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- Kategorie: Winterreise 11 / 12 - Cambodia 12
Kraxeln in den Steinen - Tempelanlage von Angkor Wat
Meine Eltern hatten früher ein Silva Buch über die Tempelanlage von Angkor Wat, welches ich oft durchblätterte und bestaunte. Schon damals wollte ich diese mal mit eigenen Augen sehen. Im April 2001 war es soweit, von Bangkok aus machten wir einen Abstecher nach Siem Reap.
Nun bot sich Angkor als Schlusspunkt auf dieser schönen Reise an und so nutzten wir die Gelegenheit für einen zweiten Besuch.

Angkor Wat wird eigentlich nur diese Tempelanlage genannt, obwohl die ganze Gegend mit Tempeln vollgestellt ist und gemeinhin so genannt wird. Ich verzichte hier auch auf die Nennung der einzelnen Tempel und lasse die Bilder für sich sprechen.

Der innerste Teil der Tempelanlage verfügt über die in der Khmer-Architektur typischen Türme. Diese Anlage wurde schon vor Jahren von der Vegetation befreit und wird laufend restauriert. Ohne diese Arbeiten würde die ganze Gegend innerhalb weniger Jahrzehnte im Dschungel versinken.

Die meisten Anlagen sind von langen Säulengängen umgeben, welche einen guten Eindruck von den Dimensionen ergeben. Auch ein grosser Mensch kann hier ohne Probleme aufrecht durchgehen, "circumferentially challenged people" könnten allerdings auf Probleme stossen.

Schöne und detailreiche Figuren (Apsaras) schmücken die Fassaden, hier verfärbt zur Regenzeit von den Dächern rinnendes Wasser den Sandstein.

Vom obersten Geschoss des Haupttempels aus ist die äussere Umfassungsmauer zu sehen zusammen mit den vielen Besuchern, die in die Anlage strömen. Der Aufstieg auf den Haupttempel war einmal mehr sehr schweisstreibend, da kaum ein Windstoss die heisse Luft bewegte. Die gelbe Kugel am Horizont ist ein Fesselballon, mit welchem die Anlage von oben bestaunt werden kann. Der Ballon steigt etwa 30 m hoch und wird anschliessend mit einem Seil wieder an den Boden gezogen.

Auch die Mönche besuchen die Tempel und geben den düsteren Steinen mit ihren orangen Gewändern etwas willkommene Farbe.

Das Volk der Khmer war offenbar sehr kriegerisch: Viele der Reliefs zeigen neben Gesichtern und anderen Szenen auch Schlachten mit martialischen Waffen. Die Szenen sind so detailreich dargestellt, dass der Schlachtlärm beinahe zu hören ist. Mit etwas Vorstellungskraft gelingt dies ganz gut.

Ein anderer Tempel ist bekannt für seine mit jeweils vier Gesichtern geschmückten Türme. In jede Himmelsrichtung schaut eine der Figuren.

Ein Beispiel für die Vegetation, welche die Tempel in Beschlag nimmt. Dieser Baum hat sich auf dem Dach eines Tempels seinen Halt gesucht; die Wurzeln suchen den Kontakt mit dem Boden. Einige der Bäume wurden absichtlich stehen gelassen, um den Besuchern einen Eindruck zu geben. Würden diese Bäume entfernt, fiele vermutlich der ganze Tempel in sich zusammen. Eine Symbiose der besonderen Art.

Wir mieteten ein Tuk Tuk für den ganzen Tag, Mr. Sukha war ein kompetenter und geduldiger Fahrer. Obwohl ich viel länger brauchte, um die einzelnen Tempel zu besuchen, ging ihm die Geduld nie aus, er wartete zuverlässig am jeweiligen Ausgang auf uns. Wir mieteten absichtlich ein Tuk Tuk und nicht die Limousine des Hotels, da so auch etwas von unserem Geld direkt der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt. Zudem ist die Fahrt im offenen Tuk Tuk auch angenehmer als der dauernde Wechsel vom zum Kühlschrank klimatisierten Auto in die feucht-heisse Luft draussen.

Im Zentrum Siem Reaps sind diese Becken der grosse Hit. Viele Einheimische und einige mutige Touristen setzen sich auf den Beckenrand und halten ihre Füsse ins Wasser. Kleine Fische knabbern dann die Hornhaut ab.
Unser Nachtessen war so gut, dass es einen Eintrag in der Rubrik Food Porn rechtfertigt, auch wenn das Restaurant einem für uns eher ungewohnten Namen hat.
Die 11 Jahre seit unserem letzten Besuch verwandelten Siem Reap grundlegend, wie ich schon gestern schrieb. Das Geld, welches die Touristen bringen, ermöglicht der Stadt einen Lebensstandard, wie er sonst in Kambodscha unbekannt ist. Viele Arbeitsplätze entstanden und entstehen immer noch in der Tempelanlage selber durch die laufenden Konservierungsarbeiten. Zudem werden sämtliche Wege mehrmals am Tag gewischt und auch Rasen werden laufend gemäht. Weitere Arbeitsplätze entstehen in der Gastronomie und Hotellerie. Im Zentrum von Siem Reap gibt es hunderte von Restaurants, welche abends recht gut besucht sind. Die Zahl der Hotels ist mittlerweile riesig und immer noch wird gebaut. Ohne die Tempel böte die Stadt mit Sicherheit ein ganz anderes Bild.
