zwei Personen für die 2 1/2 stündige Zugfahrt in der ersten Klasse. Der Billetschalter sieht noch so aus, wie bei uns vor 30 Jahren. Aber der Verkauf klappte auch ohne die modernste Technologie problemlos.

Während wir auf die Ankunft unseres Zuges warteten, war derjenige aus der Gegenrichtung schon in der Station. Diese beiden Hübschen posierten gerne für ein Bild.

Pünktlich um 09:44 fuhr der Zug in die Station ein, die Diesellok schaffte die wenigen Wagen problemlos. In Sri Lanka gibt es 3 Klassen in den Zügen, zuhinterst ein Panorama-Wagen für die Touristen, wo die Billete sehr viel teurer sind, als in den anderen Klassen. Dafür ist die Aussicht auch sehr gut.

Die Landschaft zog schön langsam vor dem Betrachter vorbei, der Zug war kaum je schneller als mit 25 Stundenkilometern unterwegs, so dass immer genügend Zeit für die Fotografie und Landschaftsstudien verblieb. Hier ein Wasserfall, der durch die Regenfälle der vergangenen Wochen viel Wasser führte.

Der Zug bestand aus 9 Wagen plus der Lokomotive. Sogar ein einfaches Zugrestaurant gehörte mit zur Ausstattung.

Je höher der Zug aufstieg, desto mehr Teeplantagen prägten die Landschaft. Teilweise waren ganze Berghänge mit Tee überzogen, viele Plantagen wurden auch heute intensiv bearbeitet.
Wir waren gerade in einem der vielen Tunnels, als der Zug plötzlich stoppte. Während einer Stunde ging erst einmal gar nichts mehr, das Licht blieb im Wagon aber eingestellt. Informationen über die Ursache gab es keine. Nach der längeren Wartezeit machte ich mich mal auf den Weg in Richtung der Zugspitze und dort wurde der Grund dann schnell klar.

Unser Zug wurde von zwei Loks gezogen, da an einem der Bahnhöfe zwei Züge zusammengelegt wurden und die Strecke bis auf gut 2000 m.ü.M. anstieg. Da brauchte es zwei starke Loks. Die hintere der beiden Maschinen sprang auf gerader Strecke aus der Schiene, der unmittelbar danach folgende Güterwagen wollte ebenfalls nicht mehr auf den Schienen weiter fahren und entgleiste ebenfalls. Beim Unglück wurde die linke Schiene richtig aus der Verankerung gerissen und damit war natürlich nicht mehr an ein Weiterfahren zu denken.

Einige Passagiere machten sich zu Fuss auf den Weg zur nächsten Station, gute 6 km auf den Geleisen und durch viele enge Tunnels. Eine sehr gefährliche Angelegenheit, zumal in den Tunnels absolut kein Licht war und zwischen einem durchfahrenden Zug und der Tunnelwand nur sehr wenig Platz blieb. Brigitte und ich hatten Glück, wir durften in der ersten Lok mitfahren, die zur nächsten Station fuhr, um dort Hilfe zu holen.
Hier ein Video, welches die Sicht des Lockführers auf die Strecke zeigt. Die Bildqualität ist nicht sehr gut, da die Kabine ordentlich ruckelte und die Frontscheibe durch den Regen oft eingetrübt war. Trotzdem interessant und für mich eine absolut neue Er-"Fahrung".

Im Bahnhof von Ohiya auf 1774 m.ü.M. verliessen wir die Lok, welche mit einem entgegenkommenden Zug wieder zur Unglücksstelle zurück fuhr, um die restlichen Passagier abzuholen und die eigenen Passagiere in den entgleisten Zug umsteigen zu lassen. Dieser wurde dann von einer Lock am Ende weiter in die entgegen gesetzte Richtung gezogen. Die Strecke blieb heute den ganzen Tag durch die entgleiste Lok und ihren solidarischen Wagen gesperrt.

In der Station fanden sich noch die ursprünglichen Streckentelefone, mit denen die Belegung der Strecke zwischen den Stationen mitgeteilt wird.

Die Strecke, auf welcher der Unglückszug liegen blieb, wird denn auch korrekt mit „Down train on line" signalisiert.
Der Zug mit den restlichen Passagieren war nach einer knappen Stunde wieder zurück und wir konnten einsteigen. Statt wie geplant bereits um 12:30 kamen wir mit allen Verspätungen und Verzögerungen um 17:00 doch noch in Nuwara Eliya an.
